Nach Vorhofflimmern zurück ins Leben

Fünfzehn Jahre hat Hansjörg Brücker an Vorhofflimmern gelitten. Nun ist er von der Herzrhythmusstörung genesen. Sportlich versucht er, an alte Leistungen anzuknüpfen – trotz mehrerer Operationen am Herz.

Im Leben von Hansjörg Brücker hat der Sport schon immer eine grosse Bedeutung eingenommen: Der Sicherheitsbeauftragte am Flughafen in Zürich absolviert fast täglich ein anspruchsvolles Lauftraining und nimmt regelmässig an nationalen und europäischen Wettkämpfen teil. Daneben betreibt er moderaten Kraftsport mit Langhanteln und Schlingentrainer: Bewegung und körperliche Betätigung gehören in Brückers Alltag.

Daran hat er auch festgehalten, als sich Ende 2000 das Vorhofflimmern einstellte – ausgerechnet beim Lauftraining. In den folgenden Jahren blieb er sportlich aktiv, auch wenn die Attacken mal häufiger, mal intensiver wurden. Egal, ob er die Herzrhythmusstörungen im Bedarfsfall mit Medikamenten behandelte oder sich einer Katheterablation unterzog: Brücker blieb in Bewegung, wenn auch – verständlich – nicht in demselben Ausmass wie zuvor. Doch nicht nur körperlich war Brücker in dieser Zeit zeitweilig eingeschränkt, auch psychisch setzte ihm die Herzrhythmusstörung zu. Die Unvorhersehbarkeit des nächsten Ereignisses verunsicherten den sonst so ausgeglichenen Mann und liessen ihn das Training umso vorsichtiger angehen.

Im Kampf gegen die Zeit

So richtig unbeschwert nahm Brücker das Lauftraining erst nach der dritten Katheterablation im Sommer 2013 wieder auf. „Tatsächlich traute ich der Sache noch nicht ganz“, so der Sportler, denn die Angst vor Rückschlägen sass nach zwei Katheterablationen ohne zufriedenstellendes Ergebnis tief. „Doch im Laufe der beschwerdefeien Zeit wurde ich von Woche zu Woche zuversichtlicher.“ Brücker steigerte sein Pensum: Der Leistungssportler wollte an alte Erfolge anknüpfen und wieder verstärkt Wettkämpfe bestreiten können. Dieser Anspruch an sich selbst war nicht nur eine enorme Herausforderung für den einst herzkranken Körper, sondern auch ein Kampf gegen die Zeit: Von der ersten Attacke Ende 2000 bis zur erklärten Heilung 2015 waren immerhin anderthalb Dekaden vergangen. Aus dem jungen Erwachsenen war ein Best Ager in den frühen Fünfzigern geworden.

Fitness (fast) ohne Alter

Doch Brücker erreichte schon im Herbst 2013 eine sportliche Kondition, die mit seinen Leistungen aus jüngeren Jahren vergleichbar war – und das nur wenige Monate nach der letzten Katheterablation im April desselben Jahres! Im Oktober nahm er am Hallwilerseelauf im Kanton Aargau teil und platzierte sich wieder ganz weit vorn. In den folgenden Jahren wagte sich Brücker immer häufiger an Wettkämpfe heran: Ehrgeizig arbeitete Brücker Tag für Tag auf sein Ziel zu und behauptete seine Ausnahmestellung in der Laufgemeinschaft: Im Oktober 2015 zählte die ‚Aaargauer Zeitung‘ den tatsächlich „unverwüstlichen Hansjörg Brücker“ zu den aktuell besten Langstreckenläufern der Schweiz. Und das in der Szene hochfrequentierte Online-Newspaper der Laufgemeinschaft Horn fragte angesichts Brückers beeindruckender Top-Form, mit dem er halb so alte Mitläufer in den Schatten stellte, verdutzt: „Hat der eigentlich ein Alter?“

Nächster Lauf in Sicht

Der Sieg beim Sikinga-Lauf in Untersiggenthal 2016 war für Brücker eine weitere Etappe auf dem Weg zurück in das Leben, so wie er es vor dem Vorhofflimmern kannte. Inzwischen ist Brücker angekommen: „Meine alte Leistungsfähigkeit ist wieder voll da“, berichtet er stolz. „Ich kann meinen Sport wieder ganz ausüben.“ Der ambitionierte Sportler zieht fast täglich die Laufschuhe an, auch Krafttraining steht bei ihm auf dem Plan. Und Wettkämpfe sind nach wie vor seine grosse Leidenschaft. Der Nächste steht schon im Kalender.