Hirslanden Fachartikel

Sich operieren lassen, heisst heute nicht mehr automatisch, auch im Spital zu übernachten. Viele Patientinnen und Patienten schätzen das.

Text: Maja Schaffner

Eine Operation ohne Übernachtung im Spital – das klingt noch immer etwas ungewohnt. Doch ambulante Eingriffe werden auch in der Schweiz häufiger. Dies ist durch den Fortschritt bei den Operationsverfahren möglich: «Heute lassen sich zahlreiche chirurgische Eingriffe minimalinvasiv durchführen», erklärt Stefan Joss, Spezialist für Knie- und Hüftchirurgie und Sportmediziner mit eigener Praxis in Bern. Dabei entstehen nur kleine Wunden, die schneller heilen, und Patientinnen und Patienten haben weniger Schmerzen. Zusätzlich hat sich die Anästhesie weiterentwickelt: Oft wird heute nur noch derjenige Körperteil betäubt, der operiert wird. So lassen sich Schmerzen wirkungsvoll vermeiden und gleichzeitig Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Benommenheit reduzieren.

Ambulant vor stationär

Der Trend zum ambulanten Operieren hat auch einen gesundheitspolitischen Hintergrund: Seit Januar 2019 gilt in der Schweiz bei zahlreichen Operationen das Motto «ambulant vor stationär». Unter anderem stehen Leistenbruch-, Meniskus- oder Mandeloperationen auf der Liste der Eingriffe, deren Kosten – von medizinisch notwendigen Ausnahmen abgesehen – nur dann übernommen werden, wenn sie ambulant erfolgen. Grundsätzlich eignen sich fürs ambulante Operieren vor allem eher kleinere, einfachere und risikoarme Eingriffe, die weder einen hohen Blutverlust noch starke Schmerzen oder sonstige Komplikationen erwarten lassen. Wichtig ist auch, dass die Betroffenen danach mobil genug sind, und vor allem, dass keine intensive Nachsorge nötig ist. «Ob ein Eingriff ambulant durchgeführt werden kann, wird in jedem einzelnen Fall abgewogen», betont Chirurg Joss. Patientinnen und Patienten, die zu krank oder zu alt sind, als dass sie nach der Operation gefahrlos nach Hause entlassen werden können, werden weiterhin ins Krankenhaus aufgenommen. Treten während oder nach dem Eingriff Komplikationen auf, wie etwa starke Blutungen, ist ein stationärer Aufenthalt ebenfalls möglich. Durchgeführt werden ambulante Operationen entweder in einem öffentlichen Spital von den dort angestellten Ärztinnen und Ärzten oder in Privatspitälern oder ambulanten Operationszentren durch externe Spezialistinnen oder Spezialisten. In der Regel bündeln Letztere ihre Eingriffe. Joss: «Dadurch kann ein effizienter und geordneter Ablauf garantiert werden.» Die Risiken bei ambulanten Operationen sind nicht erhöht: «Ich operiere genau gleich», sagt der

Chirurg. Wichtig ist allerdings etwa, dass bis zur Entlassung alle Drainagen entfernt sind und Wundverbände für die folgenden Tage sicher schützen und halten. Patientinnen und Patienten müssen zudem für den Heimweg ausreichend mit Schmerzmitteln versorgt sein. «Auch bei den administrativen Abläufen muss alles klappen», weiss Joss. Beim Austritt muss das Rezept für Schmerzmittel ebenso bereitliegen wie das Arztzeugnis für den Arbeitgeber, die Verschreibung für Physiotherapie oder die Dokumentation darüber, was genau gemacht wurde. Für den Fall, dass dennoch etwas sein sollte, erhalten Patientinnen und Patienten Notfallnummern.

Mehrheit ist zufrieden

Einige Patientinnen und Patienten würden sicher lieber im Spital bleiben. Dies sind tendenziell ältere Personen, bei denen die Organisation der Nachbetreuung schwierig ist. «Die meisten finden ambulante Operationen eine gute Sache», sagt Stefan Joss. Offenbar sind viele froh, wenn sie nach einem Eingriff gleich wieder nach Hause gehen können.

Operieren ohne Schmerz

Wussten Sie, dass es Vollnarkosen im heutigen Sinn erst seit 1846 gibt? Damals setzte der Zahnarzt William T. G. Morton das erste Mal Äther ein.

Unser Spezialist

Facharzt für: Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates