Hirslanden Fachartikel

Werden Tumore in der Brust rechtzeitig entdeckt und richtig behandelt, sind die Heilungschancen heute gut. Vor allem dann, wenn Spezialistinnen und Spezialisten verschiedener Fachrichtungen zusammenarbeiten.

Text: Maja Schaffner

Abwarten und Teetrinken ist bei Brustkrebs keine gute Idee. Im Gegenteil: Wächst ein Knoten in der Brust, sollte die Betroffene rasch reagieren. «Wenn ein bösartiger Tumor entdeckt und behandelt wird, bevor er Metastasen bildet, stehen die Chancen gut, dass er vollständig entfernt werden kann», erklärt

Patrizia Sager, Brustspezialistin und Leiterin Brustzentrum Bern Biel.

Umwelt und Gene wirken zusammen

Grundsätzlich kann jede Frau in jedem Alter Brustkrebs bekommen. Etwa jede Achte erkrankt bis zu ihrem 80. Geburtstag daran. In der Schweiz sind das rund 6200 Frauen pro Jahr. Damit ist Brustkrebs

die häufigste Krebserkrankung überhaupt beim weiblichen Geschlecht. Die gute Nachricht: Da heute viele Frauen ihre Brust abtasten und ab dem 50. Lebensjahr regelmässig Vorsorgeuntersuchungen

mit Brustultraschall und Mammografie wahrnehmen, werden zahlreiche Tumore frühzeitig erkannt.

Dass überhaupt Krebszellen entstehen, darauf haben verschiedene Umweltfaktoren Einfluss. Zum Beispiel Giftstoffe: «Einer der wichtigsten Risikofaktoren ist Rauchen», betont Patrizia Sager. Aber auch UV- oder Röntgen-Strahlung, Bewegungsmangel, hoher Zuckerkonsum, Übergewicht oder chronische Entzündungen können Krebs begünstigen. Über verschiedene Mechanismen im Körper führen diese Faktoren entweder direkt zu Mutationen im Erbgut; oder sie tragen dazu bei, dass vorhandene Krebs-Gene aktiviert oder schützende Gene abgeschaltet werden. Das Brustkrebs-Risiko nimmt auch mit zunehmendem Alter zu. Der Grund ist, dass die körpereigenen Reparatursysteme immer weniger effizient arbeiten.

Dagegen können nur rund acht Prozent aller Brusttumore auf angeborene Gen-Mutationen zurückgeführt werden. «Der tiefe Wert hängt allerdings auch damit zusammen, dass noch gar nicht alle relevanten Gene bekannt sind», erklärt die Ärztin. Häufen sich in einer Familie Krebserkrankungen, sollte eine Frau ihr Risiko auf jeden Fall frühzeitig abklären und gegebenenfalls ihre Brust nach einem individuellen Vorsorgeplan engmaschig kontrollieren lassen. Ist sie – wie beispielsweise US-Filmstar Angelina Jolie (46) – Trägerin des mutierten BRCA1- oder BRCA2-Gens, das bereits in jungen Jahren Brust- und auch Eierstockkrebs auslösen kann, ist unter Umständen eine vorsorgliche Entfernung von Brustgewebe und Eierstöcken sinnvoll.

Neben der Früherkennung ist entscheidend, dass Brustkrebs nach dem neusten Wissensstand behandelt wird. Am besten in einem spezialisierten Brustzentrum. Denn dort arbeiten Krebsspezialisten, Brustspezialistinnen, Strahlenheilkundler, Pathologinnen und Chirurgen gemeinsam an der besten Lösung für jede einzelne Patientin. «Eine einzelne Medizinerin oder ein einzelner Mediziner kann einfach gar nicht alles wissen», ist Patrizia Sager überzeugt.

«In den letzten zehn bis fünfzehn Jahren hat die Behandlung von Brustkrebs grosse Fortschritte gemacht», erklärt die Brustspezialistin. Zum Beispiel wird die Brust mittlerweile meist während derselben Operation wieder aufgebaut, in der auch der Tumor entfernt wird. Vor allem aber wird heute sehr viel abgeklärt, bevor geschnitten wird. Insbesondere wird die Genetik von Patientin und Tumor analysiert. Daneben testen die Medizinerinnen und Mediziner teilweise auch bereits vor der Operation, wie der Krebs auf Bestrahlung, Chemotherapeutika, Anti-Hormontherapie oder Antikörper anspricht. «Je nachdem, wie der Tumor reagiert, gibt uns das weitere Hinweise, womit wir es genau zu tun haben», berichtet Sager. «Und je genauer wir den Tumor kennen, desto gezielter können wir ihn bekämpfen.»_

AUCH MÄNNER!

Wussten Sie, dass auch Männer Brustkrebs bekommen können? Ihr Risiko ist allerdings rund tausendmal kleiner als das von Frauen.

Unsere Spezialistin

Fachärztin für: Gynäkologie und Geburtshilfe
speziell: Gynäkologische Senologie
speziell: Operative Gynäkologie und Geburtshilfe