Hirslanden Fachartikel

Ein Hirnschlag tritt plötzlich auf und kann schwerste Folgen haben. Werden Betroffene zeitnah in spezialisierten Zentren behandelt, haben sie heute oft eine gute Prognose.

Text: Maja Schaffner

Auf einer Wanderung, bei der Arbeit, beim Einkaufen oder nachts im Be­tt – ein Hirnschlag kann jederzeit und überall auftreten. Erkennbar ist die potenziell lebensbedrohliche Erkrankung an Symptomen wie Gleichgewichts- oder Sehstörungen oder (oft einseitigen) Lähmungen von Gesicht, Armen oder Beinen. Auch Schwierigkeiten beim Sprechen oder Verstehen von Sprache kommen häufig vor.

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«Entscheidend ist, dass Betroffene so schnell wie möglich ärztlich versorgt werden», betont Nils Peters, Neurologe und ärztlicher Leiter des Stroke Centers der Klinik Hirslanden Zürich. Bei Verdacht auf einen Hirnschlag sollte daher immer sofort die Rettung (Telefon 144) gerufen werden. Auch dann, wenn die Symptome nach kurzer Zeit wieder abklingen. Denn solche sogenannten Schlägli oder Streifungen können Vorboten ausgewachsener Hirnschläge sein.

Schlaganfälle, wie Hirnschläge auch genannt werden, treffen in der Schweiz jährlich rund ­16'000 Menschen. Sie sind die dritthäufigste Todesursache und gehören zu den wichtigsten Auslösern von Behinderungen bei Erwachsenen. Bei der Erkrankung ist die Blutzufuhr in einem Teil des Gehirns unterbrochen, weshalb dort Sauerstoff- und Nährstoffversorgung nicht mehr gewährleistet sind. Das kann im schlimmsten Fall zum Absterben der betroffenen Gehirnregionen führen – und damit zu Funktionsstörungen in Körperteilen, die von diesen gesteuert werden. Die Folge können Lähmungen, Gang-, Seh-, Sprach-, Empfindungs- oder Koordinationsstörungen, aber auch eine Demenz sein.

Die Akutbehandlung erfolgt idealerweise in einem Zentrum oder einer Abteilung eines Krankenhauses, die auf die Behandlung von Schlaganfällen spezialisiert sind. Solche Stroke Centers oder Units gibt es unterdessen in der ganzen Schweiz. Dort sorgen hoch spezialisierte Medizinerinnen und Mediziner, Pflegende, Therapeutinnen und Therapeuten sowie Sozialberaterinnen und -berater für die bestmögliche Betreuung der Betroffenen und ihrer Angehörigen.

Unterschiedliche Ursachen

«Damit ein Hirnschlag richtig behandelt werden kann, muss zunächst die genaue Ursache abgeklärt werden», sagt Neurologe Peters. In rund 85 Prozent der Fälle sind verstopfte Blutgefässe für die unterbrochene Blutversorgung im Hirn verantwortlich. Auslöser sind in der Regel Blutgerinnsel, welche eine Gehirnarterie verstopfen; in manchen Fällen auch Gefässverkalkungen im Gehirn oder eine Kombination von beidem. Eine solche Blockade muss schnellstmöglich mit Medikamenten aufgelöst oder mithilfe eines Katheters mechanisch entfernt werden. Denn je schneller die betroffenen Teile des Gehirns wieder durchblutet werden, desto geringer fallen dauerhafte Schäden aus.

In 15 Prozent der Fälle liegen Schlaganfällen Hirnblutungen zugrunde.Durch die Einblutung ins Gehirn und den dadurch im Schädel entstehenden Druck kann ebenfalls Hirngewebe Schaden nehmen. Eine solche Blutung wird medikamentös oder sofern notwendig mit einem neurochirurgischen Eingriff behandelt.

«Kennt man die genaue Ursache, kann man einem erneuten Schlaganfall vorbeugen», sagt Peters. Viele Risikofaktoren lassen sich heute gut beeinflussen: Eine ausgewogene, eher fettarme Ernährung und regelmässige Bewegung senken das Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden, ebenso wie ein Rauchstopp. Andere Risikofaktoren wie etwa erhöhter Blutdruck, Diabetes, ungünstige Cholesterinwerte oder gewisse Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern, lassen sich medikamentös kontrollieren.

HÄUFIGE URSACHE VON DEMENZ

Wussten Sie, dass Hirnschläge auch zu Demenz führen können? Sie sind nach der Alzheimerkrankheit die zweithäufigste Ursache dafür.

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Facharzt für: Neurologie