Hirslanden Fachartikel

Prostatakarzinome sind die häufigste Krebsart beim Mann. Bei der Behandlung steht heute die Lebensqualität der Betroffenen im Vordergrund.

Text: Maja Schaffner

Die Prostata ist Männersache. Denn nur Männer haben überhaupt eine: Die etwa baumnussgrosse Drüse liegt direkt unterhalb der Blase, ringförmig um die Harnröhre herum. Leider ist das exklusiv männliche Gewebe anfällig für Tumore: Prostatakarzinome sind die häufigste Krebsart beim Mann. Rund 6300 Fälle werden jährlich in der Schweiz neu entdeckt, rund 1300 Männer sterben daran. «Hauptrisikofaktoren sind zunehmendes Alter und genetische Veranlagung sowie Bewegungsmangel, Übergewicht und Rauchen», erklärt Martin C. Schumacher, Urologe am Urologie Zentrum der Klinik Hirslanden Aarau.

Mit 45 zur Vorsorgeuntersuchung

Zwar gibt es Warnzeichen, wie etwa vermehrter Harndrang, Schwierigkeiten beim Wasserlassen, Blut im Urin oder Schmerzen beim Samenerguss. Doch diese Symptome treten spät auf und haben meist andere Ursachen. Schumacher empfiehlt daher allen Männern, ihre Prostata vorsorglich untersuchen zu lassen. Besonders jenen mit nahen Verwandten, die Prostatakarzinome haben oder hatten. Sie tun gut daran, sich möglichst früh beraten zu lassen. Alle anderen sollten sich idealerweise mit 45 einer ersten Vorsorgeuntersuchung unterziehen. «In diesem Alter ist ein Prostatakarzinom zwar noch unwahrscheinlich», erklärt der Urologe, «doch macht es Sinn, dann erstmals den PSA-Wert im Blut zu bestimmen.» PSA steht für Prostata-spezifisches Antigen, ein Protein, das ausschliesslich in der Prostata gebildet wird. Gelangt es ins Blut, kann das ein Hinweis auf Prostatakrebs sein. Schumacher: «Ein früh gemessener Basiswert hilft später, erhöhte Werte einzuordnen.» Daneben werden Männer bei der ersten Untersuchung auch zu Krebsfällen in der Familie und ihrem Lebensstil befragt. Und ihre Prostata erstmals vom Darm her nach Knoten und Verhärtungen abgetastet. Wie häufig ein Mann nachher zur Kontrolle muss, hängt von seinem Risikoprofil ab.

Wird bei einer der folgenden Routineuntersuchung tatsächlich etwas Auffälliges entdeckt, wird der Verdacht zunächst optisch mittels MRI (Magnetresonanztomografie) und wenn nötig durch gezielte entnommene Gewebeproben weiter abgeklärt. Handelt es sich tatsächlich um ein Prostatakarzinom, richtet sich die Behandlung danach, wie aggressiv der Tumor ist, wo er genau sitzt, wie gross er ist, ob er bereits über die Prostata hinausgewachsen ist und ob er schon Metastasen im Körper gebildet hat. «Bei der Behandlung steht heute die Lebensqualität der Betroffenen im Vordergrund», erklärt Schumacher. Operiert wird viel zurückhaltender als noch vor 20 Jahren. Bei jüngeren Männern werden wenig aggressive, kleinere Karzinome zunächst aktiv überwacht: Der Tumor wird mehrmals pro Jahr kontrolliert. Mit Medikamenten behandelt, bestrahlt oder operiert wird er erst dann, wenn er sich ausbreitet oder aggressiver wird. Was unter Umständen gar nie eintrifft. Bei älteren Patienten, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr operiert werden können, oder deren Lebenserwartung deutlich tiefer ist, als dass sie noch am Krebs sterben können, werden lediglich allfällig auftretende Symptome behandelt.

Nervenschonend operieren

Ist dennoch eine Operation notwendig, lassen sich heute Nebenwirkungen wie Inkontinenz und Impotenz in vielen Fällen vermeiden. «Entscheidend ist, dass der operierende Arzt genügend Erfahrung hat», betont der Urologe. Denn nur dann weiss er, wie er die Nerven von Prostata sowie benachbartem Beckenboden und Schliessmuskel so gut wie möglich schonen kann. «Doch eine Garantie gibt es nicht», sagt Schumacher. Vor allem dann nicht, wenn der Tumor erst spät entdeckt wird.

Belebend

Wussten Sie, dass das Sekret, das die Prostata produziert, rund ein Drittel des Samenergusses ausmacht? Es schützt und aktiviert die Spermien.

Unser Spezialist

Facharzt für: Urologie
speziell: Operative Urologie