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Nicht jedes Paar, das sich ein Kind wünscht, kann auf natürliche Weise eines bekommen. Oft können Fruchtbarkeitsbehandlungen helfen. Eine Garantie gibt es allerdings nicht.

Unerfüllter Kinderwunsch
Text: Maja Schaffner

Viele Menschen wünschen sich sehnlichst Kinder. Doch nicht alle Paare können einfach so ein Baby bekommen. In der Schweiz sind rund 20 Prozent der Paare ungewollt kinderlos. Die gute Nachricht: In zahlreichen Fällen lässt sich der Kinderwunsch mithilfe gezielter Fruchtbarkeitsbehandlungen doch noch erfüllen.

Ursachen früh abklären

«Wichtig ist, dass Paare, die ungewollt kinderlos sind, möglichst früh untersuchen lassen, woran es liegt», betont Sabine Steimann, Fruchtbarkeitsmedizinerin und Leiterin Kinderwunsch-Zentrum Klinik St. Anna in Luzern. Sie empfiehlt, die Ursache nach einem Jahr abklären zu lassen; bei Frauen ab 35 bereits nach einem halben Jahr. Denn ab diesem Alter wird die Chance, schwanger zu werden, relativ rasch kleiner. Steimann rät daher allen Paaren, frühzeitig über Familienplanung zu reden. «Klappt es nicht mit dem Wunschkind, liegen die Ursachen zu je rund einem Drittel bei der Frau oder beim Mann», sagt die Fortpflanzungsmedizinerin. Beim Rest ist entweder die Fruchtbarkeit beider Partner eingeschränkt oder es lassen sich (vorerst) keine Ursachen feststellen. Beim Mann sind häufig Menge, Beweglichkeit oder Form der Spermien beeinträchtigt. Auslöser können Mumpserkrankungen, Hodenhochstand, Übergewicht, aber auch Cannabiskonsum sein. Bei der Frau ist die Fruchtbarkeit oft durch Endometriose (eine Wucherung von Gebärmutterschleimhautgewebe ausserhalb der Gebärmutter), Probleme bei der Eibläschenreifung oder blockierte Eileiter eingeschränkt. Auch Polypen oder Myome in der Gebärmutter sowie Übergewicht können die Fruchtbarkeit mindern. Zudem kann es sein, dass früh nur noch wenige Eizellen übrig sind.

Meist gibt es mehrere Behandlungsoptionen. «Am wenigsten invasiv ist das Beobachten des Zyklus und genau auf den Eisprung abgestimmter Geschlechtsverkehr », erklärt Steimann. Zusätzlich können aufbereitete Spermien in die Gebärmutter eingebracht werden. Manchmal sind Hormonbehandlungen notwendig. Operationen können bewirken, dass sich Embryonen besser einnisten oder dass Eileiter durchgängig werden. Sind diese Möglichkeiten ausgeschöpft, kann eine künstliche Befruchtung helfen. Gut zu wissen: «Für den Erfolg ist es entscheidend, dass die Eizellen genau im richtigen Reifestadium entnommen werden», betont Steimann. Deshalb hat das Kinderwunsch-Zentrum, das sie leitet, auch am Wochenende offen.

Unter Erfolgsdruck

Unterziehen sich Paare einer Fruchtbarkeitsbehandlung, stehen sie häufig unter enormem Druck. Denn in der Schweiz ist künstliche Befruchtung nicht nur teuer, Betroffene müssen die Kosten auch selbst tragen. Zudem ist ungewollte Kinderlosigkeit hierzulande ein Tabuthema: Paare verschweigen ihre Bemühungen, ein Kind zu bekommen, häufig am Arbeitsplatz und sogar im engsten Freundes- und Familienkreis. «In den USA tauschen sich die Paare im Wartezimmer aus», berichtet Steimann. «In der Schweiz bleiben sie selbst bei Informationsveranstaltungen für sich.» Sie ist überzeugt, dass Offenheit dabei helfen kann, die Situation besser zu bewältigen.

Je nach Alter und Ausgangslage können zwischen 35 und 70 Prozent der Paare dank Fruchtbarkeitsbehandlungen doch noch ein Baby nach Hause nehmen. Manche mittels Methoden wie Eizellen- oder Embryonenspende sowie Leihmutterschaft, die nur im Ausland erlaubt sind. «Den Paaren, die kinderlos bleiben, hilft es häufig zu wissen, dass sie alles versucht haben», beobachtet Steimann. «Und, dass wir alles versucht haben, um ihnen zu helfen.»

LAUTER KINDERWUNSCH

Wussten Sie, dass in der Schweiz jährlich um die 2200 Babys zur Welt kommen, die mithilfe von künstlicher Befruchtung entstanden sind?

Unser Spezialist

Fachärztin für: Gynäkologie und Geburtshilfe
speziell: Reproduktionsmedizin und gynäkologische Endokrinologie