Geburtshilfe ist Vertrauenssache

Patientenzeitschrift "Mittelpunkt" - Publikationen der Privatklinikgruppe Hirslanden

Die Arbeit vor und während der Geburt sollte von Vertrauen und einem intensiven Austausch zwischen der Frauenärztin, der Hebamme und den werdenden Eltern geprägt sein. Eine Atmosphäre der Geborgenheit, medizinische Sicherheit und klare Standards sind entscheidend. (Dr. med. Nicole Gross, Nathalie Colling)

Die Sicherheit für Mutter und Kind ist dank regelmässigen Schwangerschaftskontrollen bei der Frauenärztin oder dem Frauenarzt, möglichen pränataldiagnostischen Tests, einer hochstehenden medizinischen Infrastruktur und ­einem standardisierten Vorgehen auf der Geburtenab­teilung so hoch wie noch nie. Dennoch ist die Verunsi­cherung häufig – vor allem bei Erstgebärenden – gross. Persönliche Gespräche mit der Frauenärztin und der ­Hebamme sorgen für eine gute Geburtsvorbereitung und helfen Unsicherheiten abzubauen. Eine gute Zusammenarbeit zwischen der Frauenärztin der Wahl, dem Hebammenteam, dem Kinderarzt und dem Team der Wochenbettstation ist dabei unabdingbar.

Schwangerschaftsbetreuung bei der Frauenärztin

Der erste Termin gibt Aufschluss darüber, ob es sich um eine Schwangerschaft in der Gebärmutter oder im Eileiter handelt und wie weit diese fortgeschritten ist. Im Zentrum des ersten Gesprächs stehen Informationen rund um Ernährung und Sport während der Schwangerschaft. Die möglichen pränataldiagnostischen Verfahren werden erläutert, zum Beispiel der Ersttrimester-Test, das Screening für kindliche DNA im mütterlichen Blut oder die diagnostischen Abklärungsmethoden wie Plazentabiopsie oder Fruchtwasserpunktion. Die Wahl der gewünschten Methode ist nicht nur altersabhängig, sondern wird stark vom Sicherheitsbedürfnis der Eltern beeinflusst. ­Dabei gibt es kein Richtig oder Falsch, sondern es obliegt der Fachärztin, zusammen mit den werdenden Eltern den für sie besten Weg auszusuchen. Die weiteren Kontrollen dienen der Überwachung des mütterlichen und kindlichen Wohlbefindens, dem Ausschluss von gröberen kindlichen Fehlbildungen oder Infekten, Wachstumskontrollen und dem Erkennen von schwangerschaftsspezifischen Erkrankungen.

Von der Frauenärztin zur Hebamme

Ist zu Beginn der Schwangerschaft vor allem die Frauenärztin die primäre Ansprechpartnerin, intensiviert sich im dritten Trimester der Kontakt zu den Hebammen. Der Erstkontakt erfolgt häufig am Informationsabend «Geburt» oder über einen der Geburtsvorbereitungskurse, die dazu dienen, sich mit Fragen der Atmung und des Köperbefindens auseinanderzusetzen, Vertrauen in den eigenen Körper zu gewinnen, Ängste abzubauen und den Partner miteinzubeziehen.

Ein vertrautes Umfeld schafft Sicherheit

Einige Paare entscheiden sich bereits vor der Schwangerschaft für die Klinik ihrer Wahl, andere erst sehr spät. Die Räumlichkeiten, die medizinische Infrastruktur und die Atmosphäre der Geburtenabteilung zu kennen, gibt den werdenden Eltern ein sicheres Gefühl für das bevorstehende Ereignis. Das Belegarztsystem ermöglicht dem Paar, die Geburt sowohl mit ihrer Vertrauensärztin als auch in der gewünschten Klinik zu erleben. Eine frühzeitige Entscheidung ist aus medizinischer Sicht empfehlenswert: Wird das Paar von der Frauenärztin in der Klinik angemeldet, erhält das Hebammenteam zeitgleich die medizinischen Unterlagen, sodass auch in vorgeburtlichen Notfällen die medizinischen Unterlagen vorliegen.

Jährlich kommen in der familiären Atmosphäre der Klinik im Park etwa 600 Babys zur Welt.

Themen, die im Vorfeld geklärt werden sollten

Alle angemeldeten Paare werden zu einem Hebammengespräch geladen, um Fragen rund um die Geburt zu klären. Oft stellt sich dabei heraus, dass das Paar noch keine konkreten Vorstellungen hat, wie die Spontangeburt ­verlaufen soll. In einer ruhigen Atmosphäre können die verschiedenen Gebärpositionen und -möglichkeiten, wie beispielsweise eine Wassergeburt, sowie Vor- und Nachteile diskutiert werden. Ebenfalls erörtert wird der Einsatz von Schmerzmitteln, sei das Ultiva, das sich die Frau per Knopfdruck selber verabreichen kann, oder eine PDA. Die Klinik Im Park wendet seit über zehn Jahren Aromatherapie und Akupunktur vor und während der Geburt an – mit sehr guten Resultaten. Auch dieses Angebot wird den werdenden Eltern vorgestellt. Wie sehr sich der alternativmedizinische Ansatz in der Klinik Im Park etabliert hat, zeigt sich an der seit Beginn stark gestiegenen Anzahl von Zuweisungen durch Gynäkologen für eine die Geburt vorbereitende Akupunktur bei Schwangerschaftsbeschwerden oder bei Beckenendlage in der 34. Woche.

Individualität und medizinische Beweggründe

Das Paar wird auch darüber informiert, wie sich das individuell gewünschte Vorgehen im Hinblick auf eine medizinische Notwendigkeit verändern kann, beispielsweise bei einer Geburtsverzögerung oder einer Lagenanomalie, wenn es eines Notfallkaiserschnitts oder einer neonatologischen Erstversorgung bedarf. Das Hebammen- und das Ärzteteam der Klinik Im Park sind auf jede Eventualität vorbereitet. In Notfallsituationen werden zusätzlich zur anwesenden Frauenärztin und der Hebamme der diensthabende Kinderarzt und der Anästhesist, die über eine neonatologische Weiterbildung verfügen, aufgeboten. Im Notfall sind vier Spezialisten zugegen, zudem sind drei Reha-Einheiten für Babys vorhanden.

In engem Kontakt

Das Ziel der Frauenärztin und der Hebammen ist es, die bevorstehende Geburt so gut wie möglich zu planen und auf Notfallsituationen bestmöglich vorbereitet zu sein. Das umfasst einen klaren Ablauf und klar geregelte Schnittstellen ebenso wie eine enge, intensive und vertrauensvolle Zusammenarbeit. Die primäre Diagnostik von Blasensprung über Muttermunderöffnung bis zu Blutdruckmessung und Herztonkontrolle des Kindes liegt bei der Hebamme. Sie steht in dieser Phase in engem Kontakt mit der behandelnden Frauenärztin, die zeitnah aufgeboten wird und bei der Geburt zugegen ist.

Sensible und anspruchsvolle Zeit

In der Klinik Im Park verbleiben die frischgebackenen ­Eltern mit ihrem Baby im Gebärsaal. Hier finden die erste medizinische Abklärung, das Bonding und das erste Stillen statt. Nach etwa 3 bis 4 Stunden wird das Zimmer auf der Maternité bezogen. Dort übernimmt das Team der Wochenbettstation die weitere Betreuung von Mutter und Kind. Dies ist eine anspruchsvolle Zeit, denn vieles ist neu: das Kennenlernen des Kindes, die hormonelle Umstellung, die körperliche Hygiene, die Erholung und der Schlafrhythmus. Die Ärztin wird das körperliche Wohlergehen der Mutter prüfen, der Pädiater jenes des Kindes. Die Hebamme bespricht während ihrer Visite Themen wie Rückbildung oder Geburtsbewältigung. Die Wochenbett-Pflegefachfrauen geben eine wichtige «Take-home-message» mit auf den Weg: Rufen Sie uns bei Fragen an, wir sind auch nach der Geburt für Sie da!

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Nathalie Colling

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