Die Hüfte &Das Becken

Die Hüfte als unser zweitgrösstes Gelenk ist für eine uneingeschränkte und schmerzfreie Bewegung entscheidend. Funktioniert die Hüfte nicht reibungslos, kann unsere Lebensqualität stark darunter leiden.

Die Hüfte nimmt die wichtige Verbindungsfunktion zwischen Oberkörper und den Beinen ein und besteht aus zwei Hüftgelenken. Diese sind unsere zweitgrössten Gelenke, nur die Kniegelenke sind grösser.

Auf der folgenden Seite erfahren Sie mehr über die Hüfte, das Becken sowie die häufigsten Erkrankungen und Beschwerden. Sie finden zudem den passenden Ansprechpartner für Ihr Anliegen.

Anatomie

Die Hüftgelenke sind Kugelgelenke, wie die Schulter, und ermöglichen uns verschiedene Bewegungsrichtungen: Das Beugen und Strecken, Abspreizen und Anziehen, Einwärts- und Auswärtsdrehen. Die Bänder und Muskeln dienen dazu, die Gelenkköpfe in den Gelenkpfannen zu halten.

Das Becken setzt sich zusammen aus dem Kreuzbein und den beiden Hüftbeinen und wird auch Pelvis genannt. Es ist mit der Wirbelsäule verbunden und ermöglicht uns Menschen eine aufrechte, stabile Haltung sowie einen sicheren Stand. Das weibliche Becken unterscheidet sich markant vom männlichen: Das Becken der Frau ist breiter; vor allem der Beckenausgang fällt grösser aus – nämlich für die Geburt.

Bildlegende

1. Beckenknochen
2. Hüftgelenkspfanne
3. Gelenklippe
4. Hüftkopf
5. Oberschenkelhals
6. Oberschenkelknochen

Häufige Beschwerden & Erkrankungen

Nachfolgend finden Sie häufige Beschwerden und Erkrankungen, die rund um die Hüfte und das Becken auftreten können.

Diese Nennung ist nicht abschliessend. 

Hüftarthrose

Bei der Hüftarthrose werden die Oberflächen des Gelenks uneben und nutzen sich ab. Dies führt dazu, dass sich die Gelenke nicht mehr frei bewegen können. Die Folge ist eine Abnutzungserscheinung am Hüftgelenk. Dies kann zu den folgenden Erkrankungen und Beschwerden führen:

  • abgenutzter Knorpel

  • abnorme Knochenwucherungen an den Gelenkflächen (Osteophyten)

  • Flüssigkeitsansammlungen und Schwellungen

  • verkürzte und verdickte Sehnen

Weitere Informationen finden Sie im Krankheitsbild Arthrose und Rheumatoide Arthritis, chronische Polyarthritis.

Hüftdysplasie

Bei der Hüftdysplasie handelt es sich um eine angeborene Fehlstellung des Hüftgelenks. Der Gelenkkopf liegt nicht stabil in der Hüftpfanne, weil das Hüftdach nicht ausreichend ausgebildet ist und dem Gelenkkopf nicht den nötigen Halt gibt. Bis zu vier Prozent aller Neugeborenen leiden an einer Hüftdysplasie, was bereits bei der Routineuntersuchung kurz nach der Geburt festgestellt und zum Teil konservativ behandelt werden kann (zum Beispiel durch breites Wickeln).

Bei einer Über- und Falschbelastung des Knorpels durch die Fehlstellung, kann es zur Arthrose kommen. Durch ein spezielles Operationsverfahren kann die Hüftpfanne an den richtigen Ort über dem Gelenkkopf gebracht werden. Ist die Arthrose hingegen schon fortgeschritten, hilft bei Beschwerden vielfach nur noch das Implantat einer Hüfttotalprothese.

Weitere Informationen finden Sie im Krankheitsbild Hüftdysplasie. 

Offset-Sörung

Die Offset-Störung ist ein geometrisches Problem der Hüfte. Der Gelenkskopf ist nicht schön rund, sondern hat eine Auswölbung. Diese stösst bei Hüftbewegungen immer wieder gegen den Gelenkpfannenrand. Der Pfannenrand wird von der Gelenkslippe umschlossen, eine Art „Verstärkungsring“, der aus Faserknorpeln besteht. Dieser wiederum ist mit sensiblen Nervenfasern versorgt und löst Schmerzen in der Leistengegend aus, wenn diese Auswölbung regelmässig an den Pfannenrand stösst. Die Gelenkslippe und auch der pfannenrandnahe Knorpel können auf diese Weise gar beschädigt werden, was zu einer frühen Arthrose führen kann. Eine Offset-Störung kann operativ relativ gut behandelt werden. Mittels Schlüsselloch-Chirurgie wird die Auswölbung am Hüftkopf abgefräst. Falls das Labrum Schaden genommen hat, wird dieses je nach Fall (teil-)entfernt, wiederhergestellt oder geglättet.

Behandlungsmethoden

Klicken Sie auf die untenstehenden Links, um weitere Informationen zu erhalten.

Q&A Patienten

In Zeitungen, Magazinen und online beantworten unsere Fachärzte immer wieder Leserfragen. Hier finden Sie einige dieser Fragen zusammen gefasst. Wir stellen hiermit keine Ferndiagnosen. Die Beiträge sind rein informativ, nicht abschliessend und ersetzen keinen Arztbesuch.

Hüfttotalprothesenoperation oder Hüftkappenoperation?

«Sehr geehrtes Ärzteteam, ich leide seit Jahren an einer Coxarthrose an der rechten Hüfte. Da ich 49 Jahre alt bin und noch viel Sport treiben möchte, wurde mir vom Chirurgen als Alternative zur herkömmlichen Hüfttotalprothesenoperation eine Hüftkappenoperation als weitere Möglichkeit erklärt. Vor allem die kürzere Rehabilitationszeit wurde als positive Eigenschaften dieser Methode erwähnt. Da ich mich selber für eine der beiden Operationsmethoden entscheiden muss, wollte ich Ihre Meinung dazu wissen?»

Betreffend Ihrer Coxarthrose: es wurde Ihnen offenbar die Wahl zwischen einer Versorgung mittels "Hüftkappe" oder einer üblichen Totalprothese gelassen. Natürlich werden Sie zu diesem Thema verschiedene Meinungen hören und auch Empfehlung erhalten. Diese sind abhängig von der Erfahrung und den Vorlieben der jeweiligen Operateure. Da Sie Ihre Frage an mich richten und daher meine persönliche Meinung hören wollen nehme ich dazu gerne von meiner subjektiven Warte aus Stellung. Ich selber verwende keine "Hüftkappen" und würde mir auch keine implantieren lassen. Die Methode ist zwar im Moment en vogue und hat sicher einige Vorteile, ist jedoch technisch anspruchsvoll und Langzeitresultate fehlen weitgehend. Das Komplikationsrisiko einer Schenkelhalsfraktur nach dem Eingriff ist vorhanden. Der "Vorteil", dass weniger Gewebe entfernt werden muss ist unbedeutend, da man bei aktueller Technik der Totalprothese ebenfalls sehr wenig Gewebe entfernen muss und ein späterer Wechsel kaum mehr ein Problem darstellt. Zudem ist die Totalprothese eine gut bekannte, verlässliche und belastungsstabile Technik, so dass damit ihrem Wunsch weiterhin Sport zu treiben nachgekommen werden kann. Wird die Totalprothese nach der modernen minimalinvasiven Methode eingesetzt, so ist auch die Hospitalisationsdauer eher kürzer als bei der Hüftkappe und raschere Belastbarkeit gegeben. Sie sehen, für mich keine Frage: ich an Ihrer Stelle würde mich für die Totalprothese entscheiden.
Dr. med. Bernhard Thomann, Hirslanden Klinik Permanence 

Hüftprothese in hohem Alter

«Meine Mutter ist 82 Jahre alt, Arthrose und Osteoporose. Sonst, geistig ist sie gut fit. Nun drängt sich die Frage nach einer Hüftprothese auf. Ist es grundsätzlich möglich, in diesem Alter eine solche Operation durchzuführen? Und wie ist der Heilungsprozess? Rehabilitation? Sie lebt alleine, macht sich den Haushalt selber und möchte dies nach einer solchen  Operation auch wieder tun.»

Eine Hüftgelenkersatzoperation ist auch im fortgeschrittenen Alter und bei Osteoporose möglich. Neben der Schmerzbefreiung ist vor allem auch die Erhaltung einer Selbstständigkeit möglich und deshalb ist diese Operation meistens eine sehr dankbare Massnahme. Falls keine zusätzlichen Einschränkungen bestehen, ist der Heilungsprozess altersunabhängig. Eine Stockentlastung von ca. 4 Wochen ist meistens sinnvoll und häufig wird eine Kur oder Rehabilitationsbehandlung von 2 Wochen an den Spitalaufenthalt angeschlossen.
Prof. Brigitte Jolles-Haeberli, Centre de chirurgie orthopédique, Clinique Bois-Cerf 

Ab wann Ersatz der künstlichen Hüfte?

«Wie merke ich als Patient (ausser vage Schmerzen und leichte Beeinträchtigungen), dass ein Hüftgelenk wieder ersetzt werden muss? Die Gelenke sind jetzt 12 Jahre alt, mein  Jahrgang 1945 (70 Jahre). Worauf muss ich speziell achten, sodass ich nicht zu früh oder zu spät wieder operiert werde? Welche Präventionen sind wichtig in meinem Alter?»

Künstliche Hüftgelenke werden in der Regel durch periodische Röntgenkontrollen überwacht. Üblich ist, dass solche Röntgenkontrollen alle 2 Jahre durchgeführt werden. In der Regel ist diese Röntgenkontrolle auch mit einer klinischen Kontrolle verbunden, wo nach Schmerzen und Beschwerden gefragt wird und bei welcher Gelegenheit die Funktion ausgemessen werden kann. Künstliche Hüftgelenke halten heutzutage in der Regel 10 bis 20, gelegentlich sogar bis zu 25 Jahren. Anschliessend muss mit einer Wechseloperation gerechnet werden. Dabei ist der optimale Zeitpunkt wichtig. Falls die Abnutzung der Hüftprothese zu ausgeprägt ist, wird die Wechseloperation dem entsprechend auch viel schwieriger und technisch aufwendiger. Der optimale Zeitpunkt für eine Wechseloperation lässt sich in der Regel aus dem Röntgenbild ablesen. Der Entscheid zur Wechseloperation muss jeweils individuell gefällt werden.
Dr. med. Walter Seelig, Hirslanden Klinik Birshof, Münchenstein