Die Schulter &der Ellenbogen

Wie die Redenswendung sagt, tragen wir öfters eine schwere Last auf den Schultern. Doch auch im körperlichen Sinne kann uns einiges auf die Schultern drücken.

Die Schulter ist ein hochkomplexer Bewegungsmechanismus, bei dem schnell verschiedenste Faktoren ins Missverhältnis geraten können, sei es durch häufiges Arbeiten in Schulterhöhe, einen Schlag gegen die Schulter, eine ungünstige Haltung, eine Zerrung etc.

Auf der folgenden Seite erfahren Sie mehr über die Schulter, den Ellenbogen sowie die häufigsten Erkrankungen und Beschwerden. Sie finden zudem den passenden Ansprechpartner für Ihr Anliegen.

Anatomie

Die Schulter

Insgesamt fünf verschiedene Gelenke und zwanzig Muskeln plus unzählige Bänder, Schleimbeutel, Nerven und Gefässe sind das, was wir im Ganzen als „Schulter“ bezeichnen und über einen immensen Bewegungsumfang verfügt.  Die Schulter besteht aus einer Vertiefung im Knochen, diese nennt man "Pfanne". Die Pfanne befindet sich in fast senkrechter Stellung und in ihr ruht der Oberarmkopf. Durch die Kapsel und die Bänder bleibt der Oberarmkopf in der Pfanne.

Die Stabilität und Beweglichkeit wird unter anderem durch die Muskulatur gewonnen: Die Rotatorenmanschette ist ein grosser Muskelgürtel, der aus vier Muskelsträngen besteht. Diese vier Muskeln entspringen am Schulterblatt und kommen an der Sehnenkappe zusammen, die am Oberarmkopf ansetzt. Sie stabilisieren das Gelenk, bewegen den Oberarm und halten die Pfanne zentriert an ihrem Platz.

Bildlegende

1. Schlüsselbein
2. Schulterdach
3. Oberer Rotatorenmuskel
4. Oberarmknochen
5. Unterer Rotatorenmuskel
6. Schulterblatt

Der Ellenborgen

Der umgangssprachlich genannte Ellenbogen oder auch Ellbogen besteht eigentlich aus drei Gelenken, die von einer gemeinsamen Gelenkkapsel umschlossen werden. Die Bezeichnung kommt vom Knochenfortsatz der Elle direkt beim Gelenk, der bei gebeugtem Arm ein wenig absteht. Das komplexe Ellenbogengelenk ist die Verbindung von Unter- und Oberarm; es kann sich strecken und beugen, aber auch drehen. Das Ellenbogengelenk wird durch mehrere kräftige Bänder geführt, die aktive Bewegung erfolgt vorwiegend durch die Oberarmmuskulatur, teilweise auch durch die Unterarmmuskulatur. An den stark belasteten Stellen helfen Schleimbeutel, den Druck und die Reibung zwischen Knochen, Muskeln, Sehnen und Haut zu verringern.

Bildlegende

1. Elle
2. Speiche
3. Oberarmknochen

Häufige Beschwerden & Erkrankungen

Nachfolgend finden Sie häufige Beschwerden und Erkrankungen, die rund um die Schulter und den Ellenbogen auftreten können.

Diese Nennung ist nicht abschliessend. 

Brüche

Brüche an Arm, Ellenbogen, Schulter und Schlüsselbein geschehen meist bei Stürzen. Ein erhöhtes Risiko besteht bei verminderter Knochendichte (Osteoporose). Je nach Bruch findet die Behandlung konservativ (also ohne Operation, zum Beispiel mit einer Stabilisation) statt oder die Knochenfragmente müssen operativ wieder fixiert werden (zum Beispiel mittels Drahtfixierung oder Verschraubung).

Weitere Informationen über verschiedene Brüche am Arm finden Sie in den folgenden Krankheitsbildern:

Rotatorenmanschettenruptur

Die Rotatorenmanschette ist eine Gruppe von vier Muskeln. Die Muskeln entspringen am Schulterblatt und kommen an der Sehnenkappe zusammen, die am Oberarmkopf ansetzt. Im Bereich der Sehnen kann es durch einen Sturz oder in Folge von Abnutzung zu Rissen kommen, einer Rotatorenmanschettenruptur. Ein vollständiger Sehnenriss kann bei bestimmten Bewegungen lähmungsähnliche Einschränkungen auslösen, weil die Muskulatur ihre Funktion nicht mehr korrekt ausüben kann.

Der Muskel direkt unter dem Schulterdach (Supraspinatus-Muskel) ist am häufigsten von einem Sehnenriss betroffen. Von einem Riss der Supraspinatus-Sehne zu unterscheiden ist das sogenannte Engpass-Syndrom. Hierbei kommt es aufgrund eines Engpasses im Schulterdach zu Schmerzen. Der Engpass im Bereiche des Schulterdachs kann verschiedene Ursachen haben wie beispielsweise eine Schleimbeutelreizung oder eine Arthrose des Schultereckgelenks.

Die Therapiemöglichkeiten der Rotatorenmanschettenruptur reichen von Infiltrationen oder Physiotherapie bis zu operativen Eingriffen, bei denen die Sehne wieder am Ursprungsort fixiert wird (Rotatorenmanschettenplastik). Die Entscheidung, welche Therapiemethode eingesetzt wird, hängt von individuellen Faktoren ab. Nebst den medizinischen Befunden spielen berufliche Anforderungen, das Alter sowie auch sportliche Aktivitäten des Betroffenen eine entscheidende Rolle.

Schulterluxation (Schulterverrenkung)

Da die Schulter zu den beweglichsten Gelenken des menschlichen Körpers gehört, ist das Risiko gross, dass diese auskugelt oder sich ausrenkt (sogenannte Schulterluxation). Dabei springt der Oberarmkopf aus der Gelenkpfanne. Da diese aber von Muskeln, Bändern und Sehnen umgeben ist, zieht es vielfach noch andere Verletzungen, wie einen Riss an der Rotatorenmanschette, nach sich. Die häufigste Ursache ist ein Sturz, beispielsweise vom Fahrrad oder beim Skifahren. In so einem Fall muss als Erstes die Schulter durch einen Arzt möglichst sanft wieder eingerenkt werden. Zudem sollte eine Röntgenaufnahme gemacht werden. Sind keine zusätzlichen Verletzungen bei der Schulterluxation entstanden, werden der Arm ruhig gestellt und Medikamente gegen die Schwellung verabreicht. Bei weiteren Verletzungen, wie Kapselverletzungen, muss die Schulter durch eine Gelenkspiegelung vom Fachspezialisten beurteilt werden. Je nach Fall kann ein operativer Eingriff notwendig sein, insbesondere bei wiederkehrenden Schulterluxationen.

Weitere Informationen finden Sie im Krankheitsbild Schulterverrenkung, ausgekugelte Schulter.

Tennisarm und Golfer-Ellenbogen

Beim Tennisarm und Golfer-Ellenbogen handelt es sich um eine Entzündung am Ellenbogen. Betroffen ist der Sehnenansatz jener Muskeln, die für die Streckung/Beugung des Unterarmes und der Hand verantwortlich sind. Man geht davon aus, dass diese Entzündung durch eine Überbelastung in Folge sich ständig wiederholender Bewegungsabläufe hervorgerufen wird, wie zum Beispiel beim Tennisspielen. Das Hauptsymptom beim Tennisarm ist ein Schmerz über dem Ellenbogen aussen, der sich verstärkt, wenn wir eine Faust machen oder das Handgelenk stark in Richtung Handrücken beugen.

Ähnliche Symptome zeigen sich auch beim weniger häufigen Golfer-Ellenbogen, wobei hier die Innenseite des Ellenbogens schmerzt.

Als Sofortmassnahme hilft Kühlung, danach braucht es Zeit: Erst Ruhe und Schonung (mittels Orthese/Armmanschette) und nachfolgend Physiotherapie mit Stretching, Kräftigung, aber auch Lockerungsübungen. Wenn sich trotzdem keine Heilung einstellt, ist die chirurgische Entlastung der Sehnen in Erwägung zu ziehen.

Weitere Informationen finden Sie im Krankheitsbild Tennisarm und Golfer-Ellenbogen.

Q&A Patienten

In Zeitungen, Magazinen und online beantworten unsere Fachärzte immer wieder Leserfragen. Hier finden Sie einige dieser Fragen zusammen gefasst. Wir stellen hiermit keine Ferndiagnosen. Die Beiträge sind rein informativ, nicht abschliessend und ersetzen keinen Arztbesuch.

Schmerzen in der Schulter

«Ich möchte für eine Kollegin nachfragen: Sie hatte vor drei Monaten mit ihrem Neffen ein kleine, spielerische Rauferei gehabt, plötzlich durch ein Hieb von ihm, hat es in ihrer Schulter geknackst. Sie hatte dann auch Schmerzen in der Schulter und konnte nicht mehr drauf liegen. Bis heute sind ihre Schmerzen geblieben und auch immer wieder erwacht sie in der Nacht vor Schmerzen, sobald sie sich auf die linke Schulter dreht. Seit nun drei oder vier Tagen hat sie fast immer den ganzen Tag Schmerzen und kann auch den Arm nicht mehr so gut strecken. Kann das noch eine Prellung sein oder ist das schon mehr?»

Leider sind die zur Verfügung stehenden Angaben noch zu wenig spezifisch für eine Verdachtsdiagnose von unserer Seite her. Ein akutes Ereignis, wie es offenbar im Rahmen dieser kleinen Rauferei vorliegt, drängt sich in der Regel eine sofortige Abklärung auf. Dabei sollte primär eine Ausrenkung der Schulter (Schulterluxation) nachgewiesen oder ausgeschlossen werden. Zudem müsste eine Untersuchung klären, ob ein Sehnenriss vorliegt. Ich empfehle in einer solchen Situation eine relativ baldige spezialärztliche Abklärung.
Dr. med. Walter Seelig, Hirslanden Klinik Birshof, Münchenstein Basel

Bänderriss in Schulter

«Die Partnerin (78) meines Vaters (Wohnsitz im Ausland) ist vor 10 Wochen gestürzt. Sie hat die Bänder in der Schulter gerissen. Eine Operation soll durchgeführt werden. Ein Termin ist frühestens in 7 Monaten zu bekommen. Sie hat sehr starke Schmerzen, vor allem nachts. Sie macht vorerst Physiotherapie und hat Schmerzmittel mit entsprechenden Nebenwirkungen. Ausserdem sind Ultraschallbilder vorhanden, könnte man diese vorab von einem Spezialisten beurteilen lasse?»

Aufgrund Ihrer Schilderung gehen ich davon aus, dass ein Rotatorenmanschettenriss (Riss der inneren Sehne) vorliegt. Diese Operationen werden heute in grosser Zahl routinemässig durchgeführt. Zur Beurteilung einer möglichen Rekonstruierbarkeit und zur Abschätzung des zu erwartenden Erfolges ist in der Regel eine Arthro-MRI-Untersuchung notwendig. Sonographiebilder können nur vom jeweiligen Untersucher interpretiert werden. Eine Fremdbeurteilung von Sonographiebildern (Ultraschallbilder) ist nicht möglich. Sofern eine Operation indiziert ist (notwendig und erfolgversprechend ist) kann diese in der Schweiz in der Regel relativ rasch vorgenommen werden. Voraussetzung ist allerdings eine genügende Versicherungsdeckung.
Dr. med. Walter Seelig, Hirslanden Klinik Birshof, Münchenstein Basel

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