Die Wirbelsäule

Die Wirbelsäule ist die wichtigste Stütze unseres Körpers. Sie trägt unseren Kopf, den Hals, die Arme und den Rumpf. Doch die Wirbelsäule trägt nicht nur, sie verbindet auch. Und, dank ihr können wir unseren Körper überhaupt bewegen. Abnutzungserscheinungen können uns deshalb stark in unserem Alltag beeinträchtigen.

Bei vielen Rückenbeschwerden ist eine interdisziplinäre Zusammenarbeit von Experten aus Wirbelsäulenchirurgie und Rheumatologie nötig. Oft ist es sogar empfehlenswert, die Interpretation aller Abklärungsresultate und die Definition des weiteren Vorgehens im Team mit allen Beteiligten (Rheumatologe, Wirbelsäulenchirurg plus evtl. Neurologe, Physiotherapeut und Hausarzt) vorzunehmen. 

Auf der folgenden Seite erfahren Sie mehr über die Wirbelsäule sowie die häufigsten Erkrankungen und Beschwerden. Sie finden zudem den passenden Ansprechpartner für Ihr Anliegen.

Anatomie

Schaut man sich die Wirbelsäule von der Seite an, weist sie eine doppelte S-Krümmung auf. Diese ist natürlich und dient dazu, Erschütterungen zu verteilen und abzufangen. Die Wirbelsäule gibt dem Körper die aufrechte Haltung. Sie besteht aus sieben Halswirbeln, zwölf Brustwirbeln, fünf Lendenwirbeln und dem Kreuz- und Steissbein. Die beiden Letzteren entstehen in der Wachstumsphase durch die Verschmelzung mehrerer Wirbel. Zwischen den Wirbelkörpern liegen 23 Bandscheiben. Sie bestehen aus einem Ring aus Bindegewebe und einem weichen, gelartigen Kern und dienen als Puffer. Nur der erste und zweite Halswirbel besitzen keine solchen Puffer, sie bilden ein besonderes Gelenk. Auch die zusammengewachsenen Kreuz- und Steissbeinwirbel haben keine Bandscheiben.

Ein ausgedehntes Geflecht von kräftigen Bändern zwischen den einzelnen Wirbeln gibt der Wirbelsäule Stabilität. Die Bänder ermöglichen zusammen mit der Muskulatur aber auch eine maximale Beweglichkeit.

Bildlegende

1. Halswirbel (C1-7)
2. Brustwirbel (Th1-12)
3. Lendenwirbel (L1-5)
4. Bandscheibe
5. Kreuzbein 

Häufige Beschwerden & Erkrankungen

Nachfolgend finden Sie häufige Beschwerden und Erkrankungen, die rund um die Wirbelsäule auftreten können.

Diese Nennung ist nicht abschliessend. 

Bandscheibenvorfall (Diskushernie)

Durch Belastung, Abnutzung oder einen Unfall kann es zu Einrissen im Bindegewebsring einer Bandscheibe kommen. Ist der Ring nicht vollständig eingerissen, aber geschwächt, wölbt sich die Bandscheibe durch den Druck des gelartigen Kerns vor. Ist der Bindegewebsring vollständig eingerissen, tritt der gelartige Kern in den Wirbelkanal aus und drückt gegen das Rückenmark oder die Nervenwurzel. Zusätzlich entsteht durch den chemischen Abbau des ausgetretenen Gewebes eine akute Entzündung im Bereich des betroffenen Nervs. Typischerweise führt dies zu starken Schmerzen in Armen oder Beinen. Gefühlsstörungen wie Kribbeln sowie eine Schwächung oder Lähmung einzelner Muskeln können hinzukommen, bei einem grossen Bandscheibenvorfall in der Lendenwirbelsäule gar Störungen bei der Darm- und Blasenentleerung.

Bei Lähmungserscheinungen oder Ausscheidungsstörungen im Zusammenhang mit einer Diskushernie ist meist eine Operation nötig. Ansonsten wird erst eine Behandlung eines Bandscheibenvorfalls durch Schmerzmittel, Muskelentspannung und später Physiotherapie mit Kräftigung der Rücken– und Bauchmuskeln angestrebt.

Weitere Informationen finden Sie im Krankheitsbild Bandscheibenvorfall, Diskushernie, Discusprolaps.

Krümmungen der Wirbelsäule

Krümmungen der Wirbelsäule, die über eine normale doppelte S-Krümmung hinausgehen, führen zu Fehlhaltungen. Eine Krümmung der Wirbelsäule nach vorne heisst Lordose, nach hinten Kyphose. Die seitliche Krümmung und Verdrehung auf der Längsachse heisst Skoliose.

Auch wenn eine seitliche Krümmung der Wirbelsäule nicht der natürlichen Form entspricht, muss sie nicht in jedem Fall krankhaft sein und behandelt werden. Am häufigsten von einer Skoliose betroffen ist die Brustwirbelsäule. Einseitige Fehlhaltungen, Beinlängenunterschiede, minder- oder überbewegliche Wirbelsäulenabschnitte, die muskuläre Kondition oder gewisse erbliche Faktoren können eine Ursache sein. Eine Skoliose muss dann behandelt werden, wenn die natürliche Balance der Wirbelsäule nachhaltig gestört wird, da es in diesem Fall zur Überlastung und frühzeitigem Verschleiss kommt. Im Extremfall kann es zu Instabilitäten und seitlichem Wirbelschieben kommen. Neben wiederkehrenden Rückenblockaden und hartnäckigen Verspannungen können dann auch Nervenreizungen auftreten.

Wichtig ist, die Wirbelsäulenelastizität zu erhalten und die stabilisierende Rumpfmuskulatur zu kräftigen. Korsagen und Operationen kommen nur bei schweren Skoliosen zum Einsatz und brauchen eine ausführliche Abklärung und Abwägung von Nutzen und Risiko des Eingriffs. 

Behandlungsmethoden

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Q&A Patienten

In Zeitungen, Magazinen und online beantworten unsere Fachärzte immer wieder Leserfragen. Hier finden Sie einige dieser Fragen zusammen gefasst. Wir stellen hiermit keine Ferndiagnosen. Die Beiträge sind rein informativ, nicht abschliessend und ersetzen keinen Arztbesuch.

Instabilitätsgefühl im Rücken

«Ich (70, männlich) stelle seit längerer Zeit eine zunehmende Instabilität des Rückens fest. Am schlimmsten ist es, wenn ich stehe. Länger als 5 Minuten geht nicht. Oder nach dem Gehen einer Strecke von zirka 15 Minuten muss ich mich hinsetzen oder einen Moment stehen bleiben, bis der Schmerz vergeht. Trotz physiotherapeutischen Übungen, die ich täglich mache, stelle ich keine Besserung fest. Auch mehrere epidurale Infiltrationen blieben erfolglos. Was könnte mir sonst noch helfen?»

Aufgrund Ihrer kurzen Schilderung scheinen Ihre Schmerzen eine wesentliche mechanische Ursache zu haben. In Frage kommen wohl in erster Linie eine Abnützung der Bandscheibe, eine Verengung des Spinalkanals und allenfalls auch Arthrosen der Zwischenwirbelgelenke. Degenerativ, das heisst Abnützung/Alterung und mögliche Mikrotraumen (kleine Verletzungen), veränderte Bandscheiben und Zwischenwirbelgelenke können äusserst schmerzhaft sein. Ein Instabilitätsgefühl ist oft durch die Bandscheibenabnützung provoziert, einerseits durch eine schmerzbedingte Hemmung der Rückenmuskulatur, die dann auch nicht mehr koordiniert arbeitet, andererseits durch eine effektive Instabilität (Wirbelgleiten) in diesem Abschnitt der Wirbelsäule, wenn die Bandscheibe ihre Funktion als Puffer und Platzhalter verliert.
Bevor mit einer aktiven Physiotherapie und Heimübungen begonnen werden kann, sollten die Schmerzen gelindert werden. Bei einer Ihrer Leidenszeit von vier Jahren empfiehlt sich eine spezialärztliche Abklärung inklusive Röntgen- und MRI-Untersuchung (Schichtbildverfahren) der Lendenwirbelsäule.
Dr. med. Antoine Dinichert, Centre du dos et neurochirurgie, Clinique La Colline