Von Aarau in die Krisengebiete der Welt

Tagsüber betreut Andreas Franke Patientinnen und Patienten im Herzkatheterlabor der Hirslanden Klinik Aarau. Nach Dienstschluss setzt er sich für Menschen in Not ein. Seit 2 Jahren engagiert sich der diplomierte Pflegefachmann ehrenamtlich bei der gemeinnützigen Organisation "Volunteers for Humanity" aus Oberentfelden.

"Volunteers for Humanity" unterstützt Menschen in Krisengebieten der Welt. Seit der Gründung in 2016 hat das 9-köpfige Team aus Oberentfelden insgesamt 22 Schiffscontainer nach Syrien verschickt. Auch die Flüchtlingslager auf Samos und Lesbos gehören immer wieder zu den Zielorten ihrer Lieferungen. "Zuletzt haben wir 100 Zelte, 500 Notliegen, Hygieneprodukte sowie medizinische Hilfsmittel nach Griechenland versandt.", berichtet Andreas.

Medizinisches Material macht einen grossen Teil der Waren aus, die von "Volunteers for Humanity" verschickt werden. Da Andreas als gelernter Pflegefachmann seit 9 Jahren im Herzkatheterlabor arbeitet, kommt ihm eine wichtige Rolle dabei zu: Er sichtet alle medizinischen Produkte, die gespendet werden und ist für die Ansprechpartner im Ausland erste Kontaktperson bei Rückfragen. 

"Ich habe das grosse Glück, dass mich mein Arbeitgeber bei meiner Freiwilligenarbeit unterstützt"

"Ich habe das grosse Glück, dass mich mein Arbeitgeber bei meiner Freiwilligenarbeit unterstützt. Zum Beispiel wenn sterile Handschuhe nach dem Überschreiten ihres Ablaufdatums an unserer Klinik nicht mehr eingesetzt werden dürfen, die aber eigentlich noch problemlos verwendet werden können. Meine Kollegen vom Einkauf legen sie für unsere Organisation dann zur Seite. So haben wir vor kurzem sterile Handschuhe nach Lesbos schicken können, die dort aufgrund der Corona-Situation dringend für die Essensausgabe gebraucht wurden." Aber auch Patientenbetten, abwaschbare Matratzen, Kissen sowie Gasgrills aus der Klinik-Küche waren schon dabei. "Sobald die Pflegematratzen eine Beule haben, werden sie in Schweizer Spitälern aussortiert. In Krisengebieten dagegen freuen sich die Menschen darüber, weil sie sonst auf dem Boden liegen müssten.", schildert er. "Auch 2 Gasgrills haben wir schon von der Klinik übernehmen dürfen, die nach Reparaturen wieder voll funktionstüchtig waren und jetzt in einem Waisenhaus in Afrika ihren neuen Platz gefunden haben.", so Andreas.

"Das erfüllt mich immer wieder mit grosser Dankbarkeit"

"Not macht erfinderisch", heisst es. Getreu dieses Sprichwortes stellen sich Andreas und seine Kollegen von "Volunteers for Humanity" pragmatisch und kreativ immer wieder neu auf Herausforderungen ein. "Den Menschen in den Krisengebieten fehlt es an so vielem. Für die Kinder stellen wir daher zum Beispiel kleine Spiele-Sets zusammen – mit einem Jojo, Kreide und einem Springseil. Da hilft sogar inzwischen meine 12-jährige Tochter gerne mit.", erzählt uns der dreifache Familienvater weiter.

Es sei immer wieder schön zu sehen, wie positiv die Menschen auf ihre Arbeit reagieren würden, berichtet er. "Wir sind zwar mit 9 Mitgliedern eine verhältnismässig kleine Hilfsorganisation. Doch wenn nötig, können wir immer wieder auf zusätzliche Unterstützung zählen." So würden unter anderem auch Flüchtlinge regelmässig aushelfen, die nach wie vor auf ihren Asylstatus warten und zwischenzeitlich froh seien, etwas Gutes tun zu können. "Sie wissen ja am besten, wie schwer es die Menschen in den Krisengebieten haben. Und auch sonst gibt es so viele Momente, in denen uns Kollegen, Freunde oder gänzlich Unbekannte schon ausgeholfen haben. Das erfüllt mich immer wieder mit grosser Dankbarkeit."

Andreas Franke (2. von links, hinten) mit seinen Kollegen von "Volunteers for Humanity" und Freiwilligen: Insgesamt 22 Schiffscontainer hat die Organisation seit 2016 nach Syrien verschickt.
Kinder beim Auspacken der Spiele-Sets in einer syrischen Schule
Tagsüber betreut Andreas Franke (links im Bild) Patientinnen und Patienten im Herzkatheterlabor der Hirslanden Klinik Aarau.