5% aller Diabetikerinnen und Diabetiker sind von einer schweren Niereninsuffizienz als Komplikation ihrer Erkrankung betroffen. In dem Fall ist eine Nierentransplantation die beste Lösung. Falls das nicht oder noch nicht möglich ist, kann zwischen der Bauchdialyse zuhause und der Blutwäsche im Dialysezentrum gewählt werden. Der Nephrologe Prof. Dr. med. Andreas Bock, Leiter der Dialysestation der Hirslanden Klinik Aarau, erklärt in dem Bericht, was Patientinnen und Patienten erwartet.

"Ich (m, 64) leide seit vielen Jahren an Bluthochdruck und Diabetes. Nun hat mir mein Hausarzt gesagt, ich müsse aufgund meiner Laborwerte wohl bald an die Dialyse. Muss das sein oder gibt es Alternativen? Ich fühle mich eigentlich ganz gut. Was soll ich tun?"

Abklärung der Niereninsuffizienz durch Nephrologen

Die schwere Niereninsuffizienz ist eine gefürchtete Komplikation, die etwa 5% der Diabetikerinnen und Diabetiker betrifft. Vermutlich gehören auch Sie dazu. Dass Sie trotz schlechter Laborwerte kaum etwas merken, ist leider typisch. Erst wenn die Nierenfunktion auf 10-15% der Norm gesunken ist, nehmen Müdigkeit, Appetitlosigkeit und Schwäche zu.

Bei Ihnen sollte zunächst ein Spezialarzt für Nierenkrankheiten (Nephrologe) abklären, ob die Schädigung wirklich so schwer und nicht mehr rückgängig zu machen ist. Falls effektiv eine Dialysebedürftigkeit innert Jahresfrist droht, folgt als Erstes die Abklärung Ihrer Eignung für eine Nierentransplantation.

Nierentransplantation als beste Lösung

Sie ist die mit Abstand beste (und kostengünstigste) Lösung. Rund ein Drittel aller Nierenspenden stammt als freiwillige "Lebendspende" von Angehörigen oder Beziehungspersonen. Sowohl bei Ihnen als auch beim Spender bzw. bei der Spenderin sind einige Abklärungen nötig, bevor Sie einem der für den Aargau zuständigen Transplantationszentren in Basel, Zürich oder Bern zugewiesen werden.

Dialyse daheim oder im Dialysezentrum

Ist dies nicht möglich, kommen Sie bei Eignung für eine Transplantation auf die Warteliste. Eine Nierenersatzbehandlung bleibt Ihnen dann aber nicht erspart. Wählen können Betroffene zwischen den Varianten "Daheim" und "Dialysezentrum".

Bei der Bauchdialyse (Peritonealdialyse) daheim füllen Sie Ihre Bauchhöhle über einen zuvor in einer kleinen Operation eingesetzten Schlauch mit 2 Litern einer sterilen Salz-Zuckerlösung. Nach 4-5 Stunden ist die zuvor klare Flüssigkeit aufgrund der osmotisch eingewanderten Giftstoffe gelblich. Dieses Gemisch wird abgeführt und der Vorgang anschliessend wiederholt. Das Verfahren ist sehr schonend. Es erfordert aber einen Tagesaufwand von 2 Stunden (4-mal 30 Minuten).

Für die Hämodialyse (Blutwäsche) im Dialysezentrum müssen Sie 3-mal pro Woche etwa 4.5 Stunden reservieren. Etwa 2-3 Monate vor Dialysebeginn wird Ihnen dafür ein so genannter Shunt am Vorder- oder Oberarm gelegt. Die Zeit an der Hämodialyse kann zum Lesen, Schlafen, Musikhören, Fernsehen, Surfen oder zum Plaudern mit den Mitpatienten genutzt werden.

Nierenpatienten sind oft auch Herzpatienten. Es ist daher ein Vorteil, ein Dialysezentrum zu wählen, das in eine grössere Klinik eingebettet ist, die auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen spezialisiert ist. Ich rate Ihnen, die skizzierten Schritte aktiv anzugehen und das Problem nicht vor sich herzuschieben. So finden Sie selbst den für Sie besten Weg.

Prof. Dr. med. Andreas Bock, Facharzt für Innere Medizin und Nephrologie (Nierenkrankheiten) am Zentrum für Innere Medizin der Hirslanden Klinik Aarau