Medizinische Exzellenz entsteht nicht nur im Operationssaal oder auf der Station. Sie entsteht auch dort, wo Wissen weitergegeben, Forschung vorangetrieben und die nächste Generation ausgebildet wird. Genau dafür engagieren sich seit Jahren zahlreiche Ärztinnen, Ärzte und Fachpersonen der Hirslanden-Gruppe – zusätzlich zu ihrem anspruchsvollen klinischen Alltag. Gemeinsam mit den Universitäten Zürich, Luzern und Nikosia (Zypern) bestehen Lehrangebote, Forschungsprojekte und akademische Kooperationen, die weit über klassische Ausbildung hinausgehen.
So gehört die Klinik Hirslanden seit diesem Jahr neu zum Kreis der offiziellen Lehrspitäler der Universität Zürich. Hinter diesem Engagement stehen Menschen, die Medizin nicht nur praktizieren, sondern aktiv mitgestalten wollen. Im Gespräch erklärt Tanja Volm, Geschäftsführerin des Hirslanden Institute for Medical Education (HIMED), warum Lehre und Forschung für die Zukunft der Medizin unverzichtbar sind – und weshalb dieses Engagement viel mehr Aufmerksamkeit verdient.
Frau Volm, der Druck im Klinikalltag ist hoch. Warum ist es Ihnen trotzdem wichtig, über Lehre und Forschung zu sprechen?
Weil wir im Moment häufig zuerst über Herausforderungen sprechen: über Platzprobleme, über Zeitdruck oder über zusätzliche Belastungen. Diese Themen sind real – und ich verstehe jede Person, die das im Alltag spürt. Aber gleichzeitig passiert in den Hirslanden-Kliniken unglaublich viel Gutes. Ärztinnen, Ärzte und Fachpersonen engagieren sich mit enormem Einsatz für Lehre und Forschung. Das sollten wir stärker sichtbar machen. Es geht nicht um einen Kampf um Räume oder Ressourcen. Es geht darum, dass wir mit unseren langjährigen Kooperationen mit drei Universitäten etwas haben, auf das wir als Kliniken, als Ärztinnen und Ärzte und auch gesellschaftlich stolz sein können.
Welche Bedeutung haben Lehre und Forschung für private Kliniken?
Lehre ist nie direkt produktiv – und sie kann es auch gar nicht sein. Aber sie schafft die Grundlage für Qualität, Innovation und Zukunftsfähigkeit. Ohne Lehre gibt es keine hochspezialisierte Medizin, keine universitären Kooperationen und langfristig auch keine medizinische Spitzenversorgung. Gleichzeitig erwarten Gesellschaft und Politik zurecht, dass Gesundheitsinstitutionen Verantwortung für die Ausbildung der nächsten Generation übernehmen. Und genau das geschieht bei uns mit grossem Engagement.
In der Strategie von Hirslanden ist Lehre und Forschung ausdrücklich erwähnt. Welche Rolle spielen die akademischen Aktivitäten im grösseren Kontext der Gruppe und ihrer Stiftungen?
Es ist sehr positiv, dass Lehre und Forschung in der Strategie 2035 explizit verankert sind – das zeigt, dass das Thema auf höchster Ebene als zentral erkannt wird. Wichtig ist aber: HIMED ist nicht die einzige akademische Initiative innerhalb der Hirslanden-Gruppe. Es gibt beispielsweise auch die Stiftung Quality of Life, zu der die Hirslanden Clinical Trial Unit als Kompetenzzentrum für klinische Forschung gehört. Ergänzend dazu fördert und koordiniert die Hirslanden Research Foundation die Forschung innerhalb des gesamten Netzwerks.
Diese Strukturen zeigen, dass wir Lehre und Forschung nicht isoliert betrachten, sondern breit abgestützt im ganzen Unternehmen denken. Die akademischen Aktivitäten der Kliniken mit den Universitäten Zürich und Luzern sind dabei ein zentraler Baustein. Sie sollen künftig auch auf weitere Kliniken und Regionen ausgeweitet werden – inklusive der französischsprachigen Schweiz. Damit leisten wir einen Beitrag zur strategischen Zielsetzung, Forschung und Lehre langfristig im gesamten Verbund zu stärken.
Was macht diese universitären Kooperationen aus Ihrer Sicht besonders?
Unsere Zusammenarbeit mit den Universitäten Zürich und Luzern hat in den letzten Jahren enorm viel ermöglicht – sowohl in der Lehre als auch in der Forschung. Wir haben an beiden Universitäten Lehrmodule aufgebaut, die bei den Studierenden ausserordentlich gefragt sind. Manche Kurse sind jeweils innerhalb weniger Minuten ausgebucht. Das zeigt, wie hoch die Qualität wahrgenommen wird. Besonders schön ist für mich, dass sich nicht nur Ärztinnen und Ärzte engagieren, sondern ganze interprofessionelle Teams.
Können Sie ein Beispiel eines solchen Angebots nennen?
Ein besonders schönes Beispiel ist das Modul «Ärzte und Fachpersonen Hand in Hand» an der Universität Zürich. Dort unterrichten Fachpersonen aus den Hirslanden-Kliniken gemeinsam Medizinstudierende – etwa aus der Pflege, Intensivpflege, Operationspflege, Ernährungsberatung oder Kardiotechnik. Die Studierenden erleben dadurch erstmals sehr direkt, wie viel Fachwissen und Professionalität in anderen Berufsgruppen steckt. Viele sagen danach, dass sie die Zusammenarbeit im Klinikalltag völlig neu verstehen. Das ist enorm wertvoll – gerade für die Medizin der Zukunft.
Gibt es auch an der Universität Luzern besondere Projekte?
Ja, dort engagieren sich Kolleginnen und Kollegen unter anderem im Bereich Gendermedizin. Das entsprechende Lehrmodul für Studierende im vierten Studienjahr ist in dieser Form schweizweit einzigartig. Dort geht es um Geschlechterunterschiede in der Medizin, gendergerechte Forschung oder Medikamentenwirkungen – aber auch um Themen wie psychische Erkrankungen, häusliche Gewalt, Transgender-Medizin oder unbewusste Vorurteile im medizinischen Alltag. Die Rückmeldungen der Studierenden sind aussergewöhnlich positiv. Viele erleben diese Inhalte als hochrelevant für ihre spätere Arbeit.
Wie gross ist das Engagement innerhalb der Hirslanden-Kliniken?
Rund 250 unserer Ärztinnen und Ärzte engagieren sich derzeit in der Lehre. Dazu kommen zahlreiche Fachpersonen aus anderen Berufsgruppen. Wichtig ist: Dieses Engagement geschieht zusätzlich zum normalen Klinikalltag und ohne zusätzliche Vergütung. Viele investieren dafür Freizeit oder verzichten bewusst auf andere Tätigkeiten. Das zeigt, wie stark der Idealismus und die intrinsische Motivation sind.
Was motiviert die Dozierenden?
Vor allem die Rückmeldungen der Studierenden. Viele Studierende sagen, dass sie durch bestimmte Kurse oder Begegnungen geprägt wurden. Dass sie dort verstanden haben, was gute Medizin bedeutet oder wie wichtig Teamarbeit ist. Und ich glaube tatsächlich: Viele der Ärztinnen und Ärzte, die sich in der Lehre engagieren, gehören auch klinisch zu den Besten. Sie reflektieren ihr Handeln, entwickeln sich weiter und möchten Wissen weitergeben.
Welche Auswirkungen haben die Kooperationen auf die Forschung?
Sehr grosse. Durch die Zusammenarbeit mit den Universitäten konnten neue Professuren entstehen, Forschungsprojekte aufgebaut und Fördergelder des Schweizerischen Nationalfonds SNF eingeworben werden. Das war für Privatkliniken früher kaum möglich. Gleichzeitig macht diese akademische Anbindung die Kliniken attraktiver für exzellente Fachkräfte. Forschende und Spezialistinnen entscheiden sich bewusst für einen Standort, an dem klinische Arbeit und Forschung verbunden werden können.
Leisten die Programme auch einen Beitrag zur Versorgungssicherheit?
Ja. Gerade internationale Ausbildungsprogramme wie unsere Kooperation mit der Universität Nikosia helfen dabei, zusätzliche junge Ärztinnen und Ärzte für die Schweiz zu gewinnen. Viele absolvieren ihre klinische Ausbildung bereits hier und bleiben später im Schweizer Gesundheitssystem. Mehrere Absolventinnen und Absolventen unseres Programms arbeiten heute bereits innerhalb der Hirslanden-Gruppe oder bei Partnerinstitutionen. Das ist ein wichtiger Beitrag – insbesondere in einer Zeit, in der der Ärztemangel immer spürbarer wird.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Vor allem, dass sichtbar wird, was hier täglich geleistet wird. Wir sprechen oft über Belastung und Druck – und beides existiert. Aber gleichzeitig investieren unglaublich viele Menschen zusätzlich Zeit, Energie und Leidenschaft in Lehre und Forschung. Das verdient Anerkennung. Denn Medizin besteht nicht nur aus Patientenversorgung. Sie besteht auch daraus, Wissen weiterzugeben, Forschung voranzutreiben und die nächste Generation auszubilden. Und genau dieses Engagement macht unsere Kliniken langfristig stark.
Geschäftsführerin von HIMED (Hirslanden Institute for Medical Education)