Lungenmetastasen

Der Befall der Lunge mit Ablegern anderer Krebsarten ist relativ häufig und kann therapeutisch angegangen werden. Abhängig von der Art des primären Tumors und von der Anzahl von Lungenmetastasen kann betroffenen Patienten eine ganze Palette von Therapieoptionen angeboten werden.

Bei Lungenmetastasen sprechen die spezialisierten Ärzte von sogenannt hämatogener Metastasierung (Tumorzellen haben über die Blutbahn gestreut und so die Lunge befallen). Für die Planung einer Behandlung von Lungenmetastasen ist es deshalb wichtig zu wissen, ob noch andere Regionen im Körper (z.B. Lymphknoten, Knochen oder andere Organe) von Metastasen befallen sind.

Diagnostik

Die Diagnostik von Lungenmetastasen wird im Regelfall durch eine CT-Untersuchung durchgeführt. In besonderen Fällen können auch MRT-Untersuchungen und/oder eine sogenannte Positronen-Emissions-Tomographie (PET-CT) Untersuchung erforderlich sein. Diese Untersuchungen geben in der Regel ausreichende Informationen zur Verteilung, Segmentzuordnung und Ausdehnung der Lungenmetastasen, um anschliessend die Therapieoptionen zu besprechen. 

Therapiemöglichkeiten

In bestimmten Situationen ist die chirurgische Resektion der Lungenmetastasen die beste therapeutische Option. Alternativ können Metastasen auch mit anderen Verfahren entfernt werden, zum Beispiel mit einer gezielten Bestrahlung (Cyberknife), einer Verödung (Mikrowellenbehandlung) oder mit einem speziellen elektrischen Verfahren (Nanoknife). Bei der Lunge wird bei der chirurgischen Entfernung von Metastasen häufig auch ein Laser verwendet, um möglichst schonend für die restliche Lunge die Herde radikal zu entfernen. Zusätzlich muss die Option einer Systemtherapie erwogen werden, die heute aus einer Chemotherapie oder einer Immuntherapie bestehen kann.

Nachsorge

Im Rahmen der onkologischen Nachsorge werden nach Behandlung von Lungenmetastasen in der Regel 3-monatige, meistens jedoch 6-monatige Kontrolluntersuchungen erforderlich. Diese werden durch den fallführenden Arzt, meist den versorgenden Onkologen, festgelegt.

Welche Tumore metastasieren bevorzugt in die Lunge?

Grundsätzlich können fast alle Tumorarten in der Lunge Ableger verursachen. Die häufigsten Primärtumore und Erläuterungen zu den operativen Möglichkeiten finden Sie nachstehend aufgeführt

Niere

Nierenzellkrebs wird in der Regel durch die Entfernung der befallenen Niere behandelt und häufig dadurch definitiv geheilt. Die Nierenzelltumore wachsen bevorzugt in die Blutgefässe ein und können auf diese Weise über die Blutbahn Ableger verursachen. Das Blut fliesst aus der Niere direkt über das Herz in den Lungenkreislauf. Die Lunge ist also das erste Filterorgan für die in der Blutbahn schwimmenden Tumorzellen des Nierenzellkrebses. Folge dessen sind Lungenmetastasen bei Nierenzellkrebs relativ oft auch im Spätverlauf (bis zu 10 Jahren nach einer Nierenkrebsoperation) vorhanden. Es wird empfohlen, nach einer Nierenzellkrebsbehandlung jährlich ein Computertomogramm der Lunge zu machen.

Die in der Regel langsame Wachstumsdynamik dieser Ableger macht aber die chirurgische Behandlung dieser Herde zu einer sinnvollen Massnahme für das Langzeitüberleben.

Brust

In der überwiegenden Zahl der Fälle mit Ablegern von Brustkrebs in der Lunge, handelt es sich um einen diffusen Befall beider Lungen mit vielen sehr kleinen Knoten. Eine operative Entfernung ist dann nicht möglich. Häufig ist auch das Brustfell befallen und es bildet sich Wasser zwischen Lunge und Brustraum, was die Lungenkapazität einschränkt. In diesen Fällen kann eine operative Verklebung der Lunge mit der Brustwand helfen die Atemnot zu vermeiden, den Lungenbefall kann man damit aber nicht beseitigen.

In Einzelfällen gibt es aber auch einzelne Metastasen (solitäre Knoten) vom Brustkrebs als Ableger in den Lungen. Diese Knoten können auch Jahre nach einer erfolgreichen Behandlung von Brustkrebs noch auftreten. Wichtig bei solchen Befunden ist, dass ein interdisziplinäres Gremium von Spezialisten (Tumorboard) beurteilt, ob eine operative Therapie sinnvoll ist und damit das Ziel der Tumorfreiheit erreicht werden kann. 

Blase / Prostata

Die Lunge kann von beiden Tumorarten metastatisch befallen werden. Wichtiges Kriterium, ob eine operative Entfernung möglich und sinnvoll ist, ist die Anzahl und das Verteilmuster der Metastasen. Gibt es diffuse Knoten überall in den Lungen kann eine Operation nicht helfen. Bei wenigen Knoten ist jedoch eine genaue Beurteilung empfehlenswert. Falls am Ort des Primärtumors alles tumorfrei ist, (dokumentiert mit Bildgebung, am besten PET-CT oder Gallium-PET bei der Prostata) kann eine Metastasen-Chirurgie der Lunge, selbst bei mehreren Ablegern, vielversprechend sein.

Lunge

Wenn ein Lungenkrebs innerhalb der Lunge und/oder auf die Gegenseite Ableger verursacht sprechen wir von einem Stadium IV. Dieses Krebsstadium ist in der Regel nicht mehr heilbar, eine Operation wird deshalb häufig nicht mehr empfohlen.

Sind jedoch keine Lymphknoten befallen (PET-CT) und nur wenige einzelne Herde auf beiden Lungen, kann unter bestimmten Voraussetzungen doch radikal operiert werden. Es ist deshalb empfohlen, gerade in solchen Situationen, die Befunde in einem spezialisierten Gremium (Tumorboard) zu besprechen, bevor eine Therapiestrategie definiert wird.

Leber

Die Leber hat einerseits Tumore ausgehend vom Leber- und Gallenganggewebe, anderseits ist sie häufig Sitz von Metastasen anderer Tumore, besonders aus dem Magen-Darm-Gebiet. Primäre Lebertumore metastasieren selten direkt in die Lunge. Bei Vorhandensein ist die Anzahl der Ableger in der Regel eher gering und deshalb durchaus für eine chirurgische Therapie zugänglich. Voraussetzung ist, dass in der Leber selbst kein Tumor mehr nachweisbar ist. Das gleiche gilt für Lebermetastasen. In Ausnahmenfällen kann es vorkommen, dass nach erfolgreicher Behandlung von Lebermetastasen eines anderen Tumors (zum Beispiel Mastdarm oder Dickdarm) im weiteren Verlauf plötzlich auch einzelne Lungenherde auftreten. Diese müssen in jedem Fall chirurgisch beurteilt und falls operativ zugänglich, radikal entfernt werden. Die Prognose solcher Interventionen ist gut und es lohnt sich hier besonders, das Ziel der noch möglichen Heilung mit radikaler Chirurgie zu verfolgen.

Haut

Der häufigste Hauttumor mit potentieller Metastasierung ist das maligne Melanom, gefolgt von dem Spinaliom. Beide Tumore metastasieren eher selten in die Lunge, doch falls dem so ist, ist häufig eine operative Behandlung möglich. Entscheidend ist, dass keine anderen Organe (oder höchstens ein weiteres Organ, zum Beispiel die Leber) befallen und kein Lymphknotenbefall vorhanden ist. In diesen Fällen kann eine Metastasen-Chirurgie an der Lunge durchaus sinnvoll und deutlich Prognose-verbessernd sein.

Mastdarm/Dickdarm

Weitaus am meisten ist bei Tumoren des Mast- und Dickdarms die Leber von Ablegern betroffen. Dennoch kommt es aber immer wieder vor, dass die Ableger auch in der Lunge oder in Kombination mit der Leber auftreten. Im Grundsatz sind diese Ableger operativ behandelbar, falls sonst im Körper kein Resttumor mehr besteht und die ursprünglichen Tumore radikal inklusive Lymphabfluss operiert wurden. Wichtig ist eine genaue Diagnostik mit einem PET-CT, um die Gesamtsituation einschätzen zu können. 

Weichteile/Bindegewebe (Sarkome)

Die Sarkome sind eine spezielle Gruppe von bösartigen Tumoren, welche bevorzugt in der Lunge Ableger verursachen. Speziell an diesen Tumoren ist die Tatsache, dass die einzige erfolgsversprechende Behandlung die radikale Entfernung, sowohl des Primärtumors wie auch seiner Metastasen, darstellt. Gerade bei diesen Tumoren ist also die Frage der Metastasen-Chirurgie besonders wichtig. Lungenmetastasen können dabei sehr oft entfernt und so die Prognose der Krankheit entscheidend verbessert werden.

Die technischen Möglichkeiten lassen es zu, auch eine hohe Anzahl von Ablegern lungenschonend zu entfernen (je nach Lage und Verteilmuster bis zu 20 einzelne Metastasen). Meistens sind beide Lungenflügel betroffen und deshalb eine beidseitige Operation notwendig.