Gedanken zur Fastenzeit

Mit dem Aschermittwoch am 26. Februar beginnt in den katholischen Gegenden die 40-tägige Fastenzeit. Von der strengen kirchlichen Fastenordnung der vergangenen Jahrhunderte ist wenig übrig geblieben. Das Fasten selbst ist zwar in Mode, aber meist nur, um überflüssige Kilos mühsam los zu werden. Es finden sich allerdings heute in vielen Kirchgemeinden und Bildungshäusern auch Menschen zu Fastengruppen zusammen, die eine alte Sicht des Verzichtens und Fastens vor Ostern wieder aufgreifen.

Das Fasten hat eine lange Tradition in fast allen Religionen. Die grossen Religionsstifter haben die Erfüllung ihres Auftrags durch Fasten vorbereitet. Mose fastete auf dem Sinai, bevor ihm die Zehn Gebote offenbart wurden. Jesus ging in die Wüste, um 40 Tage und Nächte zu fasten, bevor er die Botschaft von der anbrechenden Gottesherrschaft öffentlich verkündete. Mohammed ging auf den Berg Hira, bevor ihm der Koran offenbart wurde, und Buddha unter dem Bodhi-Baum, bevor er die Erleuchtung erlangte.

Dieses religiöse Fasten damals und heute hat die Reinigung von Körper und Geist zum Ziel. Dabei steht der Verzicht nur am Anfang. Es geht vielmehr darum, offen zu werden für etwas Neues, für den nächsten Schritt, der sich zeigen will.

Auch wenn wir nicht körperlich fasten können oder dürfen, ist die 40-tägige Fastenzeit eine Einladung, sich Zeit zu nehmen und sich auf das zu besinnen, was wirklich wichtig ist.

Die evangelische Kirche in Deutschland lädt dieses Jahr ein zur Fastenaktion «7 Wochen ohne». Dabei liegt der Fokus nicht auf dem, was man weglässt. Es ist eine Einladung, sieben Wochen auf etwas zu verzichten und in diesem freigewordenen Raum etwas Neues zu entdecken. Im Begleittext heisst es: «Gestalten Sie Ihr Leben «7 Wochen ohne» und entdecken Sie die Fülle. Der Verzicht macht Appetit – aufs Leben.»

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine entdeckungsreiche Fastenzeit.

Pfrn. Helen Trautvetter

Fasten

Sich unterbrechen
im alltäglichen Einerlei,
eingespielte Gewohnheiten ablegen
wie einen verschlissenen Mantel.
 
Aussteigen aus dem
«Das war schon immer so»,
alte Denkmuster überprüfen,
ob sie noch greifen.
 
Frei werden, Neues einlassen
in Herz und Hirn.
Das Unmögliche für möglich halten
und dem Himmel die Türen öffnen.


Tina Willms