Onkologie

Die Wahl der richtigen Behandlung von Brustkrebs setzt die sorgfältige Beurteilung der Vorgeschichte der Patientin sowie der Befunde spezialärztlicher Untersuchungen und allfälliger Begleiterkrankungen voraus. Zu den diagnostischen Befunden gehören die Lage und Grösse des Tumors, die Art des Tumors, das Stadium der Erkrankung sowie die Eigenschaften des Tumorgewebes. Die Beurteilung all dieser Befunde erfolgt am Tumorboard Brust, wo die Vertreter der verschiedenen Fachrichtungen gemeinsam für jede Patientin eine massgeschneiderte Behandlungsstrategie festlegen und sie mit den zuweisenden Ärzten diskutieren.

Gespräch mit der Patientin

Nach dem Tumorboard bespricht der Onkologe mit der Patientin die genaue Art ihrer Tumorerkrankung. Falls erwünscht, sind bei diesem Gespräch auch Angehörige anwesend. Da viele Krebsarten und Tumoren spezifische biologische Merkmale aufweisen, kann die Therapie möglichst genau auf die Erkrankung der Patientin abgestimmt werden. Der Onkologe zeigt ihr die verschiedenen Möglichkeiten und Perspektiven der empfohlenen Therapieschritte auf. Anschliessend wird gemeinsam entschieden, wie die Behandlung durchgeführt werden soll. Berücksichtigt werden dabei auch Begleit- und Vorerkrankungen, persönliche Umstände sowie vererbbare biologische Eigenschaften.

Medikamentöse Therapien

Die Behandlung von Brustkrebs beruht heute in den meisten Fällen auf einer Kombination von Therapien. Dazu gehören die Operation, die Bestrahlung und medikamentöse Therapien. Letztere gliedern sich in drei Gruppen und werden vom Onkologen geplant und durchgeführt.

Chemotherapie

Die gängigste Therapieform bei Krebs ist die Chemotherapie. Mittels der Gabe sogenannter Zytostatika können Krebszellen in ihrem Wachstum gehindert oder zerstört werden, wodurch sich ihre unkontrollierte Vermehrung hemmen lässt. Bei einer Chemotherapie kann ein einzelnes Medikament oder eine Kombination aus verschiedenen Medikamenten zum Einsatz kommen. So oder so wirkt eine Chemotherapie auf den ganzen Körper (systemisch), sodass auch gesunde Zellen betroffen sein können. Diese erholen sich nach Therapieende jedoch rasch wieder. Eine Chemotherapie kann als Infusion oder auch in Tablettenform verabreicht werden.

Eine Chemotherapie kann bei Brustkrebs vor oder nach der Operation erfolgen. Vor der Operation heisst sie «neoadjuvante Chemotherapie» und dient dazu, den Tumor zu verkleinern. Dies erleichtert seine vollständige chirurgische Entfernung. Eine Chemotherapie nach der Operation hat zum Ziel, allfällige noch vorhandene Krebszellen zu zerstören.

Antihormontherapie

Die Antihormontherapie zählt neben der Operation, der Chemotherapie und der Bestrahlung zu den wichtigsten Behandlungen bei Brustkrebs. Sie zielt vor allem darauf ab, die Bildung oder Wirkung des weiblichen Sexualhormons Östrogen zu blockieren, wodurch das Wachstum hormonempfindlicher Tumorzellen gestoppt werden soll. Ein Rückfall oder ein weiteres Fortschreiten der Erkrankung kann so oft verhindert werden. Voraussetzung dafür ist, dass auf den Brustkrebszellen entsprechende Hormonrezeptoren vorhanden sind. Das ist nicht bei allen Brustkrebsarten der Fall. Die Antihormontherapie wird auch als endokrine Therapie oder einfach als Hormontherapie bezeichnet und dauert in der Regel mindestens fünf Jahre. Eingenommen werden die Medikamente meist in Tablettenform.

Antikörpertherapie

Eine Antikörpertherapie wirkt unter Einbezug des körpereigenen Immunsystems, wodurch sie sich in ihrer Wirkungsweise grundlegend von der Chemotherapie unterscheidet. Das Prinzip der Antikörpertherapie mit sogenannten monoklonalen Antikörpern beruht auf der gezielten Erkennung und Vernichtung von spezifischen Krebszellen. Dabei werden bestimmte Signalwege der Tumorzellen unterbrochen, was diese zum Absterben bringt. («Monoklonal» heissen die synthetisch hergestellten Antikörper, weil sie aus ein und derselben Mutterzelle geklont werden und somit eine identische Struktur haben.) Als Antikörpertherapie bei Brustkrebs werden häufig die Wirkstoffe Trastuzumab und Pertuzumab als Infusion verabreicht.