Plastische-rekonstruktive Chirurgie

Bei der operativen Behandlung von Brustkrebs ist es heute in rund 70% der Fälle möglich, nur den Tumor herauszuoperieren und die Brust selbst zu erhalten. Bei manchen Patientinnen kommt eine brusterhaltende Operation aufgrund der Tumorgrösse oder des Krankheitsstadiums jedoch nicht in Frage. In solchen Fällen lässt sich der Tumor nur durch eine teilweise oder vollständige Brustamputation (Mastektomie) entfernen. Den betroffenen Patientinnen bietet das Brustzentrum Im Park verschiedene Möglichkeiten zu einer plastisch-chirurgischen Rekonstruktion der Brust (Brustaufbau) an.

Je nach Wunsch der Patientin kann der Brustaufbau bereits während der Erstoperation (primär) oder zu einem späteren Zeitpunkt (sekundär, d.h. Monate bis auch Jahre später) durchgeführt werden.

Verschiedene Techniken zur Wiederherstellung der Brust

Es gibt kein Allgemeinrezept für die bestmögliche Behandlung von Brustkrebs. Je nach Alter und Vorgeschichte der Patientin sowie je nach Grösse, Typ und Stadium des Tumors fällt sie unterschiedlich aus. Aus diesem Grund ist auch die ideale Art und Weise resp. der beste Zeitpunkt einer anschliessenden Brustrekonstruktion individuell.

Grundsätzlich lässt sich die Wiederherstellung der Brust durch verschiedene Techniken erreichen. Alle diese Optionen sollten trotz der in dieser Zeit enormen psychischen Belastung vor einem Eingriff mit der Patientin besprochen werden. Es ist auch wichtig zu wissen, dass ein Wiederaufbau weder die Heilungschancen beeinträchtigt noch die Nachsorgeuntersuchungen behindert und für alle Betroffenen in Frage kommt.

 

Einfache Implantat-Rekonstruktion

Bei einer einfachen Implantat-Rekonstruktion ist zwingend zu beachten, dass das Implantat nur dann platziert werden kann, sofern keine insbesondere vorgängige Strahlentherapie durchgeführt worden ist. In solchen Fällen sind andere Verfahren mit zusätzlichem Einbringen von Eigengewebe erforderlich.

Expander und Implantat

Wenn unter der Haut nicht genug Platz besteht, um ein Implantat der gewünschten Grösse einzubringen (z.B. falls zusätzlich zum Drüsenkörper auch Haut entfernt wurde oder die Haut und Weichteile nach einer schon Monate vorher durchgeführten Brustentfernung geschrumpft und vernarbt sind), erfolgt die Rekonstruktion in zwei Schritten. Zuerst müssen die verbliebenen Weichteile aufgedehnt werden, wozu ein sogenannter Expander eingebracht wird. Er ist vergleichbar mit einem Ballon, der unter die Haut oder besser noch unter die Haut und unter den grossen Brustmuskel gelegt wird. Über mehrere Wochen wird er ein- bis zweimal wöchentlich mit Flüssigkeit über ein Ventil gefüllt, bis die Haut genügend gedehnt ist und die gewünschte Grösse erreicht hat. Danach kann in einer zweiten Operation der Expander entfernt und durch ein definitives Silikonimplantat ersetzt werden.

Eigengewebe und Implantat

Falls zu wenig Weichteile vorhanden oder diese schon zu dünn sind, um ein Implantat zu decken (insbesondere nach einer Mastektomie oder einer Bestrahlung), muss eine zusätzliche Gewebeschicht zwischen die Haut und das Implantat eingebracht werden, um eine genügende Deckung des Implantats zu erreichen. Dazu wird ein gestielter Muskellappen vom Rücken verwendet, der sogenannte M. latissimus dorsi-Lappen. Dieser grosse, fächerförmige Muskel stabilisiert zusammen mit anderen Muskeln die Schulter und ist im normalen Alltag entbehrlich. Die Blutversorgung des Muskels und der darüber liegenden Haut erfolgt über Blutgefässe, die aus der Achselhöhle kommen und belassen werden („gestielt“); der Muskel wird lediglich von seinen Ansätzen abgelöst und vom Rücken in die Brustregion nach vorne geschwenkt, wo er das Silikonimplantat zu decken vermag. Falls nicht nur Weichteile fehlen, sondern auch Haut, kann bei dieser Operation zusätzlich zum Muskelgewebe auch eine Hautspindel am Rücken mitentfernt werden.

Rekonstruktion mit Eigengewebe

Man kann den M. latissimus dorsi auch für die alleinige Brustrekonstruktion ohne Implantat verwenden. Das ergibt jedoch in den meisten Fällen eine zu kleine Brust, sodass dieses Vorgehen nur in den seltensten Fällen zum Tragen kommt. Für die Rekonstruktion mit Eigengewebe eignet sich vor allem ein Gewebetransfer vom Bauch, vom Oberschenkel oder vom Gesäss. Hierbei wird je nach Technik ein Stück Haut und Fett mit oder ohne Muskelgewebe entnommen und zur Formung einer neuen Brust verwendet. Das Eigengewebe wird bei dieser Technik von seiner Blutversorgung abgehängt und bedarf zum Überleben eines erneuten Anhängens an die Blutgefässe im Thoraxbereich; hierfür werden die Gefässe unter dem Mikroskop an vorhandene Gefässe im Bereich des Brustbeines oder der Achselhöhle angenäht. Dieses Verfahren kommt bei Brustrekonstruktionen ohne zusätzliches Fremdmaterial zum Tragen, ist aber chirurgisch aufwändiger und komplikationsreicher.

Folgeoperationen

Mit einem ersten Schritt der Brustrekonstruktion, ob primär oder sekundär, ist die Brustrekonstruktion noch nicht vollendet; in einem weiteren Schritt hinzu kommen ca. sechs Monate später die Rekonstruktion der Brustwarze (aus Haut im Bereich der neuen Nippel-Platzierung sowie aus Haut aus dem Schrittbereich; alternativ lediglich als Tätowierung) sowie eine angleichende Operation der Gegenseite.

Häufig sind ausserdem kleinere Korrekturoperationen mit Optimierung der Weichteile (z.B. Narbenkorrekturen; Eigenfettunterspritzung) nach weiteren vier bis sechs Monaten erforderlich.