Therapie

Eine breite Palette von Therapieverfahren

Mit der Einführung von minimalinvasiven Behandlungstechniken hat sich die Behandlung von Harnsteinleiden völlig geändert. Bis zum Beginn der Stosswellenbehandlung (ESWL) im Jahr 1985 mussten viele Patienten mit dem «grossen Schnitt» behandelt werden. Inzwischen ist die offene Steinchirurgie fast gänzlich durch minimalinvasive Verfahren verdrängt worden. Hierzu zählen:

  • Steinzertrümmerung durch Stosswellen
  • Endoskopische Steinentfernung
  • Steinentfernung durch direkte Nierenspiegelung

 

Welches Verfahren zum Einsatz kommt, wird je nach individuellem Fall entschieden und detailliert mit dem Patienten besprochen. Im Einzelfall muss der Arzt immer abwägen, welches Verfahren für den Patienten das beste ist und welche Methode die grössten Erfolgsaussichten verspricht.

Steinzertrümmerung durch Stosswellen

Bei der extrakorporellen Stosswellenlithotripsie (ESWL) wird der Patient auf einem Behandlungstisch gelagert und erhält ein Schmerz- sowie ein Beruhigungsmittel. Eine Narkose ist meist nicht erforderlich. Der behandelnde Arzt lokalisiert mittels Röntgendurchleuchtung oder Ultraschall den Stein und stellt das Gerät so ein, dass die Stosswellen den Stein zerstören können. Die entstandenen kleineren Stücke können dann natürlich ausgeschieden werden. Die Aufenthaltsdauer im Spital beträgt bei kleinen, örtlich einfach gelegenen Steinen etwa zwei bis drei Tage. Die Behandlung verursacht selten Nebenwirkungen und ist in bis zu 80% der Fälle erfolgreich. Diese Methode wird in der Regel bei Steinen im Nierenbecken und im oberen und mittleren Harnleiterdrittel angewendet.

 

Bei einer Harnrückstauung in die Nieren oder bei Steinen über 2 cm muss die Niere mittels eines Kunststoffröhrchens, welches durch eine Blasenspiegelung (Urethrozystoskopie) eingelegt wird, entlastet werden. Manche Harnsteine sind nicht sicher zu orten, dann sind andere Behandlungsmöglichkeiten oft effektiver.

Endoskopische Steinentfernung

Die endoskopischen Verfahren nutzen als Zugangswege Harnröhre und Harnleiter. Steine im unteren und mittleren Teil des Harnleiters werden unter direkter Sicht mit Hilfe von elektrohydraulischen Sonden zerstört oder mit einem Körbchen eingefangen und entfernt. Für diesen Eingriff benötigt der Patient entweder eine Narkose oder eine Betäubung des Rückens. Die endoskopische Steinentfernung ist invasiver als die Steinzertrümmerung, hat aber im Idealfall den Vorteil, dass der Patient sogleich steinfrei ist. Die Nebenwirkungen der Endoskopie sind ebenfalls gering, der Patient bleibt meist nur kurz im Spital und ist schnell wieder arbeitsfähig. Um den Harnabfluss zu gewährleisten, wird häufig ein Kunststoffröhrchen eingelegt, das später ambulant in Lokalbetäubung mittels Blasenspiegelung wieder entfernt wird.

Steinentfernung durch direkte Nierenspiegelung

Bei einem Stein mit einem Durchmesser von mehr als 3 cm im Nierenbecken muss mittels eines kleinen Schnittes von ca. 1 cm Länge in die Seite ein Instrument zur Nierenspiegelung eingebracht werden. Anschliessend zerkleinert man den Stein mit speziellen Sonden, um die Fragmente dann aus der Niere entfernen zu können. Die perkutane Nephrolitholapaxie wird unter Narkose durchgeführt.