Multiple Sklerose

In der Schweiz leben rund 10'000 Menschen mit Multiple Sklerose. Auch die Funktion von inneren Organen wie Darm und Harnblase kann von einer Multiplen Sklerose betroffen sein. Eine Funktionsstörung des Harntraktes ist häufig, nach zehn Erkrankungsjahren haben nahezu alle Betroffenen ein abklärungs- und behandlungsbedürftiges urologisches Problem. Schon im Frühstadium der Erkrankung ist daher eine regelmässige neurourologische Betreuung der Betroffenen ratsam, spätestens beim Auftreten von Beschwerden dann dringend erforderlich.


Die Multiple Sklerose ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung von Gehirn, Rückenmark und Nerven. Die genaue Ursache kennt man bisher nicht. Forscher gehen davon aus, dass das Immunsystem körpereigenes Nervengewebe als Fremdkörper einstuft und angreift. Besonders betroffen sind die Nervenhüllen, die ähnlich der Isolierung eines Elektrokabels die Nervenstränge vom umgebenden Gewebe schützen. Diese Hüllen werden vom eigenen Körper angegriffen; es kommt zu einer Entzündung und später zur Ausbildung von Vernarbungen an Nervenbahnen, sodass Nervensignale nicht mehr oder nur verlangsamt weitergeleitet werden. Das führt zu Fehlfunktionen von Muskeln und Organen. Meistens erkranken junge Erwachsene, dabei sind Frauen doppelt so häufig betroffen wie Männer. Die Erkrankung kann kontinuierlich fortschreiten oder schubweise verlaufen und sich nicht selten über Jahrzehnte entwickeln. In der Schweiz leben rund 10'000 Menschen mit Multiple Sklerose. Etwa täglich wird eine neue MS-Diagnose gestellt.


Auch die Funktion von inneren Organen wie Darm und Harnblase kann von einer Multiplen Sklerose betroffen sein. Bei 15% der Betroffenen ist die Blasenstörung Erstsymptom der MS. Eine Funktionsstörung des Harntraktes kann auch alleiniges Symptom bei ansonsten gesunden MS-Betroffenen sein. Nach zehn Erkrankungsjahren haben nahezu alle Betroffenen ein behandlungsbedürftiges urologisches Problem. Urologische Komplikationen, wie häufige Harnwegsinfekte gelten als mögliche Auslöser einer Progression der Erkrankung. Eine unbehandelte Blasenstörung kann auch andere Symptome der Erkrankung wie zum Beispiel die Spastik und die Fatigue negativ beeinflussen. Die Blasenstörung kann sich im Frühstadium als häufiges Wasserlassen am Tage und in der Nacht, gesteigerter Harndrang und Dranginkontinenz äussern; man spricht von einer sogenannten überaktiven oder spastischen Blase. Mit Fortschreiten der Erkrankung treten nicht selten zusätzlich Schwierigkeiten der Blasenentleerung auf, welche in einer unvollständigen Blasenentleerung mit Restharn bis hin zur Harnsperre führen können. Nach einer gewissen Zeit sind also sowohl die Harnspeicherung als auch die Harnentleerung betroffen. Blasenfunktionsstörungen können auch Ursache wiederkehrender Harnwegsinfekte sein, durch häufiges nächtliches Wasserlassen kommt es zu Schlafstörungen und durch eine Verkrampfung der Blasenmuskulatur zu Schmerzen im Unterbauch. Die Symptome können sich mit der Zeit verändern, oft kommt es nach einem Schub der Multiplen Sklerose zu einer Progression der Miktionsstörung.


Die Abklärung und Behandlung der Blasenstörung bei MS dient dazu, Komplikationen und Spätschäden zu vermeiden, also Blasen- und Niereninfektionen vorzubeugen, Blasen- und Inkontinenzbeschwerden wirkam zu behandeln und damit die Lebensqualität zu erhalten oder wieder zu verbessern. Schon im Frühstadium der Erkrankung ist eine regelmässige neurourologische Betreuung der Betroffenen ratsam, beim Auftreten von Beschwerden dann dringend erforderlich.

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