Intrakranielle Aneurysmen

Aneurysmen sind Aussackungen an Blutgefässen und sie können unterschiedliche Formen und Grössen annehmen. Die meisten Aneurysmen der Arterien des Gehirns sind von sack- oder beerenförmiger Gestalt und ihre Grösse kann in Einzelfällen bis zu mehrere Zentimeter betragen. Die Ursache der Aneurysmabildung liegt in einer Strukturveränderung, d.h. einer Schwäche in der Arterienwand wobei vor allem Aufzweigungsgebiete des Gefässbaums betroffen sind. Unter dem Einfluss des Blutdrucks kommt es zur Erweiterung der betroffenen Stelle und zur Formierung eines Aneuysmas welches im Laufe der Zeit stetig an Grösse zunehmen kann. Aneurysmen können Jahre oder Jahrzehnte lang ohne Symptome bleiben solange sie nicht angrenzende Hirnstrukturen oder Hirnnerven irritieren, was zum Beispiel Sehstörungen verursachen kann, oder sie können im schlimmsten Falle einreissen bzw. platzen.

 

Ein Reissen eines Aneurysmas (Aneurysmaruptur) führt zu einer schweren und akut lebensbedrohlichen Blutung, wobei dies sowohl im völligen Ruhezustand als auch bei körperlicher Anstrengung geschehen kann. Die Symptome einer aneurysmatisch bedingten Blutung (Subarachnoidalblutung) reichen von plötzlich einsetzenden schweren Kopfschmerzen bis hin zu Lähmungen und Bewusstseinsverlust. In diesem Fall ist sehr rasches Handeln mit akuter Einlieferung in eine Spezialklinik notwendig um das Aneurysma zu diagnostizieren und zu verschließen. Der Verschluss erfolgt entweder durch eine neurochirurgische Operation mit einem Clip aus einer Titanlegierung (siehe Bild rechts) oder, falls die Grösse und Form des Aneurysmas das zulassen und keine raumfordernde Blutung vorliegt, neuroradiologisch durch „Coiling“. Dabei wird ein sehr feiner Draht durch einen Katheter in das Aneurysma geschoben und solange hineingerollt („to coil“) bis das Aneurysma nicht mehr von Blut durchspült und damit verschlossen ist. Unsere Abteilung ist für solch einen Notfall vorbereitet und ein erfahrenes Team von Neurochirurgien, Neuroradiologen, Neurologen und Intensivmedizinern steht rund um die Uhr bereit.

 

Nicht rupturierte Aneurysmen werden entweder diagnostiziert weil sie durch Reizung der umgebenden Strukturen Symptome wie Sehstörungen oder epileptische Anfälle verursachen oder weil sie zufällig z.B. im Rahmen einer Abklärung einer anderen Krankheit im MRI und CT festgestellt werden. In einigen Fällen wird ein MRI oder CT durchgeführt weil in der Familie eine bekannte Häufung von Aneurysmen oder Subarachnoidalblutungen vorliegt oder weil eine Grunderkrankung bekannt ist (z.B. polyzystische Nieren) die zur Ausbildung von Aneurysmen prädestiniert.

 

Bei allen nicht rupturierten Aneurysmen stellt sich die Frage ob eine Therapie zum Verschluss des Aneurysmas notwendig ist und wenn ja, welche Art der Therapie, d.h. Clipping oder Coiling, am Besten geeignet ist. Bei Aneurysmen welche durch ihre Grösse Symptome verursachen beseht in den meisten Fällen klar die Empfehlung diese zu verschließen. Bei rein zufällig entdeckten, asymptomatischen Aneurysmen hingegen ist es notwendig anhand der Grösse, Lage und Form des Aneurysmas eine Risikobeurteilung in Bezug auf ein mögliches Platzen zu erstellen. Dabei spielt auch das Alter des Patienten, Begleiterkrankungen sowie das individuelle Risikoprofil in Bezug auf einen Eingriff eine bedeutende Rolle.

 

Die Wahrscheinlichkeit eine Aneurysmaruptur ist und war Gegenstand vieler Studien und Untersuchungen. Die grössten Studien zum Verhalten nicht rupturierter Aneurysmen sind ISUIA (International Study of Unruptured Intracranial Aneurysms) und die in Japan durchgeführte UCAS (Unruptured Cerebral Aneurysm Study). Dabei wurden die Aneurysmen von mehreren tausend Patienten in Bezug auf ihre Lokalisation und Grösse kategorisiert und über Jahre beobachtet. Die Ergebnisse der ISUIA Studie sind in dem neben stehenden Rechner abrufbar indem die jeweilige Grösse und Lokalisation des Aneurysmas eingegeben wird. Dabei handelt es sich jedoch nur die Wahrscheinlichkeiten welche in dieser Studie ermittelt wurden. Im individuellen Einzelfall kann die Wahrscheinlichkeit einer aneurysmatischen Ruptur weit höher liegen und ist von einer Reihe von Faktoren wie z.B. der individuellen Form der Aneurysmas und begleitenden Risikofaktoren abhängig. Das Risiko einer Aneurysmaruptur kann daher ausschliesslich in einer individuellen Beratung analysiert und abgeschätzt werden und dies gilt insbesondere für Aneurysmen welche sich im Verlaufe mehrerer MRI oder CT Untersuchungen in Grösse oder Form verändern, beim Vorliegen mehrerer Aneurysmen oder bei begleitenden Faktoren und Krankheiten die den Verlauf eines Aneurysmas beeinflussen können.

 

Die Entscheidung ob ein Verschluss eines asymptomatischen Aneurysmas zum Ausschluss einer zukünftigen Blutung durchgeführt werden sollte ist von einer Vielzahl von Faktoren abhängig und muss individuell getroffen werden. Das Risiko einer Ruptur sollte dabei gegen das Risiko einer Behandlung abgewogen werden und selbstverständlich spielen neben der rein analytischen Risikobeurteilung auch sehr persönliche Betrachtungen und Erwägungen im Entscheidungsprozess eine wichtige Rolle.

 

Der Verschluss eines Aneurysma kann wie oben erwähnt durch eine mikroneurochirurgische Operation herbeigeführt werden in dem ein Clip über den Hals des Aneurysmas gelegt wird. Alternativ ist es in vielen Fällen möglich das Aneurysma von innen durch das Einlegen eines Coils (siehe oben) via eines Katheters, welcher über die Leistenarterie nach oben bis an das Aneurysma geschoben wird zu verschliessen.

 

Die Empfehlung welche der beiden Methoden geeigneter ist wird individuell bei jedem einzelnen Aneurysma interdisziplinär zwischen Neurochirurgen und Neuroradiologen festgelegt. Dabei werden vor allem die Lokalisation, Form und Grösse des Aneurysmas bewertet und auch eine Reihe begleitender Faktoren berücksichtigt. Sowohl zum mikrochirurgischen „Clipping“ als auch zum „Coiling“ stehen uns modernste Techniken zur Verfügung. Insbesondere bei der mikrochirurgischen Operation eines Aneurysmas wird eine 3D Simulation der exakten Aneurysmarchitektur durchgeführt um somit schon vor der Operation genau zu wissen wie das Aneurysma freigelegt und dann mit einen Clip endgültig verschlossen werden kann.

 

Während der Operation wird die Lage des Clips endoskopisch von mehreren Seiten kontrolliert und der gestoppte Blutfluss im Aneurysma sowie die fortwährende Durchgängigkeit der benachbarten Gefässe werden mit fluoreszierendem Kontrastmittel und Ultraschall sichergestellt.

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