Leserfragen

In Zusammenarbeit mit dem Magazin "wir eltern" beantworten Spezialisten von Hirslanden die Leserfragen rund um Schwangerschaft, Geburt, Baby und Stillen. Hier publizieren wir die gestellten Fragen.

 

Abonnenten des "wir eltern" Magazins erhalten diese Beratung gratis. Einfach eine Email mit dem Betreff "Beratung", Ihrer Abo-Nummer und Ihrer Adresse an redaktion@wireltern.ch

Probleme mit der inneren Narbe?

Wir haben drei Kinder – das jüngste ist anderthalb – die alle per Kaiserschnitt entbunden wurden. Bei ihm wurde beim Kaiserschnitt eine Uterusdehiszenz (Auseinanderweichen der verschiedenen Gewebeschichten) festgestellt. Da wir uns immer vier Kinder gewünscht haben, wurde uns empfohlen, die innere Kaiserschnittnarbe vor einer weiteren Schwangerschaft zu kontrollieren. Bei der Kontrolle zeigte sich leider, dass die Gebärmutternarbe zwar schön zusammengewachsen, allerdings noch sehr dünn ist, etwa 3,5 Millimeter. Kann das Probleme bei einer erneuten Schwangerschaft geben? Zudem habe ich mir die Brüste verkleinern lassen. Könnte ich trotzdem stillen? V.P.

 

Dr. med. Bruno Jürg Studer, Gynäkologe, Belegarzt der Klinik Hirslanden & Klinik Im Park Zürich

Eine vierte Schwangerschaft ist auch nach drei Kaiserschnitten möglich. Die Dicke der Sektionsnarbe ist kein Kriterium für eine Folgeschwangerschaft, auch nicht eine Uterusdehiszenz. Eine eigentliche Pflege der inneren Narbe oder ähnliches ist nicht möglich. In einer Folgeschwangerschaft gilt es, andere Vorsichtsmassnahmen zu treffen als das Messen der Uteruswanddicke, zum Beispiel Kontrolle der Lage und Funktion der Plazenta, frühzeitige und effiziente Wehenhemmung, Planung einer Resectio circa 14 Tage vor dem biologischen Termin. Einer weiteren Schwangerschaft steht somit nichts im Wege; allerdings sollte die von einem erfahrenen Geburtshelfer oder Geburtshelferin kontrolliert werden. Wegen des Stillens nach der Brustverkleinerungen müssten Sie den Operateur fragen. Nur er weiss, ob die Milchgänge bis zu den Warzen erhalten wurden oder nicht.

Blick in die Sterne

Mein ungeborenes Kind liegt in der „Sterngucker-Position“. Ist es trotzdem möglich, das Kind spontan und ohne Kaiserschnitt zu gebären? Was ist bei der Geburt der Unterschied zu einem Kind, das in der normalen Position zur Welt kommt? Muss ich mit Komplikationen rechnen?
A.W.

 

Dr. med. Reto Stoffel, Gynäkologe, Belegarzt der Hirslanden Klinik Im Park in Zürich

Der Begriff Sterngucker ist ein Modewort und hat keine medizinische Bedeutung. Unter der Geburt rotiert der Kopf des Kindes und stellt sich in der Regel so ein, dass der Hinterkopf gegen vorne und das Gesicht gegen das Kreuzbein gerichtet ist. Man spricht von einer „regelrechten Einstellung“ In fünf Prozent der Fälle ist dies nicht der Fall. Dabei kommt es bei normalen Beckenmassen zu einer normalen Geburt. Sie dauert wegen des erhöhten Widerstands aber länger und gelegentlich muss mittels Hilfe (Saugglocke oder Zange) unterstützt werden. Bei knappen Beckenverhältnissen kann es zu einem Geburtsstillstand kommen, der dann einen Kaiserschnitt nötig machen kann. Schaut das Gesicht des Kindes in der Schwangerschaft nach vorne – ist also ein Sterngucker – hat das keine krankhafte Bedeutung, da wie oben erwähnt dies erst unter der Geburt, beim Tiefertreten des Kopfes, den Geburtsablauf beeinflussen kann.


 

Die Angst vor dem Reissen

Ich bin im sechsten Monat schwanger. Jetzt habe ich von einer Bekannten gehört, dass ihr unter Geburt der Damm gerissen ist. Auch Dammschnitte sollen nicht unproblematisch sein. Nun habe ich etwas Angst. Kann ich vorbeugend etwas tun? C.D.

 

Sandra Schmid, Hebamme in der Hirslanden Klinik Stephanshorn:

Ja, Sie können während der letzten Wochen der Schwangerschaft vorsorglich etwas gegen einen Dammriss unternehmen. Etwa durch eine Dammmassage, Dehnungsübungen in der Hockstellung und Himbeerblätter- oder andere Geburtsvorbereitungstees trinken. Diese tragen zur Lockerung des Beckengewebes teil. Während der Geburt wird die Hebamme den Damm wärmen und massieren, um Verletzungen vorzubeugen. Sagen Sie doch bei der Aufnahme zur Geburt, dass Sie grossen Wert auf eine gute Dammvorbereitung während der Geburt legen. Ob Sie überhaupt verletzt werden und wie die Verletzung schlussendlich ausfällt hängt von verschiedenen Faktoren ab: etwa von der Elastizität des Gewebes und der Grösse des Kindes, der Geburtsgeschwindigkeit und davon, wie der Dammschutz durchgeführt wird. Heutzutage wird das Reissen des Dammes dem Dammschnitt vorgezogen. Es werden beim Reissen kleinere Verletzungen dokumentiert, die zudem häufig nur schwache Gewebestellen – selten die Muskulatur – betreffen und leichter verheilen als ein gezielter Schnitt. Ein Dammschnitt wird deshalb nur noch selten durchgeführt. Meist in Fällen, in denen ein rasches Handeln notwendig ist, um eine fetale Mangelversorgung zu verhindern. Ein Schnitt wir auch dann gemacht, wenn ansonsten ein grosser Dammriss befürchtet wird oder auch bei einer Zangen- oder Saugglockengeburt. Aber auch da wird nicht routinemässig geschnitten. Zu grosse Angst sollten Sie also nicht haben.
 

Schadet dem Baby frühere Magersucht?

Als Teenager war ich magersüchtig. Nun bin ich 25 Jahre alt und schwanger. Können sich die Jahre, in denen ich mich mangelernährt habe, ungünstig auf das Baby auswirken? Ich habe Angst, meinem Arzt von der Erkrankung zu erzählen. T.F.

 

Dr. med. Reto Stoffel, Gynäkologe, Belegarzt der Hirslanden Klinik Im Park in Zürich:

Ihre frühere Magersucht – oder auch Bulimie – ist für die bestehende Schwangerschaft ohne Nachteil für das Kind, wenn Sie sich ausgewogen ernähren und nicht an massivem Erbrechen leiden. Für Sie selbst ist die Vorgeschichte jedoch von Bedeutung, da anzunehmen ist, dass Ihre Knochensituation nach der Magersucht nicht optimal ist und die Schwangerschaft, als auch die Stillzeit, die Knochencalzifikation zusätzlich um 10 Prozent mindern. Es scheint mir aus diesem Grund sinnvoll, dass Sie Ihren betreuenden Arzt diesbezüglich informieren, damit der den Vitamin-D-Spiegel kontrolliert (was ich bei allen von mir betreuten Schwangeren routinemässig mache), da praktisch alle Schwangeren Vitamin-D-mangelversorgt sind. Das kann zur Folge haben, dass Sie sich in einem "osteoporotischen" Zustand befinden und dadurch Ihr Skelettsystem massiv belastet wird.

 

Flaches Köpfchen

Unser Sohn ist vier Monate alt und schläft, wie empfohlen, auf dem Rücken. Obwohl er im Wachzustand viel auf dem Bauch liegt und auch häufig herumgetragen wir, ist sein Hinterkopf deutlich abgeflacht. Das sieht nicht schön aus. Verwächst sich das wieder? F.L.

 

Dr.med. Katayun Hojat Wüthrich, Fachärztin für Kinder und Jugenmedizin im Hirslanden Praxiszentrum in Bern:

Seit wir die Rückenlage in der Nacht empfehlen, sehen wir weniger Fälle des plötzlichem Kindstod. Durch diese Lagerung kommt es zu Abflachung des Hinterkopfes, weil der Kopf ja über eine längere Zeit belastet wird. Auch wenn das Kind seinen Kopf bevorzug in eine Richtung dreht, entwickelt sich eine asymmetrische Abplattung, die dann auch die Gesichtsknochen verändern kann.

Sie können weiterhin am Tag (wenn unter Beobachtung) Ihren Sohn auf den Bauch legen, nicht nur wegen der Kopfform, sondern auch zum Trainieren der Muskulatur. Zusätzlich können Sie ihn in der Nacht auch abwechselnd auf die rechte oder linke Seite legen und ihn mit einem U-förmigen Stillkissen an der unteren Körperhälfte stützten. Versuch Sie ihn am Tag so hinzulegen, dass sein Interesse in verschieden Richtungen gelenkt wird. Die Vorbeugung beziehungsweise Behandlung führt in sehr vielen Fällen zu einer Normalisierung der Kopfform. Ist dies nicht der Fall, können Massnahmen wie Krankengymnastik, Craniosacraltherapie oder Osteopathie helfen. Bei sehr schweren Fällen werden spezielle Helme empfohlen.

 

Nacht für Nacht ein Schoppen

Mein Sohn ist mittlerweile 14 Monate alt und schläft noch immer nicht durch. Mindestens ein Mal pro Nacht verlangt der nach dem Schoppen. Mittlerweile sind wir alle erschöpft. Haben sie einen Tipp? D.A.

 

Pascale Albrecht, Dipl. Pflegefachfrau der Klinik Hirslanden:
Es ist wichtig sich zu fragen, warum das Kind aufwacht. Hat es wirklich Hunger? Wann isst oder trinkt es die letzte Mahlzeit? Trinkt es den Schoppen in einem Zug leer oder nuckelt es nur daran herum und schläft schnell wieder ein? Ein Kind mit 14 Monaten muss noch nicht zwingend durchschlafen. Falls das Kind jedoch wirklich hungrig ist, könnten Sie das Abendessen später geben, dann ist das Kind vor dem Schlafen besser gesättigt. Das könnte das nächtliche Aufwachen verhindern oder zumindest verzögern, und Sie selber könnten länger am Stück schlafen. Für Kinder sind auch Rituale wichtig. Sie mögen es, wenn der „zu Bett gehen“-Ablauf immer gleich ist. So wird es auf den Schlaf eingestimmt. Damit das Kind lernt, nach einem Aufwachen selbst einzuschlafen, empfiehlt es sich, dass Sie aus dem Zimmer gehen, bevor es schläft. Wenn es zu weinen beginnt, warten Sie ein paar Minuten und trösten danach das Kind, ohne es aus dem Bettchen zu nehmen. So lernt es sich selber zu beruhigen und weiss, dass Sie immer da sind. In der Umstellungsphase braucht es viel Geduld. Wechseln Sie sich nach der Möglichkeit mit dem Partner ab.

 

Die Brust ist riesig

Meine Tochter ist zwei Monate alt und offensichtlich habe ich zu viel Milch. Meine Brüste sind einfach riesig, haben unschöne Schwangerschaftsstreifen und wenn mein Kind „andockt“, kommt so viel Milch, dass es entweder angespritzt wird oder sich verschluckt. Was kann ich tun? V.L.

 

Sonia Pinto, Hebamme in der Hirslanden Klinik Stephanshorn:

Milchüberschuss ist normalerweise eine Übergangssituation. Mit etwa zwei Monaten haben Säuglinge einen Wachstumsschub und brauchen mehr Milch. Nach einer Weile wird daher besonders viel davon produziert. Die Milchmenge passt sich zwar dem Bedarf an, aber manchmal verläuft das nicht völlig synchron. Wichtig in dieser Phase ist es, nicht zusätzlich zu pumpen. Probieren Sie mal, nur einseitig zu stillen oder die Milch vor dem Anlegen auszustreichen. Das nimmt den ersten Druck. Nach dem Stillen helfen kalte Umschläge oder Quarkwickel. Sie können die Muttermilch auch mit natürlichen Mitteln etwas reduzieren. Etwa indem Sie 1-2 Tassen Salbei- oder Pfefferminztee trinken. Wichtig ist es, die Brust zu beobachten, damit keine Veränderungen eintreten, die zu einer Brustentzündung führen könnten. Schwangerschaftsstreifen bilden sich wegen der Überdehnung des Gewebes und gehen leider nicht mehr weg. Ein Trost: Sie bleiben nicht rot, sondern werden mit der Zeit weisslich und unauffälliger.  

Mutter werden - bis wann?

Ich bin 43 Jahre alt. Meine Mens kommt regelmässig. Eigentlich wünschen mein Mann und ich uns zu unseren beiden Kindern (13, 7) jetzt doch noch ein Kind. Ist es in meinem Alter wirklich „verantwortungslos“ – wie es eine Bekannte von mir nannte - noch zu versuchen, ein Kind zu bekommen? Wie sieht es aus mit den Risiken? G.F.

 

Prof. Dr. med. Christian Breymann, Gynäkologe, Belegarzt der Klinik Hirslanden & Klinik Im Park in Zürich:

Aufgrund der grossen Veränderung im Bereich der Fertilitätstherapie sind heute schwangere Frauen zwischen 40 und 45 Jahren keine Seltenheit mehr. Viele dieser Frauen über 40 wurden aufgrund „assistierter“ oder künstlicher Befruchtung schwanger, da die Chance, spontan und natürlich schwanger zu werden bei Frauen nach dem 40. Lebensjahr sehr klein ist. Das heisst aber nicht, dass Sie mit 43 Jahren nicht noch natürlich schwanger werden können. Schwangere in Ihrem Alter weisen ein höheres Risiko für genetische Veränderungen beim Kind auf: wie zum Beispiel Trisomie 21 (Downsyndrom) und andere. Daneben ist bekannt, dass es häufiger Schwangerschaftskomplikationen gibt, über die Sie Ihr Frauenarzt oder Ihre Frauenärztin informieren kann. Sofern bei Ihnen keine Erkrankungen bekannt sind, ist eine Schwangerschaft bei Ihnen durchaus mit entsprechender Betreuung durch einen erfahrenen Arzt oder eine Ärztin möglich. Ich empfehle Ihnen, sich in einem Zentrum zu informieren und die Vor- und Nachteile abzuwägen. Dann handeln Sie sicherlich nicht verantwortungslos, wenn Sie sich für eine erneute Schwangerschaft entscheiden. Die älteste Schwangere, die ich momentan betreue und die sich auf die Geburt ihres Kindes freut, ist übrigens 55 Jahre alt.  

Gefahr für den Busen?

Ich weiss, dass Stillen gesund fürs Baby sein soll. Aber ein klein wenig habe ich auch Angst um meinen Busen. Wird er wirklich – wie manchmal zu hören ist – durchs Stillen ruiniert? E.F.

 

Sonia Pinto, Hebamme in der Hirslanden Klinik Stephanshorn:

Die Brüste machen in der Schwangerschaft eine Veränderung durch. Die Milchdrüsen schwellen an und füllen sich mit Kolostrum. 3 bis 4 Tage nach der Geburt kommt der Milcheinschuss. Da werden die Brüste nochmals grösser und härter, die Haut wird gedehnt und all dies kann die Brust verändern. Jede Frau soll für sich entscheiden, ob das Stillen für sie richtig ist. Stillen soll ein schönes Erlebnis sein – für Frau und Kind.

 

Schwanger mit niedrigem Blutdruck

Ich hatte schon immer einen niedrigen Blutdruck und seit ich schwanger bin, ist es nochmals deutlich gesunken. Daher wird mir oft schwindelig. Zum Beispiel wenn ich vom Sitzen aufstehe. Meine Frauenärztin hat mir zu hohem Salzkonsum und Stützstrümpfen geraten. Aber ist viel Salz wirklich unbedenklich für das Ungeborene? Was könnte mir ausserdem helfen? L.F.

 

Dania Kämpfer, Hebamme in der Hirslanden Klinik Aarau:

Ein erhöhter Salzkonsum ist unbedenklich für Ungeborene. Salzhaltigeres Mineralwasser zu trinken, wäre eine Möglichkeit. Generell würde ich Ihnen zu einem Besuch bei einer Hebamme raten. Oft verhelfen schon einige kleine Veränderungen in der Ernährung zu besserem Wohlbefinden. Hilfreich bei niedrigem Blutdruck (Hypotonie) sind neben Stützstrümpfen: Gymnastik oder Schwimmen, um den Kreislauf anzuregen. Auch Wechselbäder und Kneippen tun gut. Kreisen oder bewegen Sie generell erst mal die Füsse,bevor Sie langsam (!) aufstehen. Morgens zwei Tassen Grüntee können auch nützlich sein.

Nach dem Schnitt

Ich hatte einen Kaiserschnitt. Darf ich dennoch zum Rückbildungsturnen? Und: ab wann? G.F

 

Prof. Dr. med. Christian Breymann, Gynäkologe, Belegarzt der Klinik Hirslanden & Klinik Im Park in Zürich:

Die primäre Wundheilung nach einem normalen Kaiserschnitt dauert 6 bis 8 Wochen. So lange braucht es, bis die Bauchschichten verheilt sind. Danach kann mit lockeren Übungen begonnen werden und auch mit der Rückbildungsgymnastik. Die Bauchmuskulatur sollte dabei allerdings nicht belastet werden. Ebenfalls möglich sind: Fahrradfahren, Walking, Schwimmen oder Aquagym. Übungen mit Belastung der Bauchdecke und –muskulatur sind je nach Heilungsverlauf wieder nach 6 Monaten möglich. In jedem Fall ist es von Vorteil, vor Beginn der Übungen mit dem Arzt oder einer betreuenden Hebamme Rücksprache zu halten, insbesondere wenn es Probleme nach dem Kaiserschnitt gab wie etwa Wundheilungsstörungen oder Infektionen.

Wehen durch Untersuchung?

Ich habe gehört, dass bei Frauen, die nahe am errechneten Geburtstermin sind, eine vaginale Untersuchung Wehen und die Geburt auslösen können. Stimmt das? D.D.

 

Prof. Dr. med. Christian Breymann, Gynäkologe, Belegarzt der Klinik Hirslanden & Klinik Im Park in Zürich:

Eine vorsichtige vaginale Untersuchung löst im Allgemeinen keine Wehen aus. Es kann zwar zu einer Reizung des Gebärmutterhalses kommen mit darauf folgendem Zusammenziehen der Gebärmutter. Aber das ist vorübergehend. Eigentliche Wehen werden nicht ausgelöst. Es sei denn, der Arzt oder die Hebamme "massiert" den Muttermund und löst dabei den sogenannten Schleimpfropf. Dies kann etwas verzögert Wehen auslösen, die aber genauso gut wieder nachlassen können und nicht zur Geburt führen müssen. Generell ist also die vaginale Untersuchung am Termin oder bei Überschreitung möglich. Allerdings sollte die Fruchtblase nicht geplatz sein, da es sosnt zu bakterieller Kontamination durch die Untersuchung kommen kann.

 

Schmerzhaftes Stillen

Ich bin im 8. Monat schwanger und würden später gerne stillen. Jetzt hat mir eine Freundin gesagt, dass bei ihr das Stillen grosse Schmerzen versursacht habe. Woran liegt das? Und - kann man vorbeugen? K.I.

 

Sonia Pinto, Hebamme in der Hirslanden Klinik Stephanshorn:

Nicht jede Frau hat Schmerzen beim Stillen. Wenn sie auftreten, ist meist die Brustwarze die Ursache für die Schmerzen. Babys haben einen starken Saugreflex, die empfindliche Brustwarze ist aber das Saugen nicht gewohnt. Dadurch kann es zu Reizungen kommen und in schlimmen Fällen zu Rissen, sogenannten Rhagaden. Meistens verschwinden die Schmerzen nach dem ersten Monat wieder, mit einer Salbe, wie etwa PureLan 100, kann man ein wenig vorbeugen. Sollte es bei Ihnen zu Stillkomplikationen kommen, hilft Ihnen Ihre Hebamme oder das Spital in dem Sie gebären gerne weiter.

Schwer schwanger

Ich bin im 8.Monat schwanger und habe 17 Kilo zugenommen, obwohl ich eigentlich nicht viel mehr als vor der Schwangerschaft gegessen habe. In meinem Geburtsvorbereitungskurs sagt die Hebamme: „Wer so viel zunimmt, braucht nachher nicht zu jammern, wenn er Übergewicht behält“. Ich habe mich sehr geärgert. Hat die Frau Recht? Wie viel „darf“ oder „muss“ man zunehmen? F.F.

 

Dr. med. Jörg Obwegeser, Facharzt für Gynäkologie und Geburtshilfe, Belegarzt an der Klinik Hirslanden:

Die Gewichtszunahme in der Schwangerschaft ist etwas sehr Individuelles und hängt nicht zuletzt auch vom Gewicht vor der Schwangerschaft ab. Generell kann man sagen: Je leichter die Frau vor der Schwangerschaft ist, desto mehr nimmt sie zu und umgekehrt. Bei einem BMI vor der Schwangerschaft, der unter 18 liegt, ist die die Gesamtzunahme ca. 13 bis 18 Kilogramm bis Ende der Schwangerschaft vollkommen normal. Bei einem BMI zwischen 18 und 25 beträgt die Zunahme häufig 11 bis 16 Kilo. Und bei Frauen, die über diesem BMI liegen, beträgt die Gewichtszunahme durchschnittlich 7 bis 12 Kilogramm.

 

Nimmt eine Frau mehr als 20 Kilogramm zu, handelt es sich mist um Wassereinlagerungen im Gewebe, die die Frau selber nicht beeinflussen kann. Bei zu starker Wassereinlagerung sollte man aufmerksam werden und nach Anzeichen einer evt. Schwangerschaftsvergiftung suchen.

 

Auf alle Fälle sollten in der SS nie Diäten gemacht werden, nur um das Gewicht zu reduzieren. Allenfalls salzarm würzen. Wie schnell die Jungmutter wieder ihr Ausgangsgewicht erreicht, hängt ebenfalls von verschiedenen Faktoren ab: Stillen, Berufstätigkeit und körperliche Aktivität. Generell ist es aber richtig, dass es umso länger geht, bis man sein Ausgangsgewicht zurück hat, je ehr man zugenomemn hat.

 

 

Schwangerschaftsübelkeit: Wenn Blumen plötzlich stinken

Ich bin in der 9. Woche schwanger und mir ist ständig furchtbar übel. Vor allem bei Grüchen, die ich vorher sehr mochte, hebt sich mein Magen. Etwa beim Geruch von frischem Brot, Blumen oder Rasierwasser. Woaran liegt das nur und was kann ich dagegen machen? C.U.

 

Daniela Kämpfer, Hebamme in der Hirslanden Klinik Aarau:

Warum schwanger so stark unter Übelkeit leidern, ist leider nach wie vor nicht klar. Mit grosser Wahrscheinlichkeit hat der hoehe Wert des Schwangerschaftshomons HCG damit zu tun. Die gute Nachricht ist, dass diese Überlkeit normalerweise nach der 12. Schwangerschaftswoche nachlässt.

 

Da die Überlkeit auch durch Geürche versursacht wird, schaffen nicht bei jeder Schwangeren die gleichen Mittel Abhilfe. Probieren Sie es aber doch beispielsweise mal mit Ingwer- oder Pfefferminztee. Oder zerkauen Sie Mandelkerne langsam, aber gründlich. Verschlimmert sich die Übelkeit oder hält sie an, sollten Sie aber den Gynäkologen kontaktieren. Es gibt bestimmt Medikamente, die während der Schwangerschaft genommen werden dürfen. Manche Schwangere haben Erfolg mit Mitteln aus der Homöopathie oder der Traditionellen Chinesischen Medizin.

Einmal übertragen, immer übertragen?

Mein erstes Kind ist mit zwölf Tagen Verspätung auf die Welt gekommen. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass mein zweites Kind ebenfalls verspätet kommt? F.K.

 

Prof. Dr. med. Christian Breymann, Gynäkologe, Belegarzt der Klinik Hirslanden & Klinik Im Park in Zürich:

Unter Übertragung versteht man die Verlängerung der Schwangerschaftsdauer um mehr als 14 Tage über den errechneten Geburtstermin. Der errechnete Termin ist der 266te Tag nach der Befruchtung beziehungsweise 280 Tage nach dem ersten Tag der letzten Menstruationsblutung. Ungenauigkeiten kommen allerdings häufig vor. Man geht davon aus, dass rund 5 Prozent der Schwangerschaften echte Übertragungen sind. Die genaueste Festlegung des Geburtstermins erfolgt durch Ultraschall in der Frühschwangerschaft. Warum es zu verlängerten Schwangerschaften kommt und weshalb manche Frauen dazu neigen, ist bislang noch Einmal übertragen, immer übertragen? nicht endgültig geklärt. Diskutiert werden genetische Faktoren, hormonelle Gründe und Ursachen, die damit zu tun haben, wie Botenstoffe seitens des Fötus mit der Plazenta interagieren und so Wehen auslösen oder eben nicht auslösen.

 

Zu Ihrer Frage: Ja, Frauen, die schon einmal übertragen haben, haben eine um 30 bis 50 Prozent erhöhte Wahrscheinlichkeit, dass sich die Übertragung in der zweiten Schwangerschaft wiederholt. Es gibt bislang allerdings keine Möglichkeiten, dem vorzubeugen. In Schweizer Kliniken ist Standard, dass die Geburt 10 Tage nach dem errechneten Termin eingeleitet werden sollte, damit es nicht zu einer Abnahme der Plazentafunktion kommt.

Rückbildungsturnen: Ab wann tuts gut?

Überall wird Rückbildungsgymnastik empfohlen. Jedoch frühestens sechs Wochen nach der Geburt. Kann man auch schon direkt nach der Entbindung etwas tun? V.F.

 

Miriam Hurni, Pflegefachfrau in der Klinik Hirslanden, Zürich:

Es ist korrekt, dass man mit der Rückbildungsgymnastik, bei der alle drei Schichten der Beckenbodenmuskulatur und der gesamten Bauchmuskulatur beansprucht werden, erst sechs Wochen nach der Geburt beginnen sollte. Ansonsten könnte es zu einer weiteren Überdehnung der Muskeln führen, was kontraproduktiv wäre. Die von der Geburt überdehnte Bauch- und Beckenbodenmuskulatur kann jedoch schon im Frühwochenbett anhand von Atemtechniken und schonenden Übungen unterstützt werden. Die Physiotherapeuten und -therapeutinnen des Spitals haben sicherlich Tipps und Übungen parat. Diese können von Übungen der Körperhaltung, über die Art schonend aus dem Bett zu steigen, bis hin zu leichtem Anspannen der Scheide- und Harnröhrenmuskeln gehen. Im Fokus steht in den ersten Tagen die schonende Aktivierung von Körper und Kreislauf, um den Wochenfluuss anzuregen und Thrombosen vorzubeugen. Auch soll falschen Bewegungsmustern, welche die Muskulatur eher strapaziert, vorgebeugt werden. Die eigentliche Rückbildungsgymnastik beginnt dann nach sechs Wochen.

Sonnencreme fürs Baby?

Wir sind unsicher: Soll man eigentlich Babys mit Sonnencreme einreiben? Wir achten zwar immer darauf, dass wir beim Spazieren gehen immer ein helles Tuch dabei haben, das wir über den Kinderwagen hängen können, wenn die Sonne scheint. Aber manchmal erwischt der Kleine halt im Tragetuch oder beim outdoor-Stillen doch einen Sonnenstrahl. Ich habe gelesen, dass bereits nach fünf Minuten ein Sonnenbrand eintreten kann und jeder Sonnenbrand das Hautkrebsrisiko steigert. Sollen wir also zu jeder Tageszeit Sonnencreme auftragen? Wenn ja, welche ist empfehlenswert. Allerdings habe ich auch gehört, dass man Babys unter 1 Jahr nicht eincremen soll. R.U.

 

Dr. med. Daniela Kleeman, Dermatologin:

Grundsätzlich soll man mit ganz kleinen Kindern unter 12 Monaten nie voll an die Sonne, und das am wenigsten zwischen 11 und 16 Uhr. Geht man aber mal in die Badi oder den Garten und liegt im Schatten, ist das sicher kein Problem. An sehr heissen Tagen würde ich aber dennoch Sonnenschutz anwenden. Cremes mit physikalischem beziehungsweise mineralischem Filter, dringen nicht in die Haut ein. Sie lösen deshalb sehr viel seltener Allergien aus und werden daher gern bei sensibler Kinderhaut verwendet. In der Regel geht deren Schutz nur bis Faktor 30. Auch ziehen diese Cremes kaum ein und färben die Haut umso stärker weiss, je höher der Lichtschutzfaktor ist. Will man einen besonders hohen Schutzfaktor, was sicher bei starker Sonneneinstrahlung und am Meer zu empfehlen ist, muss man kombinierte Cremes anwenden, die neben dem physikalischen Filter auch einen chemischen Lichtschutzfilter haben. Aber – jeder Sonnenbrand ist sicher schlimmer, als die Anwendung einer Sonnencreme.