Geburtstermin

Niemand kann einer Schwangeren exakt sagen, wann ihr Baby auf die Welt kommt. Die wenigsten Kinder halten sich an den errechneten Geburtstermin.

 

Die Unklarheit beginnt schon bei der Schwangerschaftslänge: Im Volksmund dauert eine Schwangerschaft neun Monate. Ärzte und Hebammen machen daraus vierzig Wochen. Grosse Rechenkünste braucht es nicht, um zu merken, dass die Zahlen nicht übereinstimmen. Doch woher kommt der Unterschied?

 

Die Schwangerschaftsexperten stützen sich bei ihren Berechnungen auf den ersten Tag der letzten Periode. Rein rechnerisch beginnt die Schwangerschaft damit bereits vor der Befruchtung, die erst um den Eisprung rund zwei Wochen später stattfindet.

 

Auch zur Ermittlung des Geburtstermins müssen Ärzte und Hebammen wissen, welches der erste Tag der letzten Menstruation war. Ausgehend von diesem Datum wenden sie bis heute die Naegelesche Formel an, die im 19. Jahrhundert vom deutschen Gynäkologen Franz Naegele entwickelt wurde. Setzte die Periode beispielsweise am 1. Oktober 2007 ein, zählen die Fachleute sieben Tage und ein Jahr dazu und kommen auf den 8. Oktober 2008. Von diesem Datum ziehen sie drei Monate ab und landen auf dem 8. Juli 2008, dem ungefähren Geburtstermin.

 

Allerdings taugt diese Formel nur für Frauen mit einem regelmässigen Zyklus von vier Wochen. Ist dieser länger oder kürzer, wird die entsprechende Anzahl Tage dazugezählt respektive abgezogen. Fast unmöglich ist diese Rechnung bei Frauen mit einem unregelmässigen Zyklus. Dank Ultraschall ist es heute möglich, ihnen ebenfalls einen Geburtstermin zu nennen. In den ersten Wochen lässt sich das Alter eines Embryos nämlich fast auf den Tag genau bestimmen.

 

Frauen, die ihren Geburtstermin mit der Naegeleschen Formel ausgerechnet haben, sind vor Überraschungen nicht gefeit. Nicht selten nennt der Arzt nach der ersten Ultraschalluntersuchung einen ganz anderen Tag. "Termine, die mit der Naegeleschen Formel berechnet wurden, sind oft zu früh angesetzt, weil der Eisprung häufig nicht zwischen dem 12. und 14. Tag nach der letzten Periode stattfindet, sondern erst am 17. Tag", erklärt Gynäkologin Dr. Gundula Hebisch, leitende Ärztin am Spital Wetzikon.

 

Wie auch immer der voraussichtliche Geburtstermin ermittelt wurde, wirklich darauf verlassen kann man sich selten. Statistisch halten sich gerade mal 4 von 100 Kindern exakt an das errechnete Datum. Weitere 26 % entscheiden sich zumindest, in der Woche, in der ihr Geburtstermin liegt, auf die Welt zu kommen.

 

Setzen die Wehen zwei bis drei  Wochen früher ein, ist das aus medizinischer Sicht kein Problem; die Geburt gilt als termingerecht. Auch die Frauen bekunden damit kaum Schwierigkeiten. Im Gegenteil: Die meisten sind erleichtert, wenn die letzte Zeit mit dem dicken Bauch und den diversen Beschwerden in der Spätschwangerschaft früher zu Ende geht als erwartet.

 

Genau umgekehrt geht es den meisten Schwangeren, die den errechneten Geburtstermin bereits überschritten haben. Aus ärztlicher Sicht ist das selten ein Problem. Solange es Mutter und Kind gut geht und das Kleine von der Plazenta mit genügend Nährstoffen versorgt wird, gibt es keinen Grund, die Geburt einzuleiten. Dennoch fällt es vielen mit jedem Tag schwerer, Ruhe zu bewahren. Fast unerträglich wird das Warten auf die Wehen, wenn ungeduldige Verwandte und Freunde sich täglich nach dem Stand der Dinge erkundigen.

 

Erfahrene Eltern raten werdenden Müttern und Vätern deshalb, den errechneten Geburtstermin für sich zu behalten - oder zu flunkern. Ganz unrecht haben sie nicht,wenn sie den vom Arzt mitgeteilten Termin um ein bis zwei Wochen nach hinten verschieben. In Frankreich gehen selbst Ärzte und Hebammen von 41 Schwangerschaftswochen aus.

 

Von einer wirklichen Übertragung spricht man hierzulande erst 10 bis 14 Tage nach dem errechneten Termin. So lange lassen sich allerdings die wenigsten Kinder Zeit. Die grosse Mehrheit liegt nach spätestens 41 Schwangerschaftswochen gesund und munter in den Armen der Mutter.

 

Text: Käther Bänziger
Redaktioneller Beitrag von wir eltern, Ausgabe November, Nr. 11/07

 

Es geht auch einfacher: Benutzen Sie unseren Geburtsterminrechner

 

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