Dieses FAQ bietet Argumente und Erklärungen rund um die Aufteilung der ärztlichen Leistung (AL)

Argumentation – Restliche Kostenkomponenten (OAAT / REKOLE) 

Warum ist der Anteil der restlichen Kostenkomponenten so hoch?

Unter den «restlichen Kosten» werden sämtliche nichtärztlichen Leistungen zusammengefasst also Pflege, Assistenz, Technik, Materialbewirtschaftung, Infrastruktur, Sterilisation, Reinigung, Energie, IT, Logistik, Administration und Overhead (inkl. Vorhalteleistungen).

Diese Bereiche sind für den Betrieb eines Spitals dauerhaft notwendig und laufen parallel zu den ärztlichen Tätigkeiten, unabhängig vom einzelnen Operateur.

Ein hoher Anteil dieser Kosten ist kein Zeichen von Ineffizienz, sondern Ausdruck der tatsächlichen Spitalstruktur. Ziel ist Kostentransparenz, nicht Profitmaximierung.

Warum ist der Anteil bei ambulanten Eingriffen oft höher als im stationären Bereich?

Im ambulanten Bereich fallen dieselben Fixkosten an wie stationär: etwa für Operationssaal, Geräte und Personal. Da der Aufenthalt jedoch kürzer ist, verteilen sich diese Fixkosten auf eine geringere Leistungsdauer. Dadurch steigt der prozentuale Anteil der restlichen Kosten automatisch.

Wie kann es sein, dass die restlichen Kosten höher sind als die ärztlichen?

Der Arzt ist zwar pro Stunde hoch qualifiziert und entsprechend teuer, aber letztlich handelt es sich um eine einzelne Person. Die restlichen Kosten decken dagegen das gesamte System ab, das die ärztliche Leistung erst ermöglicht, von Pflege und Technik bis zu IT, Infrastruktur und Logistik. Diese Systemkosten laufen parallel und dauerhaft mit.

Wie war das Verhältnis ärztlich vs. technisch im TARMED?

Im Durchschnitt lag das Verhältnis bei:

  • Ärztliche Leistung (AL): ca. 30–35 %
  • Technische Leistung (TL): ca. 65–70 %

Unterschiedliche AL-Anteile bei komplexen Eingriffen

AL bemisst sich nach dem relativen ärztlichen Aufwand, nicht nach der Komplexität

Die ärztliche Leistung (AL) ist kein Mass für die Schwierigkeit eines Eingriffs, sondern spiegelt den Anteil des ärztlichen Aufwands an den gesamten Kosten wider.

Je technischer oder apparativ aufwändiger ein Eingriff ist, desto stärker steigen die übrigen Kosten, beispielsweise für Material, Geräte, Pflege oder Infrastruktur. Dadurch sinkt der relative Anteil der ärztlichen Kosten automatisch.

Kontinuierliche Eigenleistung erhöht den AL-Anteil

Bei weniger komplexen, aber vollständig manuell geführten Eingriffen etwa einer Spontangeburt mit Naht oder einer manuellen Plazentalösung ist der Arzt während der gesamten Dauer aktiv, ohne technische Hilfsmittel oder Assistenz. Das führt zu einem höheren ärztlichen Kostenanteil, auch wenn der Eingriff selbst einfacher erscheint.

AL-Anteil bedeutet nicht automatisch höhere Honorierung

Der AL-Anteil im OAAT zeigt den Kostenanteil, nicht den direkten Honoraranteil. Ein tieferer AL-Prozentsatz kann dennoch zu einem höheren absoluten Betrag führen, wenn die Gesamtkosten des Eingriffs höher sind. Entscheidend ist also der absolute Wert, nicht der Prozentanteil.

Zusammenfassung

Die AL bildet nicht die Schwierigkeit eines Eingriffs ab, sondern den Anteil der ärztlichen Tätigkeit im Verhältnis zur Gesamtleistung. (Gesamt TP-Zahl sollte jedoch bei komplexen Eingriffen höher sein → Einteilung erfolgt durch OAAT).
Komplexe Eingriffe verursachen häufig hohe technische und pflegerische Kosten, wodurch der ärztliche Anteil relativ kleiner erscheint, obwohl die medizinische Leistung unverändert anspruchsvoll bleibt.