Bauchspeicheldrüsenkrebs: Verbesserte Prognose dank neuer therapeutischer Konzepte

Patientenzeitschrift "Mittelpunkt"

Der Bauchspeicheldrüsenkrebs ist ein aggressiver Tumor mit bislang schlechter Prognose. Neue Studien zeigen, dass die Kombination von Chemotherapie und Operation bei ausgewählten Patienten gute Ergebnisse liefert. Am Tumorzentrum Hirslanden Zürich fliessen die Kompetenzen verschiedener Spezialisten interdisziplinär in die Etablierung eines individuellen Therapieplans nach den modernsten Kriterien ein.

Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) ist ein Organ im Oberbauch, das hinter dem Magen liegt. Es ist circa 16 bis 20 cm lang und 3 bis 4 cm breit. Das Pankreas ist für die Produktion der Verdauungsenzyme verantwortlich und gibt diese in den Zwölffingerdarm ab. Zudem produziert es Insulin und ist somit für die Regulation des Zuckerstoffwechsels im Körper von entscheidender Bedeutung.

Der Bauchspeicheldrüsenkrebs (Pankreaskrebs) ist ein aggressiver Tumor mit einer leider oft schlechten Prognose. Er ist einer der Tumore, die in den letzten Jahrzehnten an Häufigkeit zugenommen haben. Die anfänglichen Symptome sind oft unspezifisch und beinhalten Beschwerden wie diffuse Oberbauchschmerzen, Gewichtsverlust, Druckgefühl oder Unwohlsein. Liegt der Tumor im Kopf der Bauchspeicheldrüse, kann es zu einer Abflussbehinderung der Galle kommen, was typischerweise zu einer Gelbverfärbung der Haut des Patienten führt. Bei vielen Patienten wird der Tumor aufgrund der unspezifischen Beschwerden jedoch erst spät erkannt und ist zum Zeitpunkt der Diagnose häufig in einem fortgeschrittenen Stadium.

Anerkannte Risikofaktoren für die Entwicklung des Bauchspeicheldrüsenkrebses sind Rauchen und übermässiger Alkoholkonsum. Gewisse zystische Veränderungen in der Bauchspeicheldrüse können sich zudem über die Jahre zu Tumoren entwickeln.

Diagnostik

Bei Vorliegen der obengenannten Symptome wird im Vorfeld häufig ein Ultraschall oder eine Magenspiegelung durchgeführt. Liegt ein klarer Verdacht auf einen Bauchspeicheldrüsenkrebs vor, folgt in der Regel ein Computertomogramm mit Kontrastmittel oder eine Magnetresonanz- Untersuchung (MRI). Zudem werden Tumormarker im Blut bestimmt.

Die Befunde werden anschliessend am interdisziplinären Tumorboard von Spezialisten verschiedener Fachgebiete beurteilt. Dazu gehören Gastroenterologen, Onkologen, Radio-Onkologen, Radiologen, Pathologen und Chirurgen. Auf der Grundlage ihrer Beurteilung schlagen sie sodann ein therapeutisches Konzept vor. Massgebend sind dafür die Lage des Tumors, dessen Ausdehnung und der Bezug zu den umliegenden Gefässen, aber auch der Gesamtzustand des Patienten und Begleiterkrankungen. Am zertifizierten Tumorzentrum Hirslanden Zürich erfolgt die interdisziplinäre Behandlung von Pankreaskrebs nach modernsten Kriterien.

Therapeutische Optionen und Fortschritte in der Behandlung

Die operative Entfernung des Tumors lieferte bis anhin die besten Resultate. Oft bestehen zum Zeitpunkt der Diagnose aber bereits Ableger oder der Tumor ist lokal so fortgeschritten, dass er nicht operiert werden kann. In dieser Situation wird in der Regel eine Chemotherapie durchgeführt, manchmal auch eine Bestrahlung, um das Wachstum des Tumors zu bremsen. Damit lassen sich eine Verlängerung der Überlebenszeit und eine Verbesserung der Lebensqualität erreichen.

Nicht jeder Bauchspeicheldrüsenkrebs ist allerdings gleich aggressiv, und es gibt Unterschiede im Verhalten der einzelnen Tumore. Vor diesem Hintergrund konnten in den letzten Jahren erfreulicherweise einige Fortschritte bei der Behandlung des Pankreaskrebses erzielt werden.

Neuere Studien konnten zeigen, dass bei operierten Patienten, die anschliessend eine sogenannte Kombinations-Chemotherapie erhielten, die Prognose deutlich besser ausfiel. Mit dieser Strategie konnte bei ausgewählten Patienten eine 3-Jahres-Überlebensrate von über 60 Prozent erreicht werden. Dies ist ein Meilenstein in der Behandlung des Bauchspeicheldrüsenkrebses.

 

Nicht jeder Bauchspeicheldrüsenkrebs ist gleich aggressiv, und es gibt Unterschiede im Verhalten der einzelnen Tumore. Vor diesem Hintergrund konnten in den letzten Jahren erfreulicherweise einige Fortschritte bei der Behandlung des Pankreaskrebses erzielt werden.

Bei lokal fortgeschrittenen Tumoren gibt es zudem mehr und mehr Daten, die für eine Vorbehandlung der Tumore mittels Chemotherapie sprechen. Das heisst, dass die Patienten zuerst eine Chemotherapie bekommen und anschliessend, wenn möglich, die operative Entfernung des Tumors durchgeführt wird. Viele Gründe sprechen für dieses Vorgehen. Einerseits kann man Patienten, die an einem aggressiven Tumor leiden und unter der Chemotherapie kein Ansprechen zeigen, eine Operation und potentielle Komplikationen ersparen. Andererseits können zunächst nicht operable Patienten bei gutem Ansprechen auf die Chemotherapie in eine operable Situation gebracht werden. Mit dieser Strategie lassen sich also zum einen unnötige Operationen vermeiden. Zum anderen ermöglicht sie die Operation bei Patienten mit zwar fortgeschrittenen, aber weniger aggressiven Tumoren. In beiden Fällen kann der Patient vom Vorgehen profitieren.

Abbildung Bauchspeicheldruese vor der Operation
Abb. 1
Situation vor der Operation. Die farblich aufgehellten Organe und Organteile werden operativ entfernt (Resektion).
1 - Bauchspeicheldrüse (Pankreas)
2 - Tumor im Kopf des Pankreas
3 - Zwölffingerdarm
4 - Gallenblase
5 - Gallengang
6 - Leber
7 - Magen
8 - Milz
9 - Dünndarm
Abbildung Bauchspeicheldruese nach der Operation
Abb. 2
Situation nach der Operation. Nach der operativen Entfernung des Kopfes der Bauchspeicheldrüse, des Zwölffingerdarms und der Gallenblase samt Teilen der Gallenwege erfolgt die Rekonstruktion: DerDünndarm wird mit dem verbleibenden Anteil der Bauchspeicheldrüse vernäht (A). Der Stumpf des Gallengangs wird mit dem Dünndarm verbunden (B). Um wieder eine durchgehende Magen-Darm-Passage herzustellen, wird der Magen an das ablaufende Stück des Dünndarms genäht (C). Der Eingriff heisst Whipple-Operation.

Fortschritte in der Chirurgie

Die Chirurgie hat sich in den letzten Jahren stark weiterentwickelt, und auch die Behandlung im Spital vor und nach der Operation hat grosse Fortschritte gemacht. Die operative Entfernung des Bauchspeicheldrüsenkrebses ist dadurch viel sicherer geworden. Die Operation dauert je nach Tumorlage drei bis fünf Stunden, und der Patient ist für 12 bis 14 Tage im Spital. Die perioperative Sterberate, d.h. das Versterben innerhalb von 30 Tagen nach der Operation, liegt derzeit in spezialisierten Zentren bei 2 bis 5 Prozent. Ebenfalls deutlich gesunken ist die Rate der schweren Komplikationen. Insgesamt bleibt die Entfernung eines Bauchspeicheldrüsenkrebses aber weiterhin eine anspruchsvolle Operation.

Die minimalinvasive Chirurgie mittels Schlüssellochtechnik oder sogar mit dem Roboter hat sich insbesondere bei den Tumoren im Schwanz der Bauchspeicheldrüse etabliert. Beim klassischen Bauchspeicheldrüsenkrebs, der im Kopf der Drüse liegt, hat sich diese Technik noch nicht standardmässig durchgesetzt. Doch welche Technik auch immer zum Einsatz kommt: Entscheidend für den Patienten sind die radikale Entfernung des Tumors unter Schonung der Begleitstrukturen und die sichere Anlage der Verbindungen zu den einzelnen Organen (vgl. Abb. 1 und 2).

Glossar

Pankreas: Die Bauchspeicheldrüse liegt hinter dem Magen und ist 16 bis 20 cm lang

Tumormarker: Substanzen im Blut, die das Vorhandensein und evtl. auch das Stadium oder die Bösartigkeit eines Tumors anzeigen

Kombinations-Chemotherapie: Kombination von verschiedenen Medikamenten der Chemotherapie