Fachübergreifende Behandlung von Brustkrebs unter Fallführung des eigenen Frauenarztes

Patientenzeitschrift "Mittelpunkt"

Das Brustzentrum Im Park ist ein interdisziplinäres Netzwerk von Spezialisten für Brustkrebs. Dazu gehören Gynäkologen (Operateure), Onkologen, Radiologen, Strahlentherapeuten, Pathologen und plastische Chirurgen. Das Zentrum deckt damit das ganze Spektrum an diagnostischen und therapeutischen Verfahren ab. Die enge und eingespielte Zusammenarbeit der Fachärzte stellt sicher, dass jede Patientin rasch abgeklärt wird und die nach aktuellem Wissensstand bestmögliche Behandlung erhält. Eine Besonderheit des Brustzentrums Im Park besteht darin, dass sich die Patientinnen über den gesamten Behandlungsprozess hinweg von ihrem eigenen Frauenarzt betreuen lassen können. Was das konkret bedeutet, illustriert das folgende Fallbeispiel.

Tag 1, 7:10 Uhr

Tag 1, 7:10 Uhr

Wie jeden Morgen steht die 49-jährige Erika P. nach dem Aufstehen im Bad und mustert ihren entblössten Oberkörper im Spiegel. Doch heute kommt ihr etwas seltsam vor: Die Haut ihrer rechten Brust ist verändert, leicht rotbraun verfärbt und etwas geschwollen. Erika P. bekommt Angst. Sie weiss, dass ihr Gynäkologe Dr. Armin V. auch Brustkrankheiten behandelt. Er hat ihre Brust zuletzt vor acht Monaten abgetastet. Damals war alles in Ordnung. Sie hat grosses Vertrauen zu ihm und wendet sich umgehend an seine Praxis. Die Sprechstundenhilfe gibt Erika P. noch am selben Tag einen Untersuchungstermin.

Mit schweizweit rund 5 700 Neuerkrankungen pro Jahr ist Brustkrebs die am häufigsten festgestellte Krebserkrankung der Frau.

Tag 1, 10:20 Uhr

Tag 1, 10:20 Uhr, Praxis Dr. V.

Während Erika P. von Dr. V. untersucht wird, sieht sie seinem besorgten Blick an, was er denkt. Auf ihre Nachfrage hin bestätigt er, dass er die Befürchtung teile, ihre Brust sei erkrankt. Aus diesem Grund werde er nun einen Ultraschall der Brust durchführen. Da sich die verdächtige Veränderung auf der Haut befindet, entnimmt er eine Gewebeprobe der Haut. Ferner erklärt er ihr, dass die weitere Abklärung im Brustzentrum Im Park stattfinden solle, wobei er Erika P. zusichert, dass sämtliche Abklärungen und Behandlungen unter seiner Fallführung erfolgen werden.

Dr. V. ist wie viele seiner selbstständig tätigen gynäkologischen Kollegen am Brustzentrum Im Park angeschlossen. Es vereint alle für Brustkrebs relevanten Fachgebiete zu einem interdisziplinären Kompetenzzentrum mit dem Ziel, den Patientinnen hochspezialisierte, durch international anerkannte Leitlinien abgesicherte Abklärungs- und Behandlungsformen zu bieten.

Tag 1, 15:30 Uhr

Tag 1, 15:30 Uhr, Radiologie der Klinik Im Park

Dr. V. hat Erika P. zur weiteren Abklärung umgehend der Radiologie der Klinik Im Park zugewiesen. Dank der gut organisierten Zentrumsstrukturen erhält sie noch am selben Tag einen Termin bei der Radiologin Dr. Stefanie H. Die Spezialistin für radiologische Untersuchungen der Brust führt bei Erika P. eine Mammographie durch (vgl. Abb. 1). Im Anschluss bespricht sie mit ihr die Aufnahmen am Bildschirm.

Die bildgebende Untersuchung der Brust umfasst folgende Methoden:

  • Der Ultraschall erkennt die meisten Knoten und ermöglicht eine gute Unterscheidung zwischen gutartigen und verdächtigen Knoten.
  • Die Mammographie erkennt durch Röntgentechnik zusätzlich Kalkstrukturen, wobei auch hier unterschieden werden kann zwischen gutartigen und verdächtigen Strukturen.
  • Die Magnetresonanztomographie (MRI) kommt nur dann zum Einsatz, wenn die Situation mit Ultraschall und Mammographie unzureichend beurteilt werden kann, z.B. wenn die Ausdehnung der Erkrankung unklar bleibt.
Tag 3, 11:00 Uhr

Tag 3, 11:00 Uhr

Dr. V. bespricht persönlich mit Erika P. die Resultate der Gewebeprobe. Die Untersuchung der Gewebeprobe hat die Diagnose Brustkrebs ergeben. Dr. V. bekräftigt die Notwendigkeit einer Therapie. Die optimale Therapie für Erika P. wird am interdisziplinären Tumorboard im Brustzentrum Im Park definiert. Dr. V. wird den Fall von Erika P. dort persönlich vorstellen.

Das Tumorboard ist das Herzstück des Brustzentrums Im Park. Hier werden einmal pro Woche alle Brustkrebsfälle jeweils vor und nach der Operation besprochen. Ziel ist es, einen auf die individuelle Situation der Patientin zugeschnittenen Behandlungsplan zu erstellen. Anwesend sind neben spezialisierten Gynäkologen immer auch Onkologen, Strahlentherapeuten, plastische Chirurgen, Radiologen und Pathologen. Sämtliche Fachgebiete werden bei der Entscheidungsfindung miteinbezogen.

Tag 5, 7:50 Uhr

Tag 5, 7:50 Uhr, Tumorboard Brustzentrum Im Park

Dr. V. bespricht im Kreise der anwesenden Spezialisten die Befunde von Erika P. Die Bilder der Mammographie werden von der Radiologin am grossen Monitor erläutert. Bei dieser Patientin mit Befall der Haut empfiehlt das Tumorboard die vollständige Entfernung der Brust. Dr. V. wird diesen Eingriff an der Klinik Im Park selbst vornehmen. Ein auf Brustchirurgie spezialisierter Kollege vom gynäkologischen Team des Brustzentrums wird die Operation gemeinsam mit ihm durchführen. Die Möglichkeit eines sofortigen Wiederaufbaus der Brust unter Mitwirkung eines plastischen Chirurgen wird ebenfalls diskutiert.

Tag 5, 9:30 Uhr

Tag 5, 9:30 Uhr, Praxis Dr. V.

Dr. V. erläutert Erika P. die Therapieempfehlung. Er unterrichtet sie auch über die Möglichkeit eines sofortigen Wiederaufbaus der Brust. Für sie steht aber fest, dass sie derzeit darauf verzichten möchte und nur die einfache Brustentfernung wünscht.

In den meisten Fällen kann die Brust bei der Operation erhalten werden. Das heisst, es wird nur der Tumor entfernt. In den übrigen Fällen muss die Brust vollständig entfernt werden. Danach kann unter Erhaltung der Haut und der Brustwarze ein sofortiger Wiederaufbau der Brust durchgeführt werden, entweder mit einer Brustprothese oder mit Eigengewebe.

Tag 7, 12:00 Uhr

Tag 7, 12:00 Uhr, Klinik Im Park

Dr. V. operiert Erika P. zusammen mit einem Kollegen aus dem Kernteam der Brustchirurgie des Brustzentrums Im Park. Das entfernte Gewebe wird zur Untersuchung in die Pathologie eingesandt.

Tag 11, 10:00 Uhr

Tag 11, 10:00 Uhr, Klinik Im Park

Erika P. kann bei Wohlbefinden aus der Klinik Im Park entlassen werden. Dr. V. war während ihres Klinikaufenthalts täglich zur Visite bei ihr und hat die Kontrollen selbst durchgeführt. Mit Erika P. vereinbart er einen Termin in seiner Praxis für eine weitere Kontrolle und die Besprechung der nächsten Schritte.

Tag 12, 7:50 Uhr

Tag 12, 7:50 Uhr, Tumorboard Brustzentrum Im Park

Der Fall von Erika P. wird erneut interdisziplinär besprochen. Es liegen nun alle Resultate auf dem Tisch. Dr. V. stellt den Fall wiederum persönlich vor. Aufgrund der biologischen Eigenschaften des Tumors von Erika P. empfiehlt das Tumorboard eine nachfolgende medikamentöse Therapie mit Tabletten sowie eine Strahlentherapie. Ziel ist es, damit eventuell noch vorhandene Tumorzellen zu beseitigen.

Tag 12, 14:00 Uhr

Tag 12, 14:00 Uhr, Praxis Dr. V.

Dr. V. kontrolliert die Wunde nach der Operation und legt Erika P. die Empfehlung des Tumorboards dar. Er erklärt und verschreibt ihr das Medikament und meldet sie für die Strahlentherapie an, sodass sie sofort mit der Fortsetzung der Behandlung beginnen kann.

Tag 13

Tag 13

Zwei Wochen nachdem Erika P. eine Auffälligkeit an ihrer Brust festgestellt hat, ist sie vollständig operativ behandelt, nimmt die Medikamente ein und hat die Strahlentherapie begonnen. Den reibungslosen Verlauf verdankt sie ihrem engagierten und seit Jahren vertrauten Gynäkologen, der in der gesamten Zeit immer ihr Ansprechpartner war. Durch seine Mitwirkung im Brustzentrum Im Park konnte er den Verlauf und das Ergebnis der Behandlung massgeblich mitgestalten.

 

Interview mit Dr. med. Ziad Atassi

Nach heutigen Richtlinien müssen Brustkrebs-Patientinnen an einem spezialisierten Zentrum behandelt werden. Was zeichnet ein solches Zentrum aus, und wo liegen die Vorteile für die Patientinnen?

Ein Brustzentrum muss heute interdisziplinär organisiert sein. Das bedeutet, dass alle Fachbereiche, die in die Therapie von Brustkrebs einbezogen werden, auch an einem Zentrum vernetzt kooperieren müssen. Das Herzstück dieser Kooperation zwischen den Fachbereichen bildet das sogenannte Tumorboard. Dabei handelt es sich um eine Konferenz, die alle Fachspezialisten einmal pro Woche vereint, um im direkten Dialog die optimale Therapie für die Patientinnen vorzuschlagen. Die Therapievorschläge orientieren sich an international anerkannten Empfehlungen und Leitlinien für die Brustkrebsbehandlung. Darüber hinaus können den Patientinnen durch weitergehende Kooperationen auch besondere Leistungen angeboten werden, von der Psychoonkologie über die spezialisierte genetische Beratung bis hin zur Vermittlung einer Selbsthilfegruppe. Studiendaten belegen den klaren Überlebensvorteil für Frauen mit Brustkrebs, die in Zentrumsstrukturen behandelt wurden.

Für die Behandlung von Brustkrebs gibt es heute ein breites Spektrum an Therapien, von operativen Verfahren über verschiedene medikamentöse Behandlungsformen bis zur Bestrahlung. Wie wird am Brustzentrum Im Park entschieden, welche Therapie bzw. Kombination von Therapien bei einer Patientin zum Einsatz kommt?

Beim Tumorboard ist die Anwesenheit von Brustchirurgen, Strahlentherapeuten, Pathologen, Radiologen und Onkologen verpflichtend. Regelmässig teil nehmen aber auch plastische Chirurgen. Jede Patientin wird mit ihrer individuellen Krankheitssituation und Vorgeschichte in dieser Konferenz detailliert besprochen. Dabei gilt es, unter Berücksichtigung der Leitlinienempfehlung, dieser individuellen Situation Rechnung zu tragen und eine darauf zugeschnittene Therapieempfehlung abzugeben.

Die Vertrauensbeziehung zwischen Frauenarzt und Patientin ist gerade bei Brustkrebs von grosser Bedeutung. Wie kann sie an einem Brustkrebszentrum zum Tragen kommen, wo ganz verschiedene Spezialisten in die Behandlung involviert sind?

Das Brustzentrum Im Park bietet operativ tätigen Gynäkologen die Möglichkeit, ihre Patientinnen im Rahmen der vorgegebenen Zentrumsstrukturen und der gesundheitspolitischen Regularien als fallführende Ärzte selbst zu behandeln. Dazu gehört, neben der Durchführung der Operation, auch die Betreuung im Spital und ambulant in der eigenen Praxis. Die von den Fachspezialisten am Tumorboard erarbeitete Therapieempfehlung kann die individuellen Bedürfnisse der Patientin noch deutlich besser berücksichtigen, wenn ihr Gynäkologe in die Entscheidungsfindung eingebunden ist.

 

Beim Tumorboard ist die Anwesenheit von Brustchirurgen, Strahlentherapeuten, Pathologen, Radiologen und Onkologen verpflichtend. Regelmässig nehmen aber auch plastische Chirurgen teil. Jede Patientin wird mit ihrer individuellen Krankheitssituation und Vorgeschichte detailliert besprochen.

Das Brustzentrum Im Park orientiert sich an den anspruchsvollen Vorgaben der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) und der Schweizer Gesellschaft für Senologie sowie der Krebsliga Schweiz. Was hat es damit auf sich?

Krebszentren werden heute genauso wie ganze Spitäler und Wirtschaftsunternehmen nach ihrer Arbeitsweise bewertet und erhalten ein Zertifikat, das die Einhaltung von Qualitätskriterien belegt. Das Zertifikat der DKG für Brustkrebszentren gilt als Nachweis für eine Arbeitsweise nach höchsten Qualitätsansprüchen und als Beleg der interdisziplinären Kooperation. Darüber hinaus bescheinigt es die ärztliche Kompetenz, die anhand der Fallzahlen im Zentrum gemessen wird. Die Überprüfung dieser Merkmale und die Zertifikatsvergabe müssen in regelmässigen Abständen wiederholt werden.

Die chirurgische Entfernung eines Tumors hat bei Brustkrebs auch eine eminent ästhetische Dimension. Wie wird ihr am Brustzentrum Im Park Rechnung getragen?

Ästhetik und Sicherheit müssen bei der operativen Therapie der Brust heutzutage kein Widerspruch mehr sein. Gerade bei Frauen, die aufgrund ihrer Brustkrebserkrankung die Brust nicht behalten können, sind moderne Verfahren zur Brustrekonstruktion immer ein Bestandteil der Beratung. Die Kooperation mit plastischen Chirurgen ermöglicht es den behandelnden Gynäkologen, den Patientinnen ein breites Spektrum an wiederherstellenden Methoden anzubieten. Dazu gehören Verfahren, die Eigengewebe, aber auch Prothesen zur Brustrekonstruktion verwenden.

Abb. 1
Die Mammographie ist eine Röntgenaufnahme der Brust und wird neben der Früherkennung von Brustkrebs auch zur Abklärung verdächtiger Befunde eingesetzt.