Kompetenzen des Beckenbodenzentrums

Blasen- und Beckenbodenschwäche gehören zu den am weitesten verbreiteten Krankheiten. Die Beschwerden haben grossen Einfluss auf die Lebensqualität und verursachen einen erheblichen Leidensdruck. Betroffene sprechen selten darüber, dabei gibt es mittlerweile gute Behandlungsmöglichkeiten.

Blasen- und Beckenbodenschwäche - die heimliche Volkskrankheit

In der Schweiz leiden 600'000 bis 800'000 Menschen unter Urin- und oder Stuhlinkontinenz, davon sind 75% Frauen. Nicht nur alte sondern auch junge Menschen sind davon betroffen, ab dem 50. Lebensjahr steigt die Zahl der Betroffenen jedoch stark an. Die Erkrankungen sind so vielseitig wie die Behandlungsmöglichkeiten.

Blasenentzündungen

Kurzbeschrieb
Sie haben regelmässig Blasenentzündungen, die Sie zum Teil selber behandeln und zum Teil mit Antibiotika behandeln lassen müssen.

Ursachen
Durch Bakterien, die durch die Harnröhre aufsteigen und sich in der Blase vermehren, entstehen Blasenentzündungen. Sowohl Männer als auch Frauen sind von Blasenentzündungen betroffen, wobei solche Entzündungen bei Männern infolge längerer Harnröhre seltener vorkommen. Vermehrter Restharn nach dem Wasserlösen begünstigt Blasenentzündungen zudem. Bei Männern kann dies infolge einer Prostatavergrösserung vorkommen. Aber auch bei Harnsteinen oder Tumoren der Blase oder Niere kommen Blasenentzündungen häufig vor. Wenn Sie an wiederkehrenden Blasenentzündungen leiden, sollte Sie diese durch einen Urologen abklären lassen.  Ein Untersuch des Urins sowie das Anlegen einer Urinkultur dienen dem Nachweis von Bakterien.  

Symptome
Bakterien und die Immunabwehr des Körpers verursachen eine schmerzhafte Reizung der Blasenschleimhaut. Die Folgen sind häufiges Wasserlassen in meist kleinen Portionen, Schmerzen in der Harnröhre sowie gelegentlich sichtbare Blutbeimengungen im Harn und eventuell Fieber.

Behandlung
Eine kurze Antibiotikatherapie und die Erhöhung der Trinkmenge heilt eine einfache Blasenentzündung meist rasch aus. Eine längerdauernde Antibiotikatherapie sowie weitere Untersuchungen sind bei einer komplizierten Blasenentzündung oder wiederkehrender Infektsituationen nötig.

Urininkontinenz bei Mann und Frau (Blasenschwäche)

Kurzbeschrieb
Unter Urininkontinenz versteht man das Unvermögen, den Urin in der Blase zu halten. Unterschieden wird zwischen Belastungsinkontinenz und Dranginkontinenz, wobei auch eine Mischform vorkommen kann.

Ursachen
Ursache für eine Belastungsinkontinenz ist meist ein zu schwacher Blasenschliessmuskel. Auch können direkte Schädigungen durch Operationen oder Störungen der Nervenversorgungen des Schliessmuskels zu einer Belastungsinkontinenz führen.

Eine Dranginkontinenz wird oft durch einen überaktiven Blasenmuskel verursacht, der gegen den intakten und verschlossenen Schliessmuskel Urin aus der Blase presst. Dann treten typischerweise Drangbeschwerden (häufiger Harndrang) mit Urinverlust als Symptome auf.
  
Beschwerden
Die Belastungsinkontinenz tritt oft bei körperlicher Anstrengung (Pressen, Husten, Laufen, Heben) auf. Dabei kommt es zu tropfen- bis portionenweisem Urinverlust. Bei der Dranginkontinenz tritt ein imperativer Harndrang auf, so dass die Blasenentleerung nicht mehr aufgehalten werden kann und es zu ungewolltem Urinverlust kommt. Bei beiden Inkontinenzformen kann die verlorene Urinmenge von Tropfen bis zur ganzen Blasenfüllung reichen.

Untersuchung und Diagnostik
In der Praxis klären wir in einem Gespräch mögliche Krankheitsfaktoren (Voroperationen, Nervenerkrankungen, Diabetes usw.), darauf folgt die körperliche Untersuchung.  Im Anschluss daran führen Patienten oftmals ein Miktionstagebuch, in welchem sie Blasenentleerung und Urinverlust aufzeichnen. Zur besseren anatomischen Beurteilung nehmen wir auch eine Harnröhren- und eine Blasenspiegelung vor. Bei komplexen Fällen führen wir eine Blasenfüllungs- und Entleerungssimulationstestung (Urodynamik) zur erweiterten Diagnostik durch.

Behandlung
Bei beiden Formen der Urininkontinenz sind die Behandlungsoptionen vielfältig und müssen auf die individuelle Patientensituation abgestimmt werden. Die Behandlungsoptionen reichen von konservativen Massnahmen (Medikamente, Beckenbodentraining) über minimalinvasive Blasenbehandlungen bis zur Implantation von künstlichen Schliesssystemen.

Stuhlinkontinenz

Kurzbeschrieb
Sie verlieren ungewollt Stuhl.

Symptome
Unter Belastung oder beim Abgang von Winden kommt es auch zum Verlust von Stuhl.

Behandlung
Es gibt verschiedene Ursachen, warum es zu ungewolltem Stuhlverlust kommt. Wichtig ist mit einer exakten Diagnostik und dem Fachwissen unserer verschiedenen Spezialisten die Ursachen zu finden und diesen mit chirurgischen, medikamentösen oder physiotherapeutischen Methoden zu behandeln. 

Das interdisziplinäre Beckenboden-Board

Regelmässig treffen sich die Spezialisten um schwierige Fälle oder kombinierte Krankheitsbilder aus jeder fachlichen Perspektive zu analysieren und daraus den besten Therapieplan zu erarbeiten. Bei den Besprechungen sind weitere Fachbereiche wie Physiotherapie und Neurologie-Schmerztherapeuten anwesend. Auch ihre Fachexpertise fliesst in die optimale Therapieplanung mit ein.