Risikoschwangerschaft

Das Risiko einer Fehlgeburt oder einer veränderten Chromosomenzahl (z.B. Trisomie 21) erhöht sich rein statistisch mit zunehmendem Alter der schwangeren Frau (leicht erhöhtes Risiko ab 30 Jahren, stärker erhöhtes Risiko ab 40 Jahren). Die meisten älteren Frauen bringen aber kerngesunde Kinder zur Welt.

Die folgenden Kriterien können auf eine Risikoschwangerschaft hinweisen:

 

  • Die Mutter ist älter als 35 Jahre und/oder der Vater ist älter als 45 Jahre
  • Erbkrankheiten in den Familien von Mutter und/oder Vater
  • Auffälligkeiten bei den allgemeinen Vorsorgeuntersuchungen
  • Zwei oder mehr vorhergehende Fehlgeburten
  • Röteln-Infektion oder Toxoplasmose der Mutter während der Schwangerschaft
  • Einnahme bestimmter Medikamente während der Schwangerschaft
  • Röntgenstrahlung während der Schwangerschaft

 

Um weitere Risiken auszuschliessen oder zu vermindern, sollten Sie die folgenden Punkte vermeiden:

 

  • übermässiger Alkoholkonsum
  • rauchen, sowohl aktiv als auch passiv
  • Rohmilchprodukte und rohes Fleisch
  • extreme körperliche Anstrengungen
  • starke Hitze wie Sauna oder Vollbad

Im Einzelfall können spezielle Untersuchungsmethoden angewandt werden, um eine genetische Krankheit des ungeborenen Kindes zu erkennen. Allerdings ist hier eine sorgfältige Abwägung von Nutzen und Risiken unabdingbar.

Leserfrage zum Thema Schwangerschaft

Mutter werden - bis wann?

Ich bin 43 Jahre alt. Meine Mens kommt regelmässig. Eigentlich wünschen mein Mann und ich uns zu unseren beiden Kindern (13, 7) jetzt doch noch ein Kind. Ist es in meinem Alter wirklich „verantwortungslos“ – wie es eine Bekannte von mir nannte - noch zu versuchen, ein Kind zu bekommen? Wie sieht es aus mit den Risiken? G.F.

 

Prof. Dr. med. Christian Breymann, Gynäkologe & Belegarzt der Klinik Hirslanden & Klinik Im Park:

Aufgrund der grossen Veränderung im Bereich der Fertilitätstherapie sind heute schwangere Frauen zwischen 40 und 45 Jahren keine Seltenheit mehr. Viele dieser Frauen über 40 wurden aufgrund „assistierter“ oder künstlicher Befruchtung schwanger, da die Chance, spontan und natürlich schwanger zu werden bei Frauen nach dem 40. Lebensjahr sehr klein ist. Das heisst aber nicht, dass Sie mit 43 Jahren nicht noch natürlich schwanger werden können. Schwangere in Ihrem Alter weisen ein höheres Risiko für genetische Veränderungen beim Kind auf: wie zum Beispiel Trisomie 21 (Downsyndrom) und andere. Daneben ist bekannt, dass es häufiger Schwangerschaftskomplikationen gibt, über die Sie Ihr Frauenarzt oder Ihre Frauenärztin informieren kann. Sofern bei Ihnen keine Erkrankungen bekannt sind, ist eine Schwangerschaft bei Ihnen durchaus mit entsprechender Betreuung durch einen erfahrenen Arzt oder eine Ärztin möglich. Ich empfehle Ihnen, sich in einem Zentrum zu informieren und die Vor- und Nachteile abzuwägen. Dann handeln Sie sicherlich nicht verantwortungslos, wenn Sie sich für eine erneute Schwangerschaft entscheiden. Die älteste Schwangere, die ich momentan betreue und die sich auf die Geburt ihres Kindes freut, ist übrigens 55 Jahre alt.