Liebe Kolleginnen und Kollegen
Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an!
Nach 48 Jahren im Beruf, davon 40 Jahre bei der Klinik Im Park auf der Intensivstation (40 Jahre minus knapp zwei Jahre Babypause), ist jetzt für mich die Zeit gekommen, mich anderen Aufgaben zu widmen und meinen (Un-)Ruhestand zu geniessen. 😉
Als frisch diplomierte Intensivschwester hatte ich 1986 mein Bewerbungsgespräch für die damalige «AMI-Klinik Im Park» in einem Baucontainer, da das Spital damals noch im Bau war.
Die erste Zeit auf der Intensivstation waren wir damit beschäftigt, Material zu testen, einzukaufen und schlussendlich die Station einzurichten. Dann kamen die ersten Patientinnen und Patienten. Zuerst nur wenige, dann immer mehr, sobald das Team eingespielt war.
Beim ersten Herzpatienten, der bei uns operiert wurde, kam es gleich zu Komplikationen. Er musste an die ECMO, die Herz-Lungenmaschine, angeschlossen werden. Dazumal war dies eine riesige Maschine, an der noch von Hand gekurbelt wurde! Heute sind alle Geräte viel handlicher geworden und vor allem automatisiert. Unterstützt wurden wir damals durch Personal vom Klinikum der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (heute: Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz). In der Nacht vom 31. März auf den 1. April 1988 ereignete sich dort ein verheerender Grossbrand in der Intensivstation der Herzchirurgie. Ein Teil des Personals kam nach Zürich, bekam Kost und Logis (und natürlich Lohn) bei uns, und instruierte uns in der herzchirurgischen Pflege. Eine intensive und spannende Zeit, woran ich mich gerne zurückerinnere. Inzwischen war ich stellvertretende Leiterin der Intensivstation.
Die Klinik Im Park schloss einen Vertrag mit den Kliniken der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main (heute: Universitätsmedizin Frankfurt) ab, um Herzpatientinnen und -patienten aus Frankfurt in Zürich zu operieren. Um Werbung für unsere Klinik zu machen und den Patientinnen und Patienten die Angst vor der Reise zu nehmen, durfte unser Team einige Male nach Frankfurt fliegen und diese Patientinnen und Patienten persönlich abholen. Wir mussten Rollstuhl, Sauerstoff etc. am Flughafen organisieren. Auch ich durfte einmal mitfliegen, allerdings war mir da nicht bewusst, was für eine Verantwortung wir hatten. Die Patientinnen und Patienten kamen frisch aus dem Herzkatheter-Labor und das einzige, was wir dabei hatten, war ein Nitrospray, um Gefässkrämpfen vorzubeugen…
1990 wurde dann aus der AMI-Klinik Im Park die Hirslanden Klinik Im Park und unsere Klinik somit Teil von Hirslanden, der ersten Privatklinikgruppe der Schweiz. Zwischen 1990 und 1993 bekam ich meine beiden Kinder, und nach der Geburt meiner Tochter 1993 machte ich fast zwei Jahre Pause, um dann im Jahr 1995 zuerst mit einem 40%- und etwas später mit einem 50%-Pensum wieder einzusteigen. Die Patientenzahl nahm zu und die Intensivstation (damals noch dort, wo heute die Überwachungsstation ist) wurde immer voller. Auch die beiden Zimmer vor der damaligen Intensivstation (119 und 120, heute Teil der ÜWS) wurden rege genutzt. Zudem wurde ein Schlaflabor eingerichtet, welches wir ebenfalls betreuen mussten.
2010 wurde die Intensivstation schliesslich definitiv zu klein, die räumlichen Vorgaben der Schweizerischen Gesellschaft für Intensivmedizin (SGI) waren nicht mehr erfüllt. Also wohin mit der Intensivstation? Wir machten eine Rochade. Die Intensivstation zügelte ins Erdgeschoss/Souterrain, wo zuvor die Küche war, während die Küche in den 4. Stock wanderte. Das dortige Labor wurde ausgelagert ins Operationszentrum Bellaria. Der Aufwachraum zog in die alte IPS um, und da, wo der Aufwachraum gewesen war, entstand ein neuer OP-Saal. Der Umzug der IPS fand unter laufendem Betrieb statt, was das Ganze ziemlich kompliziert machte. Erstens, weil wir pflegerisch aufwendige Patientinnen und Patienten zu versorgen hatten, und zweitens, weil wir zusätzlich auch neue Monitore mit neuen Funktionen bekamen, in die wir uns erst einarbeiten mussten. Alles verlief zum Glück jedoch ohne Komplikationen.
Die Krankheitsbilder wurden mit den Jahren und dem zunehmenden Alter der Patientinnen und Patienten immer komplexer und der administrative Aufwand immer grösser. Meine Ausbildung in Intensivmedizin bestand im Jahr 1984 aus den Büchern Hossli 1 und Hossli 2 (Grundlagen der Anästhesiologie und Intensivbehandlung von Georg Hossli und Regina Jenny, Band 1 und 2). Kein Vergleich mit dem, was man heute wissen und lernen muss! Aber die vielen Jahre Praxis machten einiges wett.
Im Jahr 2021 musste ich am Rücken operiert werden und durfte nicht mehr am Bett arbeiten. Mein Chef, Andreas Hoffmann, den ich sehr schätze, organisierte eine Stelle für mich als «Disponentin». Seitdem nahm ich alle Telefonanrufe entgegen, war für die Telemetrie zuständig, zog Medikamente auf, rüstete Geräte auf und so vieles mehr. Kurz, ich half überall da, wo Not am Mann oder an der Frau war. Zusätzlich wurde ich Mitglied in der seeübergreifenden Ethikkommission Hirslanden Zürich, die Mitarbeitende und Behandlungsteams bei ethisch komplexen Fragestellungen unterstützt. Ein sehr spannendes Themenfeld und zunehmend wichtiger.
Ende Mai 2026 war nun mein letzter offizieller Arbeitstag. Ich möchte mich mit einem herzlichen DANKESCHÖN verabschieden. Die Zeit mit euch war nicht nur beruflich, sondern auch menschlich, sehr wertvoll und bereichernd für mich. Ich werde immer gerne an die Zeit in der Klinik Im Park zurückdenken und werde den regelmässigen Kontakt mit euch sicher vermissen!
Nun beginnt für mich ein neuer Abschnitt. Ich freue mich darauf. Mached’s guet und vielleicht komme ich zwischendurch mal vorbei und frage, wie’s läuft.
Liebe Grüsse, alles Gute und weiterhin viel Erfolg!
Eure Alice Hirschvogel