Franziska Vallantine arbeitet seit bald 12 Jahren für die Klinik Im Park. Im Juni 2012 kam die Schweizerin aus Grossbritannien zurück in die Schweiz und startete als Hebamme im Gebärsaal. Nach 13 Monaten wurde sie zur Stellvertretenden Leitung des Gebärsaals befördert. Vor vier Jahren schliesslich übernahm sie die Gesamtleitung der Frau-Mutter-Kind-Abteilung, die neben der Geburten- auch die interdisziplinäre Bettenabteilung 3. Stock mit Schwerpunkt Wochenbett umfasst.
Welche Aufgaben bestimmen deinen Arbeitsalltag?
Mein Alltag als Abteilungsleitung hat sehr viel mit kurz- wie auch langfristiger Personal- und Bettenplanung zu tun. Administrative Prozesse, Verantwortung für das Abteilungs- und Personalbudget, Mitarbeiterführung, Dienstplanung, Mitwirkung an Gremien, Fallbesprechungen, Networking, PR-Massnahmen sind nur einige meiner Aufgaben. Zudem bin ich bei Bedarf auch am Bett tätig. Es ist eine vielseitige, spannende Aufgabe, die es mir erlaubt, mit den unterschiedlichsten Bereichen und Schnittstellen zusammenzuarbeiten. Da wir auf unserer Geburtenabteilung viele Expats haben, führen wir regelmässig Informationsveranstaltungen für werdende Eltern auch in englischer Sprache durch. Hierbei kommt mir zugute, dass ich eine Weile in Grossbritannien gelebt und gearbeitet habe und mit einem Briten verheiratet bin, mich also in der englischsprachigen Welt sowohl kulturell als auch sprachlich zuhause fühle.
Was wissen die meisten nicht über deine Abteilung?
Vielen ist beispielsweise nicht bekannt, dass wir eine interdisziplinäre Abteilung sind. Auf der Wochenbettabteilung betreuen wir daher nicht nur frisch gebackene Familien, sondern im Sinne einer optimalen Auslastung immer auch Patientinnen und Patienten anderer Fachbereiche, seien es medizinische, chirurgische oder auch akut geriatrische Patientinnen und Patienten. Unsere Pflegefachkräfte müssen also ein hohes Mass an Flexibilität mitbringen und über einen breiten Wissens- und Erfahrungsschatz in der Pflege verfügen, profitieren aber gleichzeitig von der Abwechslung.
Gibt es ein Ereignis in deiner Laufbahn bei Hirslanden, das du so schnell nicht mehr vergessen wirst?
Ja, das gibt es tatsächlich. Vor einigen Jahren im Sommer hat ein Patient aus dem 4. Stock (direkt über dem Gebärsaal) die Polizei gerufen, weil er glaubte, ein Hund sei in der Klinik eingesperrt. Ein herzzerreissendes Wehklagen hatte ihn zu dieser Annahme gebracht. Als die Polizei anrückte stellte sich jedoch schnell heraus, dass die Schmerzenslaute nicht von einem eingesperrten Hund herrührten, sondern von einer in den Wehen liegenden Frau in unserem Gebärsaal! So musste die Polizei peinlich berührt und unverrichteter Dinge wieder abreisen. Und meine Kolleginnen und ich können noch heute herzlich über dieses Ereignis lachen.
Wolltest du schon immer Hebamme werden und warum?
Ich hatte tatsächlich schon in jungen Jahren mit dem Gedanken gespielt, hatte aber zu grossen Respekt vor der Verantwortung, und das Aufnahmeverfahren an den Hebammenschulen schüchterte mich ein. So nahm ich zunächst den Umweg über ein Modedesign-Studium und die Handelsschule bis ich mich mit 28 Jahren schliesslich bereit für die Hebammenausbildung fühlte. Diese Entscheidung habe ich nie bereut. An meinem Beruf fasziniert mich bis heute, dass ich an einem extrem wichtigen emotionalen Moment im Leben der uns anvertrauten Paare teilhaben darf. Ich mag aber auch die schwierigen Situationen, in denen ich schnell handeln und lebenswichtige Entscheidungen treffen muss. Ausserdem bietet der Hebammenberuf vielfältige Betätigungsfelder: man kann in einem klinischen Setting oder freiberuflich tätig sein oder beides miteinander kombinieren, was auch eine sehr erfüllende Variante sein kann.
Was motiviert dich an deiner Arbeit und auf was würdest du am liebsten verzichten?
Mich motiviert die Wertschätzung, die ich vorwiegend von den Elternpaaren aber auch von anderen Patientinnen und Patienten erhalte. Und ich geniesse die Zusammenarbeit mit meinem Team. Ausserdem schätze ich die Möglichkeit, mit den verschiedensten Schnittstellen zusammenarbeiten zu dürfen und verschiedenste Rollen zu haben. Motivierend finde ich auch, einen sehr verantwortungsvollen Beruf zu haben, der viel Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl in allen Bereichen verlangt. Wenn es gelingt, die täglichen Herausforderungen zu meistern, ist dies sehr erfüllend.
In meiner Position gehört es aber auch dazu, unpopuläre Entscheidungen treffen zu müssen und nicht allen jederzeit gerecht werden zu können. Das ist manchmal nicht leicht. Am liebsten würde ich natürlich alle immer glücklich sehen.
Wie entspannst du nach einem anstrengenden Arbeitstag?
Indem ich mir nicht zu viel vornehme und stattdessen lieber die Stille geniesse, ein gutes Buch lese oder Yoga mache. Ich bin aber auch gerne in der Natur und betreibe leidenschaftlich Wassersport zusammen mit meinem Mann, der mein persönlicher Kitesurfing-Instruktor auf Lebenszeit ist. Wir verbringen unsere Freizeit gerne an unserem Kraftort, unserer zweiten Heimat am Comersee. Wind darf bei uns also nicht fehlen.