Nuklearmedizinische Therapiestation

Das Institut für Radiologie und Nuklearmedizin Klinik St. Anna bietet ein breites Spektrum an nuklearmedizinischen Therapieoptionen an. Hierzu zählen die Behandlung von Erkrankungen der Schilddrüse und der Gelenke sowie die Behandlung des Prostatakarzinoms, von neuroendokrinen Tumoren und Tumoren der Leber. Diese Seite gibt Ihnen eine Übersicht über die verschiedenen Therapieformen.

Radiojodtherapie

Radiojodtherapie zur Behandlung gutartiger Erkrankungen der Schilddrüse und des Schilddrüsenkarzinoms

Die Radiojodtherapie wird zur Behandlung gutartiger Schilddrüsenerkrankungen eingesetzt, die mit einer Überfunktion (Autonomie, Morbus Basedow) oder einer Vergrösserung (Struma) des Organs einhergehen. Bei beiden Indikationen stellt die Radiojodtherapie eine nebenwirkungsarme Alternative zur Operation dar.

Ein weiterer Einsatz liegt in der Behandlung des differenzierten Schilddrüsenkarzinoms (Schilddrüsenkrebs). In diesem Fall wird die Therapie ergänzend zum operativen Vorgehen durchgeführt. Das Ziel ist die Beseitigung verbliebener Schilddrüsenreste und eventuell vorhandener Metastasen.

Näheres erfahren Sie in unseren Informationsblättern.

Unser Ärzteteam aus der Nuklearmedizin arbeiten interdisziplinär mit unseren Fachspezialisten aus dem Schilddrüsenzentrum zusammen.

Radiofrequenzablation

Radiofrequenzablation von gutartigen Schilddrüsenknoten

Die Radiofrequenzablation ist ein minimal-invasives Verfahren zur Beseitigung oder Verkleinerung von gutartigen Schilddrüsenknoten, wenn diese durch ihre Lage oder Grösse zu Beschwerden führen. Der Eingriff kann anstelle einer Operation durchgeführt werden.

Anders als bei den übrigen nuklearmedizinischen Therapien ist hier der Einsatz radioaktiver Substanzen nicht notwendig. Stattdessen wird unter lokaler Betäubung und unter sterilen Bedingungen eine schmale Sonde in den Knoten eingeführt und dieser erhitzt. Infolge der Erhitzung schrumpft der Knoten in den kommenden Tagen bis Monaten bis nur noch ein kleiner narbiger Rest verbleibt.

Der Eingriff dauert je nach Knotengrösse teilweise nur wenige Minuten. Nach dem Eingriff verbleibt der Patient zur Kontrolle für eine Nacht.

RLT mit Lutetium-177 PSMA

Radioliganden-Therapie (RLT) mit Lutetium-177 PSMA zur Behandlung des fortgeschrittenen Prostatakarzinoms

Die RLT mit Lutetium-177 PSMA ist ein neuartiges Verfahren, welches beim metastasierten, hormonrefraktären Prostatakarzinom (Prostatakrebs) zum Einsatz kommt, das heisst in einem fortgeschrittenen Erkrankungsstadium, wenn andere Therapien nicht mehr wirksam sind.

Das Wirkprinzip beruht auf der Tatsache, dass auf der Oberfläche von Prostatakrebs-Zellen sehr häufig das Prostata-Spezifische-Membran-Antigen (PSMA) in stark vermehrter Anzahl vorliegt. Die Therapiesubstanz erkennt das PSMA, dockt an der Zelloberfläche an und wird schliesslich in das Zellinnere aufgenommen und dort in hoher Konzentration angereichert. Auf diese Weise erfolgt eine gezielte Bestrahlung und Zerstörung des Tumorgewebes von innen, andere Organe werden hierbei weitgehend geschont.

Die Therapie wird stationär durchgeführt. Es erfolgen bis zu sechs Therapiezyklen im Abstand von sechs bis acht Wochen. Der stationäre Aufenthalt pro Zyklus beträgt in der Regel drei Tage.

Radium-223 (Xofigo®)

Radionuklidtherapie mit Radium-223 (Xofigo®) zur Behandlung von Knochenmetastasen eines Prostatakarzinoms

Die Knochenmetastasen eines Prostatakarzinoms (Prostatakrebs) sind häufig durch einen erhöhten Knochenstoffwechsel gekennzeichnet. Radium-223 wird ähnlich wie Kalzium in den Knochen eingebaut, wobei dies in Abhängigkeit vom Knochenstoffwechsel geschieht, d.h. in Regionen mit hohem Knochenstoffwechsel wird besonders viel von der Substanz eingebaut. Auf diese Weise wird eine hohe Konzentration von Radium-223 in Knochenmetastasen erreicht mit in der Folge deren lokaler Bestrahlung. Dies kann in einer Grössenreduktion der Läsionen sowie in einer deutlichen Linderung von Knochenschmerzen resultieren.

Die Therapie erfolgt ambulant in sechs Zyklen im Abstand von vier Wochen.

PRRT mit Lutetium-177 DOTA-TATE/TOC

Peptid-Rezeptor-Radionuklid-Therapie (PRRT) mit Lutetium-177 DOTA-TATE/TOC zur Behandlung von Neuroendokrinen Tumoren

Die PRRT mit Lutetium-177 DOTA-TATE/TOC ist ein innovativer Ansatz in der Behandlung gut differenzierter neuroendokriner Tumore, die ihren Ursprung im Magen-Darm-Trakt oder in der Bauchspeicheldrüse haben. Die Therapie wird in fortgeschrittenen, progredienten Erkrankungsstadien angewendet, wenn bereits Metastasen vorliegen oder der Tumor operativ nicht beseitigt werden kann.

Kennzeichnend für die meisten Neuroendokrinen Tumore ist die Expression des sogenannten Somatostatin-Rezeptors auf der Zelloberfläche, d.h. eines Rezeptors für das Hormon Somatostatin. Die Therapiesubstanz verhält sich ähnlich wie Somatostatin, indem sie an den Rezeptor auf der Tumorzelle andockt und dort haften bleibt. Auf diese Weise kann das Tumorgewebe gezielt bestrahlt und zerstört werden.

Die Therapie wird stationär durchgeführt. Es erfolgen bis zu fünf Therapiezyklen im Abstand von zehn bis zwölf Wochen. Der stationäre Aufenthalt pro Zyklus beträgt in der Regel drei Tage. 

Radiosynoviorthese

Radiosynoviorthese (RSO) bei entzündlichen Gelenkerkrankungen

Die RSO ist ein seit Jahrzehnten etabliertes Verfahren zur Behandlung von Gelenkerkrankungen, bei denen sich die Gelenkschleimhaut immer wieder entzündet bzw. dauernd entzündet ist. Dies kann zum Beispiel bei rheumatischen Gelenkerkrankungen der Fall sein oder auch nach einem endoprothetischen Gelenkersatz. Praktisch alle Gelenke können behandelt werden. Das Wirkprinzip der RSO beruht auf der Injektion einer lokal wirksamen radioaktiven Substanz wie zum Beispiel Yttrium-90 in das erkrankte Gelenk.

Der Eingriff erfolgt tagesstationär, das heisst der Patient verbleibt anschliessend zur Kontrolle für wenige Stunden in der Klinik. Vorab erfolgt eine Dokumentation des Entzündungsprozesses mittels Magnetresonanztomographie (MRI) oder Szintigraphie. In der Regel ist ein Eingriff ausreichend; gelegentlich kann eine Wiederholung nötig werden.

SIRT

Selektive Interne Radio-Therapie (SIRT) zur Behandlung verschiedener Lebertumore

Die SIRT ist eine innovative, minimal-invasive Form der Behandlung von bösartigen Tumoren in der Leber. Sie wird sowohl beim Leberzellkarzinom (Leberkrebs) als auch bei Metastasen anderer Tumoren in der Leber angewendet, wenn lokale Verfahren wie Operation oder Radiofrequenzablation nicht möglich sind und eine Chemotherapie nicht ausreichend wirkt.

Bei der SIRT wird unter Röntgendurchleuchtung ein kleiner Schlauch (Katheter) von der Leiste in die Leberschlagader eingeführt; über den Katheter werden kleine radioaktive Kügelchen („Mikrosphären“) in die Leber verabreicht. Lebertumore sind im Normalfall stark über die Leberschlagader durchblutet; auf diese Weise gelangen sehr viele der Mikrosphären in das Tumorgewebe. In der Folge wird der Tumor bestrahlt und damit gezielt zerstört.

Die Behandlung wird in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Mikrotherapie/Swiss Intervention durchgeführt.