Wenn es mit dem schwanger werden nicht klappt, sehen die Frauen die Ursache meistens bei sich. Dies muss aber nicht sein, denn die Gründe für einen unerfüllten Kinderwunsch liegen gleichermassen häufig bei der Frau, beim Mann wie auch in der Kombination zwischen Frau und Mann. Oft lassen sich die Chancen auf das Wunschkind dank einer Vielzahl von Behandlungsmethoden positiv beeinflussen.
Rund 10-15 Prozent der Schweizer Paare haben Schwierigkeiten dabei, sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Fachpersonen sprechen vom unerfüllten Kinderwunsch, wenn es bei einem Paar innerhalb eines Jahres bei ungeschütztem Geschlechtsverkehr nicht zu einer Schwangerschaft kommt.
Zahlreiche Gründe können zur ungewollten Kinderlosigkeit führen. Deshalb werden Frau und Mann nach einem ausführlichen Gespräch individuell untersucht. In den meisten Fällen handelt es sich nicht um eine vollständige Unfruchtbarkeit, sondern um eine Fruchtbarkeitsstörung.
Unfruchtbarkeit der Frau
Immer mehr Frauen sehen sich mit dem unerfüllten Kinderwunsch konfrontiert. Neben dem Alter gibt es weitere Faktoren, die zu einer gestörten Fruchtbarkeit führen können. Oft lassen sich die Chancen auf das Wunschkind dank einer Vielzahl von Behandlungsmethoden positiv beeinflussen.
In den vergangenen Jahren hat die ungewollte Kinderlosigkeit zugenommen. Einerseits lässt sie sich mit dem veränderten Lifestyle erklären: Der Kinderwunsch hat sich bei vielen Paaren in eine späteren Lebensphase verschoben. Die Chance, spontan schwanger zu werden, nimmt nach dem 35. Lebensjahr deutlich ab.
Andererseits können eingeschränkte Eierstockreserven, eine gestörte Durchlässigkeit der Eileiter oder auch organische Ursachen in der Gebärmutter die Chance auf eine Schwangerschaft verringern.
Eine Endometriose oder das PCO-Syndrom, aber auch Myome können zur Kinderlosigkeit führen.
Myome
- Myome sind gutartige Tumoren in der Gebärmutter.
- Ca. 30 – 50 % aller Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter sind betroffen.
- Häufig bildet sich mehr als nur ein Myom.
- Im Extremfall können Myome so gross wie ein Fussball werden.
- Myome können sehr einfach durch eine gynäkologische Ultraschalluntersuchung entdeckt werden.
- Eine dauerhafte Therapie der Myome ist meistens nur durch die operative Entfernung möglich.
Detailliertere Informationen zum Krankheitsbild finden sie hier.
Mehr über Myome erfahren Sie auf dem Hirslanden Blog:
PCO-Syndrom
- Beim PCO-Syndrom (Polyzystischen Ovarialsyndrom) handelt es sich um eine hormonelle Störung.
- Es ist die häufigste hormonelle Störung bei Frauen im reproduktiven Alter.
- Rund eine von sieben Frauen ist von dieser Krankheit betroffen.
- Die hormonelle Störung führt zu erhöhter Konzentration männlicher Hormone.
- Als Folge bilden sich zahlreiche kleine Bläschen.
- Die Veranlagung für ein PCOS ist an sich nicht heilbar, jedoch lassen sich die Symptome und Folgen sehr gut behandeln.
Mehr über das PCO-Syndrom erfahren Sie auf dem Hirslanden Blog:
Endometriose
- Bei der Endometriose siedelt sich die Gebärmutterschleimhaut ausserhalb der Gebärmutter im Bauch.
- Die Schleimhautzellen haften sich am Bauchfell an und wachsen.
- Typische Symptome sind chronische Unterbauchschmerzen, starke Schmerzen während der Menstruation, während des Geschlechtsverkehrs und während des Stuhlgangs.
- Nach einer ausführlichen Anamnese wird in der Regel ein Ultraschall oder eine Bauchspiegelung durchgeführt.
- Mit einem chirurgischen Eingriff oder einer medikamentösen Massnahme lässt sich die Endometriose behandeln und so auch die Chance auf eine Schwangerschaft erhöhen.
Detailliertere Informationen zum Krankheitsbild finden sie hier.
Mehr über Endometriose erfahren Sie auf dem Hirslanden Blog:
Untersuchungsmethoden
- Mittels Hormontest und Ultraschalluntersuchung stellt der Arzt fest, ob ein regelmässiger Eisprung stattfindet (Hormon- und / oder Funktionsstörungen der Eierstöcke).
- Möglicherweise beschädigte oder veränderte Eileiter werden mittels bildgebenden Verfahren (Hysterosalpingo-Graphie, Kontrastultraschall-Methode) auf ihre Durchgängigkeit untersucht.
- Bei schwereren Ursachen für die Fruchtbarkeitsstörung können die weiblichen Fortpflanzungsorgane mittels einer Bauchspiegelung (Laparoskopie) und einer Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie) untersucht werden. Dabei handelt es sich um so genannte minimal invasive Eingriffe.
Behandlungsoptionen
- Hormonelle Stimulation: Bei der Hormonbehandlung der Frau werden Medikamente (Tabletten oder Injektionen) zur Reifung von Eizellen und zum Auslösen des Eisprunges verwendet.
- In-vitro-Fertilisation (IVF): Die Befruchtung erfolgt ausserhalb des Mutterleibes: Ei- und Samenzellen werden in einer Glasschale zusammengebracht und nach der Befruchtung über einen dünnen Katheter zurück in die Gebärmutter gegeben (Embryotransfer).
- Intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI): Unter einem speziellen Mikroskop wird ein einzelnes Spermium direkt in die Eizelle eingebracht.
- Einfrieren befruchteter Eizellen (Kryokonservierung): Eizellen können eingefroren und bis zu fünf Jahre gelagert werden.
Unfruchtbarkeit bei Männern
In zwei von drei Fällen ist der Mann mit seiner herabgesetzten Fruchtbarkeit mitverantwortlich für den unerfüllten Kinderwunsch. Viele Ursachen können aber durch einfache und wenig belastende Abklärungen identifiziert und behandelt werden.
Die Anzahl tatsächlich unfruchtbarer Männern liegt bei genau einem Prozent. Bei diesen Männern befinden sich keine Spermien im Ejakulat. In allen übrigen Fällen wird von einer leicht bis massiv herabgesetzten Fruchtbarkeit gesprochen. Häufig lässt sich aber auch eine herabgesetzten Fruchtbarkeit des Mannes durch eine gute Fruchtbarkeit der Frau kompensieren und umgekehrt.
Ablauf der Abklärung
Zu Beginn der Konsultation wird der Mann zum Gesundheitszustand befragt. Ziel ist es mögliche Risikofaktoren zu identifizieren. Anschliessend folgen die körperliche Untersuchung sowie ein Ultraschall von Hoden und Nebenhoden. Die Abklärung wird mit einer Untersuchung der Hormone im Blut und mit einem Spermiogramm (siehe Box) abgeschlossen. Das Ganze verläuft schmerzlos und nicht invasiv.
Varikozele, der häufigste Grund
Die Varikozele ist der häufigste Grund für die eingeschränkte Fruchtbarkeit bei Männern. Entlang des Samenstrangs und des Nebenhodens bilden sich Krampfadern, was zu einer Zunahme von Temperatur und Druck der Hoden führen kann. Dies hat wiederum einen negativen Einfluss auf die Spermienqualität. Die erkrankten Venen im Samenstrang können operativ entfernt oder verödet werden.
Erfahren Sie hier mehr zum Krankheitsbild Varikozele.
Andere Ursachen für Unfruchtbarkeit können sein:
- Hormonelle Störungen
- Geschwulste bzw. Tumore
- Angeborene Erkrankungen
- Vorkommnisse in der Vergangenheit wie beispielsweise Hodeninfektionen
Untersuchungsmethoden
Das Spermiogramm gilt als wichtige Screening-Untersuchung, um die Fruchtbarkeit des Mannes zu bestimmen. Im Vordergrund der Untersuchung steht die Spermienqualität. Im Labor wird ein Spermiogramm durchgeführt, um die Beschaffung, die Zahl und die Beweglichkeit der Samenzellen im männlichen Ejakulat zu bestimmen. U.a. werden folgende Eigenschaften überprüft:
- pH-Wert
- Spermienanzahl
- Spermien-Motilität (Beweglichkeit)
- Spermien-Vitalität
- Spermien-Morphologie
Behandlungsoptionen
- Insemination: In der Arztpraxis wird der Samen aufbereitet, um die beweglichen und normal beschaffenen Spermien herauszufiltern. Über einen dünnen Katheter werden diese zum Zeitpunkt des Eisprungs direkt in die Gebärmutter eingeführt.
- In-vitro-Fertilisation (IVF): Die Befruchtung erfolgt ausserhalb des Mutterleibes: Ei- und Samenzellen werden in einer Glasschale zusammengebracht und nach der Befruchtung über einen dünnen Katheter zurück in die Gebärmutter gegeben (Embryotransfer).
- Intracytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI): In Fällen mit schwerer Fruchtbarkeitsstörung des Mannes wird unter einem speziellen Mikroskop ein einzelnes Spermium direkt in die Eizelle eingebracht.
- Mikrochirurgische epididymale Spermienaspiration (MESA)/Testikuläre Spermienextraktion (TESE): Die MESA steht für die Gewinnung von Spermien aus den Nebenhoden. Bei der TESE wird eine Gewebeprobe aus dem Hoden entnommen. Beide Verfahren werden mit der ICSI kombiniert.
Künstliche Befruchtung
Bei der ungewollten Kinderlosigkeit handelt es sich in den meisten Fällen nicht um eine vollständige Unfruchtbarkeit des Paares, sondern um eine Fruchtbarkeitsstörung. Diese lässt sich durch eine Vielzahl von medizinischen Betreuungsstrategien behandeln.
Eine solche Behandlung wird individuell auf Sie abgestimmt und reicht von hormonellen Behandlungen, über erhaltende Massnahmen wie das Social Egg Freezing und Konservieren von Spermien, bis hin zur In-Vitro-Fertilisation und ICSI.
Ursachen ungewollter Kinderlosigkeit
Die Ursachen der ungewollten Kinderlosigkeit sind vielfältig und nicht selten eine Kombination aus mehreren Faktoren:
- Männlich bedingte Unfruchtbarkeit (reduzierte Spermienqualität)
- Weiblich bedingt Unfruchtbarkeit
- Anatomisch bedingt (durch diverse typische Grunderkrankungen z.B. verschlossene Eileiter nach Infektionen, Endometriose, Adenomyose, Myome, Polypen, Asherman-Syndrom etc.)
- Hormonell bedingt (Probleme mit der Hypophyse, PCO-Syndrom, Diabetes mellitus, zu hohe Level der männlichen Hormone, Schilddrüsenerkrankung, etc.)
- Altersbedingt (abnehmende weibliche Fruchtbarkeit ab 35 Jahren)
Erstgespräch und Untersuchung bei Kinderwunsch
Ein erstes Gespräch gibt Aufschluss über Ausgangslage und Möglichkeiten der Behandlung. Auf Basis des Erstgesprächs werden realistische Erfolgschancen abgeschätzt und erste Schritte der Behandlung definiert.
Obligatorische Basis-Checks entscheiden über die Erfolgschancen einer künstlichen Befruchtung.
Basierend auf den Untersuchungsergebnissen und Gesprächen ergibt sich eine persönlich auf Sie abgestimmte Betreuungsstrategie.
IVF und ICSI
Die gängigste Methode der Unfruchtbarkeitsbehandlung ist die In-Vitro-Fertilisation. In dieser findet die Befruchtung der Eizelle nicht im Körper der Frau statt, sondern „künstlich“ im Labor.
Ist die Samenqualität des Mannes beeinträchtigt, wird die verwandte ICSI-Methode angewandt, welche sich lediglich durch die Einführung des Spermiums in die Eizelle unterscheidet.
Neben den bekanntesten Methoden der künstlichen Befruchtung empfehlen sich auch alternative Methoden. Unsere Spezialisten beraten Sie hierzu gerne.
Voraussetzungen für eine künstliche Befruchtung
Um eine IVF- oder ICSI-Behandlung durchführen zu können, müssen folgende Voraussetzungen gegeben sein:
- Basisdaten vorhanden (Hormonuntersuchung der Frau, Ultraschall, Spermiogramm)
- Alter der Frau maximal zwischen 43-44 Jahre, Alter des Mannes maximal 63- 65 Jahre
- Negativer HIV, Hepatitis B/C, Lues -Status beider Partner
- Nachgewiesene Immunität gegenüber Röteln und Windpocken
- Stabile Partnerschaft (das Paar muss nicht verheiratet sein)
Eine Selektion von Embryonen nach Geschlecht oder äusseren Merkmalen ist in der Schweiz gesetzlich verboten.
Risiken
Eine künstliche Befruchtung führt nicht automatisch zu einer Schwangerschaft, und ein unerfüllt bleibender Kinderwunsch kann eine seelische Belastung für die betroffenen Paare sein. Ihr Arzt wird deshalb vor einer möglichen Behandlung immer das Gespräch mit Ihnen und Ihrem Partner suchen, um Ängste, Sorgen und Erwartungen zu besprechen und über das weitere Vorgehen aufzuklären.
Zur Gewinnung der Eizelle muss ein kleiner ambulanter Eingriff in Kurznarkose durchgeführt werden. Hier müssen die seltenen Risiken von Eizellpunktion und Kurznarkose in Betracht gezogen werden.
Detaillierte Informationen zu den gängigsten Methoden und Erfolgschancen der künstlichen Befruchtung finden Sie direkt unter In-Vitro und ICSI.
In unseren Kinderwunschzentren widmen sich auf Fortpflanzungsmedizin spezialisierte Gynäkologen ihrem Wunsch nach einem Kind. Sie verfügen über fachliche Spezialisierungen, operieren bei Erkrankungen der Geschlechtsorgane, bei Störungen in der Monatsblutung, bei Geschwüren und Fehlbildungen. Auch sind Sie auf Störungen des Hormonhaushaltes spezialisiert. Nehmen Sie gern mit unseren Zentren oder Spezialisten Kontakt auf.