Neuromodulation und Neurostimulation

Harnblase und Schliessmuskel werden von Nerven gesteuert, die ihren Ursprung in Nervenzentren im Rückenmark und im Gehirn haben. Nervenstränge des vegetativen Nervensystems steuern die Blase und den inneren Harnröhrenschliessmuskel, diese vegetativen Nervenfunktionen sind durch uns nur zum Teil willentlich beeinflussbar. Der äussere Harnröhrenschliessmuskel hingegen wird aktiv gesteuert und kann willkürlich zur Blasenentleerung geöffnet und danach wieder wasserdicht verschlossen werden. Vegetative und willkürlich steuerbare Nervenbahnen agieren eng verzahnt und sind durch eine Reihe von Reflexbögen verbunden. Mit Hilfe dieser Reflexe kann der Gesunde die Blasenentleerung steuern und seinem Alltagsleben anpassen. Ist diese feine Steuerung jedoch gestört, so sind oft Kontrolle und Funktion des Harntraktes gestört. Prinzipiell sind es zwei Zustände, die daraus resultieren können: eine Harninkontinenz oder das Gegenteil, eine nicht funktionierende Entleerung der Blase.


Bei der Neuromodulation werden durch eine elektrische Stimulation feine Nervenbahnen angeregt. Dadurch sollen jene Reflexe wiederhergestellt werden, die zur korrekten Funktion von Harnblase und Schliessmuskel notwendig sind. Durch Elektroden werden bestimmte Nervenbahnen der Kreuzbeinnerven stimuliert, denn dort bündeln sich die Nervenbahnen und Reflexe des Harntraktes. Da die Stimulation eine modulierende Wirkung auf die Reflexbahnen hat, lässt sich damit eine Reihe unterschiedlicher Störungen der Blasenfunktion behandeln. Das Verfahren hilft so gleichermassen Patienten mit überaktiver wie mit schlaffer Blase. Es werden feine Elektroden durch die Haut oder laparoskopisch auf den Kreuzbeinnerven im kleinen Becken platziert und mit einem batteriebetriebenen Stimulator verbunden. In einer Testphase von einigen Tagen wird dann stimuliert und der Erfolg ermittelt. Profitiert der Patient von der Stimulation, kann ein Stimulationssystem ähnlich einem Herzschrittmacher vollständig implantiert werden.

 

 

 

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