Medikamentöse Therapie der erektilen Dysfunktion

Weltweit sind Millionen von Männern betroffen, wobei die Erektile Dysfunktion (ED) meist ab dem 40. Lebensjahr auftritt. In der Massachusetts Male Aging Study wurde eine ED-Prävalenz von 52% bei Männern im Alter von 40 bis 70 Jahren erhoben. Die Inzidenz steigt mit zunehmendem Alter. Neben der ED zeigen sich als weitere häufige Sexualstörungen eine reduzierte Libido und Ejakulationsprobleme. Für die meisten Patienten stellt die attraktivste Behandlungsmöglichkeit der ED die oralen PDE-5-Inhibitoren dar.

Die Erektile Dysfunktion (ED) ist definiert als die wiederholte Unfähigkeit eine Erektion aufzubauen oder diese zu unterhalten, die ein Eindringen in die Scheide beim und Vollziehen des Geschlechtsverkehrs ermöglicht. Die attraktivste Behandlungsmöglichkeit der ED stellen die oralen PDE-5-Inhibitoren dar, da diese klinisch wirksam sind und ein gutes Nebenwirkungsprofil aufweisen. Derzeit sind 4 verschiedene PDE-5-Inhibitoren zugelassen: Sildenafil, Tadalafil, Vardenafil und der selektivere PDE-5-Inhibitor Avanafil [Tabelle 1].

Tabelle 1: Aktuell zugelassene PDE-5-Inhibitoren
Substanz Dosis Halbwertszeit Wirkdauer Effektivität Nebenwirkungen
Sildenafil (Viagra) 25-100mg
ca. 4h ca. 4h bis 80% Kopfschmerzen, Dyspepsie, Flush
Vardenafil (Levitra, Vivanza) 10-20mg 4.4-4.8h ca. 4h bis 80% Kopfschmerzen, Dyspepsie, Flush
Tadalafil (Cialis)
10-20mg
5mg*
17.5h 24-36h bis 80% Kopfschmerzen, Dyspepsie, Flush
Avanafil** (Spedra) 50-200mg 6-17h ca. 6h bis 80% Kopfschmerzen, Hitzegefühl, Nasenverstopfung
*Indikation in Kombination mit BPH und ED
**rascher Wirkungseintritt nach 15 Minuten

Bei fehlendem Therapieerfolg mit PDE-5-Inhibitoren bietet sich als nächste Stufe die Anwendung der SKAT Injektion (Schwellkörper-Injektion) an. Die SKAT Injektionen sind insbesondere bei organischen und nicht endokrinen Erektionsstörungen effektiv. Die hohe lokale Wirkkonzentration des Pharmakons induziert bei vielen Patienten eine Erektion, ohne dass systemische Nebenwirkungen auftreten. Als weitere Möglichkeit kann ebenfalls lokal MUSE (transurethrales PGE1) appliziert werden.

Eine alleinige Testosteronsubstitution zur Therapie der ED ist eher selten (ca. 3%) und wird meist in Kombination mit einem PDE-5-Inhibitor durchgeführt.

Vakuum-Pumpen sind bei vielen Patienten effektiv, da ein erektionsähnlicher Zustand erreicht werden kann, der ausreicht für den Geschlechtsverkehr. Die Zufriedenheitsraten werden in der Literatur mit ca. 70% angegeben, wobei diese Zahlen sich auf das Paar beziehen.

Schwellkörper-Implantate (semi-rigide oder hydraulische Modelle), werden immer noch als Ultima ratio angesehen. Die Einlage eines Schwellkörper-Implantates in die Corpora cavernosa führt zu einer irreversiblen Zerstörung des Schwellkörpergewebes und stellt somit eine endgültige Therapie dar.  

 

Literatur
Incidence of erectile dysfunction in men 40 to 69 years old: longitudinal results from the Massachusetts male aging study. Johannes CB, Araujo AB, Feldman HA, Derby CA, Kleinman KP, McKinlay JB. J Urol. 2000 Feb;163(2):460-3.