In der Hitze doppelt so schlimm: Frauen mit Lipödem müssen leiden

Die chronisch fortschreitende Krankheit „Lipödem“ hat es in sich: Die Ursache ist unklar, viele Ärzte kennen sie nicht, und die betroffenen Frauen leiden unter teils grossen Schmerzen an den voluminösen Beinen. Die hohen Temperaturen im Sommer begünstigen die Schwellungen und verschlimmern damit die Beschwerden noch zusätzlich.

Unförmige Figur und sehr schmerzhaft
Die betroffenen Frauen nehmen innert kürzester Zeit an den Beinen und seltener auch an den Armen überproportional an Umfang zu. Die übermässige Fettansammlung sieht nicht nur ästhetisch unvorteilhaft aus, das Hauptproblem ist die vermehrte Schmerzempfindlichkeit. Nur schon eine Bettdecke über den Beinen kann Druckschmerzen auslösen. Diäten und Sport bringen leider meist nicht viel, ausser dass sich der schlanke Oberkörper noch stärker von den voluminösen Beinen und Armen abhebt.

Ursache unbekannt
Die Ursache des Lipödem ist bisher nicht geklärt. Die Krankheit tritt familiär gehäuft und nur bei Frauen auf; ein hormoneller Auslöser ist anzunehmen. Die Krankheit kann bereits in der Pubertät ausbrechen, meist aber tritt sie während einer Schwangerschaft oder auch erst in den Wechseljahren auf. Die übermässige Fettansammlung an den Extremitäten entwickelt sich unabhängig vom Körpergewicht. Circa 5 % der Schweizerinnen leiden unter einem Lipödem – viele wissen aber gar nichts davon.

„Viele Betroffene weisen sich fälschlicherweise selbst die Schuld an ihrer Figur zu und leiden psychisch stark unter den Auswirkungen des Lipödem“, so Dr. med. Birgit Wörle, Leiterin des LipödemZentrum Zentralschweiz LZZ in Meggen.

Behandlungsmöglichkeiten
Das Lipödem kann einerseits konservativ behandelt werden mit Entstauungs- und regelmässiger Manueller Lymphdrainage-Therapie sowie mit dem konsequenten, täglichen Tragen von flachgestrickten Kompressionsstrümpfen. Diese lebenslange konservative Therapie lindert in vielen Fällen die Beschwerden, kann jedoch das Fortschreiten der Erkrankung nicht aufhalten.

„Die operative Fettabsaugung (Liposuktion) in Tumeszenz-Lokalanästhesie ist hingegen die einzige Methode, um den Krankheitsverlauf zu unterbrechen, die Schwellungen und Schmerzen nachhaltig zu reduzieren und den Patientinnen langfristig zu mehr Lebensqualität zu verhelfen“, beschreibt Dr. med. Birgit Wörle die Situation.

Einzige Anlaufstelle in der Zentralschweiz
Seit Februar 2017 existiert eine Beratungs- und Behandlungsstelle für Lipödem-Patientinnen in der Hirslanden Klinik Meggen. Dieses LipödemZentrum Zentralschweiz LZZ ist in seinem Konzept und Behandlungsangebot einzigartig in der Schweiz. www.hirslanden.ch/lzz-meggen

AKTUELL:
Petition eingereicht zur Übernahme der Kosten
Die Krankenkassen haben bis anhin die Liposuktion bei Lipödem-Patientinnen nicht anerkannt und unterstützen nur die konservative, rein symptomatische Behandlung. Anfang Juni 2017 hat die „Vereinigung Lipödem Schweiz“ eine Petition eingereicht, damit diese wirkungsvolle Methode in den Leistungskatalog aufgenommen wird.

Vereinigung Lipödem Schweiz
Die im Jahr 2014 gegründete Vereinigung Lipödem Schweiz ist eine Nonprofit-Organisation, welche es sich zur Aufgabe gemacht hat, eine Anlaufstelle für die Betroffenen und deren Angehörigen zu sein, Ärzte und Therapeuten auf diese Krankheit zu sensibilisieren, die Gesellschaft auf die Krankheit aufmerksam zu machen sowie beim Aufbau von Selbsthilfegruppen in der ganzen Schweiz zu helfen. Zudem ist es der Vereinigung ein grosses Anliegen, die Anerkennung der Krankheit Lipödem sowie deren Behandlungs- und Therapiemöglichkeiten bei den Schweizer Krankenkassen voranzutreiben. www.lipoedem-schweiz.ch