Schlaganfall und Streifung

Unter einem Schlaganfall/Hirnschlag versteht man ein plötzlich auftretendes neurologisches Defizit. Halten die Symptome mindestens 24 Stunden an, spricht man von einem Hirnschlag, vergehen sie inner­halb von weniger als 24 Stunden, wird von einer Streifung gesprochen. In beiden Fällen sind die Symptome iden­tisch und es sollte eine unverzügliche Abklärung in einer spezialisierten Schlaganfalleinheit erfolgen.

Was ist ein Schlaganfall?

Unter einem Schlaganfall (Hirnschlag) versteht man ein plötzlich auftretendes, neurologisches Defizit, z.B. eine Lähmung einer Körperhälfte, das mindestens 24 Stunden lang anhält. Ein Schlaganfall wird in etwa 5 von 6 Fällen durch eine Durchblutungsstörung (ischämischer Schlaganfall) und in den übrigen Fällen durch eine Blutung (hämorrhagischer Schlaganfall) verursacht.

Beim ischämischen Schlaganfall wird eine Arterie, die ein bestimmtes Hirnareal versorgt, dauerhaft durch ein Blutgerinnsel verstopft. Dadurch wird das betroffene Hirnareal nach etwa 10 Sekunden in zwei Zonen mit unterschiedlicher Prognose unterteilt: Im Zentrum liegt die am schlechtesten durchblutete Kernzone, die irreversibel geschädigtes Nervengewebe enthält. Darum herum befindet sich die etwas besser durchblutet Penumbra. Sie ist wie die Kernzone funktionell inaktiv, im Gegensatz zu letzterer jedoch nur reversibel geschädigt.

Eine Frage der Lebensqualität

Der Hirnstamminfarkt ist ein besonders schwerer Schlaganfall, der lebenswichtige Funktionen des Gehirnstamms betrifft wie das Schlucken, das Atmen oder das Bewusstsein. Bei sehr schweren, raumfordernden Schlaganfällen ist ein neurochirurgischer Eingriff möglich, eine Güterabwägung jedoch unerlässlich: Ein operativer Eingriff hilft dem Patienten mehrheitlich zu überleben, in der Regel kann er aber nicht mehr selbstständig werden. Vielfach wird in den Angehörigengesprächen mit dem Arzt – der Betroffene ist meist schwer krank und nicht entscheidungsfähig – der gemeinsam getragenen Entschluss gefällt, auf lebensverlängernde Massnahmen wie die genannte neurochirurgische Intervention zu verzichten und eine palliative Behandlung einzuleiten.

Was ist eine Streifung?

Eine Streifung, auch Transiente Ischämische Attacke (TIA) genannt, ist die Folge einer plötzlich auftretenden, jedoch vorübergehenden Durchblutungsstörung eines Hirnareals. Die dort lokalisierten Nervenzellen erhalten keinen Sauerstoff und keine Energieträger mehr; sie stellen ihre Funktion ein. Je nachdem, welches Hirnareal betroffen ist, treten unterschiedliche Symptome auf.

Die Symptome einer Streifung sind identisch mit denjenigen eines Schlaganfalls (Hirnschlag). Sie dauern bei einer Streifung weniger als 24 Stunden, meist weniger als 30 Minuten. Bei einem Schlaganfall halten sie jedoch mindestens 24 Stunden an.

Nehmen Sie die Warnsignale ernst

Sowohl bei einer Streifung als auch bei einem Hirnschlag sollte ein spezialisiertes Stroke Center aufgesucht werden. Obwohl die Anzeichen einer Streifung meistens nach kurzer Zeit verschwunden sind, sollte man nicht zur Tagesordnung übergehen – denn es ist Vorsicht geboten: Eine Streifung ist immer ein Warnsignal, denn bereits in den nächsten 48 Stunden erleidet jeder 20. Patient einen Schlaganfall. Schnelles Handeln ist deshalb erforderlich und hilft, drohenden Katastrophen vorzubeugen!

Medikamentöse und interventionelle Therapie

Ziel der Behandlung einer Streifung ist es, den mit einer grossen Häufigkeit nachfolgenden Hirnschlag zu verhindern. Der sofortige Beginn einer Behandlung mit Medikamenten, welche die Bildung von weiteren Blutgerinnseln verhindern, ist entscheidend. Je nach Herkunft der Blutgerinnsel werden die sogenannten Blutplättchenhemmer (z.B. Aspirin) oder Antikoagulantien (z.B. Marcoumar, auch als «Blutverdünnung» bekannt) eingesetzt.

Interdisziplinäres Ärzteteam

Falls die Streifung durch ein Gerinnsel verursacht wurde, dessen Ursprung in einer eingeengten Halsschlagader liegt, sollte diese Einengung in den nächsten 48 Stunden durch eine Operation beseitigt werden.

Besteht ein Hauptgefässverschluss, muss rasch gehandelt und eine Rekanalisation (Wiedereröffnung) eingeleitet werden, was ein rasches Aufbieten eines multidisziplinären Schlaganfall-Notfallteams bedingt. Die Rekanalisationsbehandlung eines Hauptgefässes wird durch das interventionelle Team der Neuroradiologie an der Klinik Hirslanden innert weniger als einer Stunde nach Eintritt durchgeführt.