Kopfweh - ganz banal?

Kopfweh gehört zu den häufigsten Krankheitsbildern, die in einer neurologischen Praxis behandelt werden. Dies ist nicht verwunderlich, leiden doch mehr als 50 % aller Menschen regelmässig unter Kopfschmerzen, 3 % sogar täglich.

Es gibt mehr als 200 Formen von Kopfschmerzen, die in zwei verschiedene Kategorien eingeteilt werden:

  • Primäre Kopfschmerzen, denen keine andere Erkrankung zugrunde liegt. Hierzu gehören Migräne, Kopfweh vom Spannungstyp sowie Cluster-Kopfschmerz.
  • Sekundäre Kopfschmerzen, die Folge einer anderen Erkrankung sind. Dazu zählen beispielsweise Kopfverletzungen, Hirnblutungen, Nasennebenhöhlenentzündungen, Tumoren oder Medikamentennebenwirkungen.

Migräne

In der Schweiz leiden ca. eine Million Menschen unter Migräne. Typischerweise äussert sich diese durch einen anfallsartigen, pulsierenden und meist halbseitigen Kopfschmerz. Dieser wird oft von zusätzlichen Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- oder Lärmempfindlichkeit begleitet und nimmt bei körperlicher Anstrengung zu. Ca. 20 % der Patienten leiden zu Beginn der Kopfschmerzen unter einer sogenannten «Aura»: vorübergehende Sehstörungen, Taubheitsgefühle oder Sprachstörungen.

Allerdings ist nicht jede Migräne typisch, sodass fälschlicherweise oft «Kopfschmerz vom Spannungstyp» diagnostiziert wird. Daraus resultiert eine ungenügende Behandlung. Bei korrekter Diagnose hingegen gibt es ein sehr breites Spektrum an medikamentösen und nicht medikamentösen Behandlungsoptionen.

Medikamentenübergebrauchskopfschmerz (MÜKS)

Immer häufiger wird eine übermässige Einnahme von Schmerzmitteln als Ursache von chronischem Kopfweh festgestellt. Natürlich stellen Schmerzmittel für Patienten zunächst einmal eine grosse Hilfe dar. Bei längerer regelmässiger Einnahme kann sich jedoch dadurch zusätzlich zu dem vorbestehenden Kopfschmerz ein MÜKS entwickeln, wovon schätzungsweise 1–2 % der Gesamtbevölkerung betroffen sind. Oftmals ist diese Behandlung schwierig und nur stationär in der Klinik möglich.

Gefährliche Kopfschmerzen

Nur selten ist Kopfschmerz Ausdruck einer gefährlichen Ursache wie einer Hirnblutung oder einer Hirnhautentzündung. Bei folgenden Warnzeichen sollte unbedingt ein Arzt aufgesucht werden:

  • Kopfweh, wie man es noch nie erlebt hat
  • Donnerschlagartig aufgetretener Kopfschmerz
  • Fieber und Nackensteife
  • Bewusstseinstrübung, Wesensänderung
  • Neurologische Ausfälle

Diagnostik

Im Vordergrund der Abklärungen stehen die sorgsame Erfassung der Beschwerden und die Erhebung eines neurologischen Untersuchungsbefundes. Nicht bei jedem Kopfschmerz ist es erforderlich, weiterführende Untersuchungen durchzuführen. Oft wird jedoch eine Bildgebung des Kopfes (in der Regel MRI) gemacht, um Ursachen für ein allfällig sekundäres Kopfweh auszuschliessen.

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