Die Schaufensterkrankheit – Unterschätzt und unterdiagnostiziert

Die Schaufensterkrankheit, im Fachjargon peripher-arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) genannt, ist eine der häufigsten Manifestationen von Gefässverkalkungen und betrifft fast jeden dritten im Alter über 60 Jahren. Das Vorkommen der Schaufensterkrankheit ist altersabhängig und nimmt im Alter zu. Es ist mit einer Zunahme dieses Problems zu rechnen, wenn man sich die Altersentwicklung der Bevölkerung in der Schweiz anschaut. Die Ursache ist in über 90% der Fälle die Gefässverkalkung (sog. Arteriosklerose), also die gleiche Grundkrankheit, die auch die herz- und die hirnversorgenden Arterien verengen kann.

Die Diagnose der Schaufensterkrankheit ist ganz wichtig, da damit die richtigen Empfehlungen und Medikamente verabreicht werden können, die das Risiko an einem Herzinfarkt oder Schlaganfall zu versterben, verhindern. Oft merken die Betroffenen lange nichts oder wissen die ersten Anzeichen nicht zu deuten.

Symptome der Schaufensterkrankheit

Die typischen Symptome sind belastungsabhängige Beinschmerzen, welche beim Gehen zunehmen und beim Stillstehen innert Minuten nachlassen.

Eine schwere Durchblutungsstörung, welche das Bein, aber auch das Leben bedrohen kann, kommt in 1-3% der Fälle vor. Bei solchen chronisch-kritischen Durchblutungsstörungen sind typische Symptome starke Ruheschmerzen, nicht heilende Wunden oder absterbende Haut an den Füssen die Regel. 

Untersuchung der Gefässe

Der Gefässspezialist kann bereits bei fehlenden Fusspulsen oder Strömungsgeräuschen über den Beinarterien eine Schaufensterkrankheit erahnen. Typische weitere Untersuchungen sind das Messen des Knöchel-Arm-Indexes (ABI), wobei ein ABI <0,9 das Vorhandensein einer Schaufensterkrankheit beweist. Diese Untersuchung tut nicht weh und ist schnell erledigt.

Um Gefässengstellen oder -verschlüsse zu lokalisieren wird meist eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt. Gelegentlich wird ergänzend noch eine Kontrastmitteldarstellung der Gefässe (Angiografie), Computertomographie (CT) oder auch eine Magnetresonanztomographie (MRI) durchgeführt. 

Behandlungsmöglichkeiten in der Hirslanden Klinik Aarau

Bei wenig fortgeschrittener Schaufensterkrankheit ist ein überwachtes Gehtraining nebst medikamentöser Behandlung empfehlenswert. Bei schlechtem Ansprechen des Gehtrainings oder Zunahme des Krankheitsbildes kann eine Ballondilatation („ballöndle“) eine Verbesserung herbeiführen. Hierbei wird eine Gefässengstelle oder ein Gefässverschluss in den meisten Fällen minimal-invasiv mit einem Ballonkatheter (Bild 1), Absaugkatheter oder, falls nötig, durch ein kleines Drahtgitternetz, eine sogenannte Stenteinlage (Bild 2), erfolgreich und mit geringem Risiko behandelt. Der Eingriff findet in örtlicher Betäubung statt und die meisten Patienten verspüren während des Eingriffes keine Schmerzen. 

Bild 1: Ballonkatheter
Bild 2: Stenteinlage

Die moderne Ballonkatheter- oder Stenttechnik (Bild 2) hat sich in den letzten Jahren so verfeinert, dass sie mit einem Medikament beschichtet sind, die das Risiko einer erneuten Verengung des behandelten Gefässes deutlich vermindert.

Nachbehandlung nach dem Eingriff

Eine medikamentöse Nachbehandlung ist zur Senkung des Herzinfarkt- und Schlaganfallrisikos notwendig. Sämtliche kardiovaskuläre Risikofaktoren müssen rigoros medikamentös behandelt werden und regelmässig kontrolliert werden, um empfohlene Richtwerte zu erreichen. Je nach Eingriff und Stenteinlage ist oft eine zusätzliche vorübergehende Blutverdünnung notwendig. Regelmässige spezialärztliche Nachkontrollen sind sinnvoll, um neu auftretende Engstellen früh zu erfassen. 

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