Möglichkeiten und Grenzen der Schlüsselloch-Chirurgie

Mit dem Begriff «Schlüsselloch-Chirurgie» wird umgangssprachlich die minimalinvasive Chirurgie bezeichnet. Es handelt sich um eine Operationsmethode, bei der durch kleine und kleinste Hautschnitte zum Beispiel in den Brust- oder Bauchraum eingedrungen wird. Unter Videokontrolle wird dann mit sehr kleinen und feinen Instrumenten operiert. Dadurch ist die Operation sehr schonend und im Körperinnern wird sie auf die gleiche Weise durchgeführt wie früher über den grossen Hautschnitt.

Die erste minimalinvasive Entfernung einer Gallenblase durch den Franzosen Philippe Mouret im Jahre 1987 gilt als Geburtsstunde der Schlüsselloch-Chirurgie in der Allgemeinchirurgie. Die Erfahrungen mit der Schlüsselloch-Chirurgie haben gezeigt, dass durch die Verkleinerung des chirurgischen Zuganges klare Vorteile für die Patienten resultieren, wie: weniger Schmerzen, raschere Erholung, kürzerer Krankenhausaufenthalt und bessere Lebensqualität.

Die Einführung der Schlüsselloch-Chirurgie ist die bedeutendste chirurgisch-technische Veränderung der letzten Jahrzehnte. Insbesondere die Entwicklung miniaturisierter Kamerasysteme war der Schlüssel dieser «technischen Revolution». Die anfängliche Euphorie aller Beteiligten (Ärzte, Industrie, Versicherer und Patienten) hat nach etwa zehn Jahren etwas nachgelassen. Es wurde gezeigt, dass prinzipiell sehr vieles mit der Schlüsselloch-Chirurgie operiert werden kann. Allerdings ist nicht alles, was machbar ist, auch sinnvoll. Bei einer Anzahl von Eingriffen ist es dagegen erwiesen, dass die Schlüsselloch-Chirurgie klare Vorteile hat.

Häufig durchgeführte Operationen mit der Schlüsselloch-Chirurgie:

  • Entfernung der Gallenblase bei Gallensteinen
  • Blinddarmentfernung bei akuter Entzündung
  • Operation beim Leisten- und Bauchwandbruch
  • Entfernung erkrankter Abschnitte des Dickdarmes bei gut- und bösartigen Erkrankungen
  • Bauchraumspiegelung bei unklaren Befunden oder Verwachsungen
  • Operation beim Zwerchfellbruch mit saurem Aufstossen
  • Entfernung der Milz
  • Entfernung der Nebenniere

Neue Entwicklungen

In den letzten Jahren gab es weitere technische Verfeinerungen. Die Roboterchirurgie wurde für die Entfernung der Prostata eingeführt. Es wurden neue optische Systeme entwickelt wie die «Highdefinition-» (HD-) und 3D-Optik. Im Weiteren ist es möglich, die Schlüsselloch-Chirurgie über einen einzigen Zugang sowie über natürliche Körperöffnungen durchzuführen.

Wann wird noch über grosse Schnitte operiert?

Es gibt Situationen, in denen die Schlüsselloch-Chirurgie noch erprobt und untersucht wird. Dies gilt insbesondere für die Behandlung bösartiger Leiden. Man möchte ja in diesen Fällen mit der Operation erreichen, dass die Patienten krebsfrei bleiben. Beim Dickdarm- und Mastdarmkrebs konnte bereits gezeigt werden, dass mit der Schlüsselloch-Chirurgie zumindest gleich gute Resultate erzielt werden können wie bei der Operation über einen grossen Bauchschnitt. Dies gilt aber nicht für die Behandlung von Speiseröhren- und Magenkrebs. Ebenfalls sollen Tumore der Bauchspeicheldrüse und der Leber über einen grossen Bauchschnitt operiert werden.

Zum heutigen Zeitpunkt kann man folgende Schlussfolgerung ziehen: Es ist absehbar, dass Operationen mit der Schlüsselloch-Methode in Zukunft die offene Chirurgie in den meisten Bereichen ergänzen, aber nicht ersetzen werden.

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