Die robotisch assistierte Chirurgie hat sich in den letzten Jahren zu einem wichtigen Bestandteil moderner Operationsverfahren entwickelt. An der Klinik Hirslanden stehen heute zwei Da-Vinci-Operationssysteme zur Verfügung: das seit vielen Jahren etablierte Da Vinci Xi sowie die neueste Generation Da Vinci 5. Im Dezember 2025 war die Klinik Hirslanden das erste Spital in der Schweiz, das das neue System in Betrieb nahm.
Die Technologie ermöglicht hochpräzise minimal-invasive Eingriffe in verschiedenen chirurgischen Fachbereichen, unter anderem in der Urologie und der Viszeralchirurgie. Ein computerisierter Telemanipulator (Operationsroboter) überträgt die Bewegungen des Operateurs exakt auf feinste Instrumente, die über kleine Zugänge in den Körper eingebracht werden. Die dreidimensionale Darstellung mit hoher Vergrösserung unterstützt eine besonders präzise und gewebeschonende Operation.
Technik
Grundlage der Da Vinci-Operationstechnik ist die präzise Übertragung der Hand- und Fingerbewegungen des Operateurs auf die Operationsinstrumente. Daher ist der häufig gebrauchte Begriff "robotische Chirurgie" genau genommen nicht korrekt. Vielmehr handelt es sich um einen computerisierten Telemanipulator, der nach dem so genannten "master-slave Prinzip" arbeitet. Die hierbei zur Anwendung kommenden Sicherheitsstandards sind durchaus mit denen der Flugzeugindustrie vergleichbar.
Wie bei konventionellen Bauchspiegelungseingriffen werden auch bei der Da Vinci-Technik die Instrumente über kleine Hülsen, die etwa den Durchmesser eines Füllfederhalters haben, in den Bauchraum eingebracht. Darüber hinaus hat Da Vinci mehrere Vorteile gegenüber der konventionellen Laparoskopie. Die Da Vinci-Instrumente verfügen über kleine mechanische Handgelenke, die man in ihrer Feinheit und Beweglichkeit schon fast als technische Wunder bezeichnen kann. Tatsächlich werden an sie in 7 Freiheitsgraden exakt die Bewegungen der Finger und Hände des Operateurs übertragen, der das OP-Feld über eine 3-dimensionale Optik mit der Möglichkeit der stufenlosen Vergrösserung einsieht. So ist er in der Lage auch feinste Strukturen wie Nervenbündel und kleine Gefässe sicher zu identifizieren, um genau, gewebeschonend und mit minimalen Blutverlust zu operieren.
Die entsprechend für die Patienten selbst wahrnehmbaren Vorteile sind:
- die schnelle schmerzfreie postoperative Erholung
- der kurze stationärer Aufenthalt im Krankenhaus
- das gute kosmetische Ergebnis
- die exakte Schonung der Erektionsnerven bei potenzerhaltenden Operationen
Für eine roboterassistierte Operation eignen sich alle Eingriffe, die früher offen oder laparoskopisch durchgeführt wurden. Durch die moderne Technik gelingt einerseits ein mikroskopisch genaues Arbeiten und andererseits eine anspruchsvolle Rekonstruktion im Bereich des Operationsgebietes. Die vollständige Entfernung der Prostatadrüse (radikale Prostatektomie) wegen Prostatakrebs ist weltweit die häufigste Operation für das roboterunterstützte Da Vinci-System. Durch die moderne Technik und die grosse Erfahrung unseres Operateurs am Urologie Zentrum, Dr. med. Martin Schumacher, wird so eine ausgezeichnete onkologische Heilung mit funktionellen Resultaten erreicht. Insbesondere im Hinblick auf Kontinenz und Potenz, was die Lebensqualität der so behandelten Patienten massiv steigert.
Anwendung
Da Vinci bei Prostata-Operation
Die radikale Prostatektomie, also die komplette Entfernung der Prostata, ist derzeit die am häufigsten durchgeführte Operation mit dem Da Vinci-Operationsroboter.
Zunächst werden die Lymphdrüsen im kleinen Becken präzise entfernt. Noch während des operativen Eingriffs können die Lymphdrüsen bei Bedarf feingeweblich untersucht werden, um das Vorliegen von Tumorzellen auszuschliessen oder nachzuweisen. Danach trennt der Operateur die Prostata von der Blase, löst sie unter Erhalt der Erektionsnerven aus ihrem bindegewebigen Bett und setzt sie schliesslich von der Harnröhre ab. Im nächsten Schritt wird die Prostata in einem so genannten Bergebeutel platziert und die Blase mit der Harnröhre über eine feine fortlaufende Naht verbunden. Abschliessend entfernt der Operateur den Bergebeutel mit der Prostata aus dem Bauchraum und übergibt sie dem Pathologen für die weitere Untersuchung.
Nach der Operation wird der Patient für ca. 3 Stunden im Aufwachraum überwacht und bei einem problemlosen Verlauf anschliessend auf die Normalstation verlegt, wo er abends von seinen Angehörigen besucht werden kann. Am nächsten Tag (1. postoperativer Tag) beginnt die Mobilisierung mit dem Aufstehen und selbständigen Waschen. Etwa am 4./5. Tag nach der Operation wird die Entlassung geplant.