Notfall in der Viszeralchirurgie

Patientenzeitschrift "Am Puls der Medizin"

Verschiedene Erkrankungen des Gastrointestinaltraktes können zu plötzlich einsetzenden Bauchschmerzen führen. Bei einigen Krankheitsbildern ist eine Operation zum richtigen Zeitpunkt entscheidend für eine schnelle Heilung. Hier sind die frühzeitige Diagnosestellung und ein rechtzeitiges Einleiten der weiteren Massnahmen durch ein erfahrenes Team notwendig.

Helfen Hausmittel wie eine Diät, warme Wickel, die Wärmeflasche oder in der Apotheke besorgte Medikamente bei Bauchschmerzen nicht weiter, sind die Praxen von Hausärzten, der ärztliche Notfalldienst oder die Notfallstation im Spital die ersten Anlauf- stellen für die Betroffenen.

Schnelle Diagnose durch ertasten

Wartet man in der Notaufnahme, wie ein Embryo eingerollt, damit die Schmerzen erträglich sind, wird man dem Arzt als «akutes Abdomen» angekündigt. Der Terminus «akutes Abdomen» bezeichnet eine meist akut einsetzende Symptomatik bei potenziell lebensbedrohlichen Erkrankungen im Bauchraum. Hier muss der Arzt schnell untersuchen und entscheiden, ob eine Operation erforderlich ist. Erfahrene Mediziner haben oft ein gutes Gespür, was dahinterstecken könnte, allein dadurch, dass sie rasch gezielte Fragen stellen und den Bauch durch Abtasten untersuchen. Je nachdem, in welchem Bereich des Bauches man die Schmerzen am heftigsten spürt und wie sich die Schmerzen anfühlen, gibt das dem Arzt einen ersten Hinweis.

In der Regel wird nach dem Gespräch und der körperlichen Untersuchung eine Blutuntersuchung sowie eine bildgebende Diagnostik notwendig. Hier können je nach Fragestellung eine Sonographie, ein Röntgenbild oder eine Computertomographie durchgeführt werden. Bei Vorliegen aller Befunde kann die weitere Therapie mit dem Patienten besprochen werden.

Häufige Notfälle in der Viszeralchirurgie

Die Liste der Erkrankungen, die nach Lehrbüchern Bauchschmerzen verursachen können, ist umfangreich, dementsprechend ist die Differentialdiagnostik schwierig. In der Praxis des Allgemeinarztes oder in der Notfallstation dominieren dennoch einige wenige Krankheitsbilder das klinische Spektrum.

35 – 50 Prozent aller schlussendlich operierten Patienten leiden an einer akuten Appendizitis (Blinddarmentzündung), 10 – 25 Prozent an einem mechanischen Ileus (Darmverschluss) und 10 Prozent an einer akuten Cholezystitis (Gallenblasenentzündung).

Akute Appendizitis

Die akute Appendizitis stellt das häufigste chirurgische Akutkrankheitsbild und gleichzeitig eine der häufigsten entzündlichen Erkrankungen des Gastrointestinaltraktes dar. Zu den typischen Symptomen einer Appendizitis gehören Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen, die sich dann mit der Zeit oft in den rechten Unterbauch verlagern. Aufgrund der zunehmenden Bauchschmerzen stellen sich die meisten Patienten innerhalb der ersten 24 Stunden vor. In jedem Fall stellt die operative Entfernung des Wurm- fortsatzes (Appendektomie) die Therapie der Wahl dar. Diese Operation wird in der Regel minimal-invasiv (Laparoskopie) durchgeführt.

Darmverschluss

Hinter kolikartigen Schmerzen im gesamten Bauch könnte ein Darmverschluss stecken, ein Ileus. Dabei wird der Darminhalt nicht weitertransportiert, zum Beispiel weil ein Tumor von aussen die Darmwand eindrückt oder weil der Darm durch Verwachsungen von einer früheren Operation «stranguliert» wird. Der Darm versucht, das Hindernis zu überwinden, was die Koliken auslöst. Oft hat der Patient keinen Stuhlgang mehr und erbricht gleichzeitig.

Durch einen Bauchschnitt wird der Bauchraum geöffnet und die Stelle ermittelt, die den Darmverschluss verursacht. Manchmal müssen nur Verklebungen zwischen den Därmen gelöst werden. Oft muss jedoch auch ein geschädigter Darmanteil entfernt werden.

Stieldrehung des Eierstocks

Als eine weitere mögliche Schmerzquelle gilt eine Torsion des Eierstocks. Das kommt häufiger bei grösseren Zysten oder einem Tumor des Eierstocks vor. Wenn ein solches Gebilde platzt, droht Lebensgefahr durch eine Blutung im Bauchraum. Ähnliche Komplikationen kann eine Eileiterschwangerschaft verursachen.

Freie Luft im Bauch

Freie Luft im Bauch ist Zeichen einer Hohlorganperforation (Ursache im Magen-Darm-Trakt) und bedarf immer einer notfallmässigen Operation.

In allen Fällen ist bei akuten Bauchschmerzen ein frühes Erkennen der Ursache wichtig für die weitere Therapie und eine schnelle Genesung. Wenn eine Operation notwendig wird, ist es besonders essenziell, dass ein Chirurg bei der Abklärung akuter Abdominalschmerzen frühzeitig involviert wird. Die Notaufnahmen der Klinik Beau-Site und des Salem-Spitals stehen allen Patienten mit akuten Bauchschmerzen 24 Stunden am Tag zur Verfügung. Auch hat immer ein Bauchchirurg Dienst, der entscheiden kann, ob eine Operation notwendig ist und der diese dann zusammen mit einem erfahrenen Team jederzeit durchführen kann.

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