Mithilfe gewisser Ernährungsanpassungen kann die Wundheilung unterstützt werden - sei es nach einer Sportverletzung, vor und nach Operationen sowie im fortgeschrittenen Alter. Diese Seite gibt einen Überblick über die Ernährungsempfehlungen.

Die Wundheilung ist ein physiologischer Prozess, welcher der Regeneration bzw. Reparatur bindegewebiger Strukturen wie der Haut, Knochen, Muskeln, Sehnen, Bänder und Faszien dient. Bereits wenige Sekunden nach einer akuten Verletzung oder einer Operation beginnen die Wundheilungsprozesse. Neben einer optimalen Dosierung von Belastung und Entlastung spielt auch die Ernährung eine wichtige Rolle für die Wundheilung. Über Ihre Ernährung können Sie die Wundheilung sowohl positiv wie auch negativ beeinflussen.

Ernährungsbestandteile

  1. Als Energiequelle nutzt der Körper folgende 3 Grundnährstoffe (Makronährstoffe):
  • Fett
  • Kohlenhydrate
  • Proteine / Eiweiss: Die Proteine spielen als Energieträger eher eine untergeordnete Rolle. Jedoch sind sie als Aufbaustoff für die Muskulatur und das Immunsystem unverzichtbar. Proteine sind somit an zahlreichen Vorgängen im Körper beteiligt und haben einen positiven Effekt auf die Wundheilung

2. Neben den Makronährstoffen werden mit der Nahrung auch Mikronährstoffe aufgenommen:

  • Vitamine: Für einen optimalen Wundheilungsverlauf sind alle Vitamine wichtig. Die wichtigsten Vitamine in diesem Zusammenhang sind jedoch die Vitamine A, C, D, E, K.
  • Mineralstoffe: Auch bei den Mineralstoffen sind alle wichtig. Besonders essentiell sind jedoch Zink, Selen, Eisen und Kupfer.
    Vitamine und Mineralstoffe sind ebenfalls an einer Vielzahl von Prozessen im Körper beteiligt und übernehmen dabei lebenswichtige Funktionen.

3. Als wichtigstes Transportmittel für die Nährstoffe gilt Wasser: Der Körper besteht zu 45-65% aus Wasser. Es wird zum Transport von Nährstoffen aber auch für den Abtransport von Stoffwechselendprodukten benötigt. Zudem ist es für weitere wichtige Funktionen wie der Regulierung der Körpertemperatur, des pH-Wertes und des Salzhaushalts unablässig. Wasser stellt die Lebensgrundlage für unseren Organismus dar und ist neben einigen Aminosäuren, Fettsäuren, den meisten Vitaminen und allen Mineralstoffen essenziell (vom Körper nicht selber herstellbar). Somit muss auch hier auf eine ausreichende Aufnahme geachtet werden.

Flüssigkeitszufuhr während Wundheilungsprozessen

TIPP: Versorgen Sie Ihren Körper mit genügend Flüssigkeit!

Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist unerlässlich für eine optimale Durchblutung und Sauerstoffanreicherung des heilenden Gewebes.

Die benötigte Gesamtflüssigkeitszufuhr (Getränke und Nahrung) pro Tag liegt bei 2-3 Liter. Wer sich an die Ernährungsempfehlungen der Schweizer Lebensmittelpyramide hält, "isst" bereits mehr als 1 Liter Wasser v. a. durch den Verzehr von Gemüse und Früchten. Die restlichen 1-2 Liter sollten bevorzugt in Form von ungesüssten Getränken, z. B. Hahnen-/ Mineralwasser oder Früchte-/ Kräutertee aufgenommen werden.

 

Die 3 Wundheilungsphasen

Die Wundheilung ist ein komplexer Prozess, der sich in 3 überlappende Phasen gliedert:

  • Entzündungsphase
  • Proliferationsphase
  • Remodulierungsphase
Wundheilungsphasen

Entzündungsphase

Während der Entzündungsphase wird die verletzte bzw. operierte Struktur vom Körper analysiert und für die Aufbau- und Reparaturprozesse vorbereitet. Diese initiale Entzündungsreaktion ist oft begleitet von Schmerzen, Schwellung, Rötung und Erwärmung. Bis zu einem gewissen Ausmass sind diese Entzündungszeichen normal und sogar wichtig für den weiteren Heilungsverlauf. Diese erste Phase dauert, abhängig vom Gewebetyp und vom Schweregrad der Verletzung, ca. 2-10 Tage.

Proliferationsphase

Die Proliferationsphase dient dem Wiederaufbau des Gewebes. Neues, allerdings noch schwaches Ersatzgewebe wird gebildet. Für die gesteigerten Produktions- und Reparaturvorgänge benötigt der Körper viel Energie - der Grundumsatz steigt. Das bedeutet, der Körper braucht mehr Makro- und Mikronährstoffe. Diese Phase dauert, abhängig vom Bindegewebe-Typ und vom Schweregrad der Verletzung, ca. 2 Wochen (z. B. Grundsubstanz/Haut) bis 12 Wochen (z. B. Sehnengewebe). 

Remodulierungsphase

Im Verlauf der Remodulierungsphase wird das Gewebe umgebaut und stabilisiert. Es richtet sich entsprechend der Belastungsreize optimal aus und wird so zunehmend belastbarer. Diese Umbauprozesse können abhängig vom Bindegewebetyp bis zu einem Jahr dauern. Eine ausgewogene und gesunde Ernährung ist die Basis für Ihre Gesundheit und eine optimale Geweberegeneration nach Verletzungen oder Operationen.

Ernährung vor geplanter Operation zur Verbesserung der Wundheilung

Vor grossen chirurgischen Eingriffen kann eine immunmodulierende Zusatznahrung (Immunonutrition) eingesetzt werden, um die Wundheilung nach der Operation positiv zu beeinflussen. Die Inhaltstoffe sind Arginin, Omega 3-Fettsäuren und Nukleotide. Dieses Präparat (Oral Impact, Nestlé) ist ein Pulver, welches in Wasser aufgelöst werden muss. Es wird von der Krankenkasse übernommen, wenn eine Kostengutsprache vorliegt. Dies wird von einer Ernährungsfachperson organisiert. Sinnvoll ist der Einsatz von "Immunonutrition" bei grossen Operationen wie z. B. im Mund- und Kieferbereich, an der Speiseröhre, am Magen, an der Bauchspeicheldrüse oder am Darm sowie bei gewissen Organtransplantationen. Diese Zusatznahrung soll eine Woche vor der geplanten Operation regelmässig eingenommen werden, um den besten Nutzen zu erzielen. Ein guter Ernährungszustand vor der geplanten Operation wirkt sich positiv auf die Wundheilung aus. Das bedeutet eine gesunde, ausgewogene, dem Bedarf entsprechende Ernährung mit stabilem Gewichtsverlauf.

Ernährung während der Wundheilung und nach einer Sportverletzung

Während der gesamten Wundheilungsphase sollten Sie ausreichend proteinreiche Nahrungsmittel (tierische und pflanzliche Proteine) zu sich nehmen. Unterstützen Sie die Wundheilung mit der Einnahme von Nahrungsmitteln mit einem hohen Gehalt an Vitaminen und Mineralstoffen. Da fast alle Vitamine und Spurenelemente bei der Wundheilung beteiligt sind und eine ausreichende Zufuhr über die Ernährung nicht immer gewährleistet werden kann, sollte ggf. ein All-in-one Präparat (z. B. Supradyn energy oder Burgerstein Cela) eingenommen werden.

Empfohlene Nahrungsmittel:

  • Frisches Gemüse (z. B. Blattsalat, Spinat, Karotten, Brokkoli, Peperoni, Zwiebeln, Knoblauch etc.)
  • Frisches Obst (z. B. Apfel, Birne, Banane, Zitrusfrüchte, Beeren, Trauben etc.)
  • Fleisch, Fisch, Eier, Milch, Joghurt, Quark, Käse, Fleischersatzprodukte, z. B. Tofu, Quorn etc.
  • Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte, Nüsse, Kerne und Samen (Chia-, Hanf-, Leinsamen)

Energiebedarf nach Verletzungen und Operationen

Gut zu wissen: Man könnte meinen, dass der Energieverbrauch nach einer Verletzung oder Operation aufgrund der eingeschränkten Bewegungsmöglichkeiten und der damit verbundenen, verminderten Aktivität reduziert sein sollte. Allerdings ist der Grundumsatz je nach Art und Grösse der Verletzung um 15-20%, im Extremfall sogar um 50% erhöht. Zusätzlich verbraucht das Gehen an Stöcken 2-3 mal so viel Energie wie normales Gehen.

Kohlenhydrate

Ergänzen Sie ihre Mahlzeiten mit geeigneten Kohlenhydraten:

  • Brot
  • Teigwaren
  • Getreide (v. a. Vollkorn) wie Reis, Quinoa, Couscous, Dinkel, Hirse, Hafer etc. 
  • Kartoffeln
  • Hülsenfrüchte

Ein Viertel unseres Energiebedarfes wird in der Regel durch Kohlenhydrate abgedeckt (3-5g/kg Körpergewicht). Da sie schnell viel Energie liefern können, eignen sie sich zudem sehr gut, um einen erhöhten Energiebedarf zu decken. Fehlen sie, wird Eiweiss als Energieträger verbraucht. Überdies sind Kohlenhydrate nötig, damit Proteine aufgenommen und verarbeitet werden können. Um noch mehr Nährstoffe auf einmal aufnehmen zu können, sollte man vor allem Vollkornprodukte mit einem höheren Anteil an sekundären Pflanzenstoffen und Antioxidantien verwenden.

Fisch

Fette

Tipp: Fette müssen in der Regel, abgesehen von den essenziellen Fettsäuren Omega-3 und Omega-6, nicht supplementiert werden.

Fette sollten nicht mehr als 25-35% unseres Gesamtenergiebedarfs decken. Sie sind in unserer heutigen Ernährung meistens ausreichend bzw. oft sogar übermässig enthalten. Fette sind bei der Heilung und Regeneration essenziell, wobei es stark auf die richtige Zusammensetzung und Qualität der Fette ankommt. Entzündungshemmend wirken mehrfachungesättigte Omega-3 Fettsäuren. Nur in geringen Mengen zu konsumieren sind Transfette, gesättigte, langkettige Fettsäuren und ein zu hoher Anteil an Omega 6-Fettsäuren. Um dies zu erreichen, sollten Sie mit Rapsöl, Leinöl, Olivenöl und Hanföl kochen und auf Distel- und Sonnenblumenöl verzichten. Ferner sollten Sie 1- bis 2-mal die Woche Fisch essen. Denn so nehmen Sie direkt die biologisch aktiven Omega-3-Fettsäuren (EPA) und (DHA) auf. Wenn Sie keinen Fisch konsumieren und nur selten Raps- oder Olivenöl benutzen, bietet ein Supplement (Omega 3-Kapseln) eine Alternative.

Proteine

Proteinquellen/Eiweissreiche Lebensmittel mit einer hohen biologischen Wertigkeit (=hoher Anteil essenzieller Aminosäuren) sind:

  • Eier 
  • Fleisch
  • Fisch, v. a. fette Kaltwasserfische wie Lachs, Makrele, Thunfisch, Hering, Heilbutt, Sardinen und Forellen sowie Algen
  • Milch und Milchprodukte 
  • Hülsenfrüchte und Soja

Der Proteinanteil sollte ein Viertel der täglichen Ernährung ausmachen. Ein gesunder Mensch braucht 0.8-1.2g Eiweiss pro kg Körpergewicht. Im Falle einer Wundheilung werden aber deutlich mehr Proteine benötigt. Werden die empfohlenen Mengen an Eiweiss nicht erreicht, können Supplemente wie z. B. ein Proteinpulver (Fresenius oder Lee-Sport) oder der Einsatz von Trinknahrungen hilfreich sein. Bei sehr grossen, schlecht heilenden Wunden wie z. B. Dekubitus können auch spezifische Supplemente wie Abound (Abbott) eingesetzt werden. Ein solches Produktenthält alle essentiellen Aminosäuren (insbesondere Arginin, Glutamin, Leucin/HMB).

Eiweissbedarf:

  • Alltagsbedarf: 0.8-1.2g / kg Körpergewicht
  • Sportbedarf ohne Wunde: 1.5-2.0g / kg Körpergewicht
  • Wundheilungsbedarf ohne Sport: 1.25-1.5g / kg Körpergewicht 
  • Wundheilungsbedarf mit Sport: 1.5-2.0g / kg Körpergewicht

Der Einfluss von Alkohol auf die Wundheilung

Gut zu wissen: Alkohol schwächt die körpereigene Immunabwehr und kann bereits bei einmaliger Zufuhr die Heilungsprozesse beeinträchtigen. Der Konsum von Alkohol während der initialen Entzündungsphase, führt zu einer verminderten Immunantwort und somit zu einem erhöhten Infektionsrisiko. Während der Proliferationsphase ist die Angiogenese, das heisst, das Einsprossen von Gefässen in das Wundgebiet, am meisten von den negativen Einflüssen des Alkohols betroffen. Sie kann bis zu 60% reduziert sein und zu einem lokalen Sauerstoffmangel im betroffenen Gewebe führen. Dies wiederum hat nachteilige Auswirkungen auf die weitere Heilung. Zusätzlich wird die Produktion von Kollagen, einer der wichtigsten Bausteine von bindegewebigen Strukturen (Haut, Knochen, Muskeln und Sehnen), durch Alkohol gestört.

Vermeiden sie alkoholische Getränke, wenn möglich während der gesamten Wundheilungsphase!

Der Einfluss des Rauchens auf die Wundheilung

Gut zu wissen: Rauchen erhöht das Risiko für postoperative Komplikationen wie Wundheilungsstörungen und Wundinfekte. Eine Rauchabstinenz führt zu einer Verbesserung der Reparaturvorgänge im Rahmen der Wundheilung und zu einer Verringerung des Infektionsrisikos. Es wird daher empfohlen, möglichst 2-6 Wochen vor einer Operation das Rauchen zu stoppen und ansonsten mindestens 24h vorher sowie auch in den anschliessenden 5 Tagen nicht zu rauchen. Da auch die Narbenbildung durch das Rauchen gestört ist, wäre ein Verzicht auf das Rauchen bis zum Abschluss einer gesicherten Wundheilung optimal.

Falls Sie Probleme mit einer radikalen Rauchentwöhnung haben, könnte die Verwendung eines transdermalen Nikotinpflasters nützlich sein. Besprechen Sie dies am besten mit Ihrem behandelnden Arzt/Ihrer behandelnden Ärztin.

 

Kurz zusammengefasst

Der Nährstoffbedarf ist während einer Wundheilungssituation erhöht. Sollte dieser mit der normalen Nahrung nicht abgedeckt werden können, erweisen sich Supplemente gewisser Nährstoffe als sinnvoll. Bitte besprechen Sie den Einsatz dieser Supplemente und deren Dosierung mit einer Fachperson (Ärzteschaft, Ernährungsberatung oder Physiotherapie). Sollten Sie beispielsweise aufgrund reduziertem Appetit Schwierigkeiten haben, den erhöhten Nährstoffbedarf abzudecken, dürfen Sie sich gerne für eine Ernährungsberatung im Zentrum für Innere Medizin der Hirslanden Klinik Aarau melden. Die Kosten hierfür werden von der Grundversicherung übernommen, wenn eine ärztliche Verordnung vorliegt.