Eine erwachsene Person atmet rund 20'000-mal pro Tag – meist ganz unbemerkt. Mit jedem Atemzug versorgt unsere Lunge den Körper mit lebenswichtigem Sauerstoff. Gleichzeitig kommt sie täglich mit Schadstoffen, Krankheitserregern und anderen Umwelteinflüssen in Kontakt. Vieles davon kann sie problemlos bewältigen – anderes kann ihr auf Dauer schaden. Welche Faktoren belasten unsere Lunge, wie können wir sie schützen und wann ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll?
Atmen geschieht ganz automatisch. Gerade deshalb machen wir uns meist erst Gedanken über unsere Lunge, wenn uns plötzlich die Luft fehlt oder ein Husten nicht mehr verschwinden will. Dabei leistet das Organ rund um die Uhr Erstaunliches: Über die Atemwege gelangt die eingeatmete Luft bis in die Lungenbläschen. Dort findet der sogenannte Gasaustausch statt – Sauerstoff wird ins Blut aufgenommen, Kohlendioxid wieder an die Atemluft abgegeben. Gleichzeitig ist die Lunge eines der Organe, das besonders intensiv mit unserer Umwelt in Kontakt steht. Mit jedem Atemzug gelangen nicht nur Sauerstoff, sondern auch kleinste Partikel, Krankheitserreger und Schadstoffe in die Atemwege. Dank eines ausgeklügelten Reinigungssystems – der sogenannten mukoziliären Clearance – kann sich die Lunge gegen viele dieser Eindringlinge selbst schützen. Dabei transportieren Schleim und feine Flimmerhärchen eingeatmete Partikel kontinuierlich wieder aus den Atemwegen. Ergänzt wird dieser Schutz durch Reflexe wie Husten. Werden die Atemwege jedoch dauerhaft oder über eine längere Zeitperiode hinweg Schadstoffen ausgesetzt oder durch Erkrankungen geschädigt, können diese natürlichen Schutzmechanismen beeinträchtigt werden.
Was unserer Lunge schadet
Zu den wichtigsten vermeidbaren Belastungen gehört Tabakrauch. Rauchen erhöht nicht nur das Risiko für Lungenkrebs, sondern spielt auch bei der Entstehung der chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) eine zentrale Rolle. Bei dieser Erkrankung sind die Atemwege dauerhaft verengt, wodurch das Ausatmen zunehmend erschwert wird.
Daneben beeinflusst die Qualität unserer Atemluft die Lungengesundheit. Feinstaub und andere Luftschadstoffe können bis tief in die Atemwege gelangen und dort Entzündungsprozesse begünstigen. Am Arbeitsplatz können je nach Tätigkeit beispielsweise Stäube, Dämpfe oder chemische Substanzen die Lunge zusätzlich belasten. Auch Infektionen können die Lunge vorübergehend oder dauerhaft beeinträchtigen. Besonders gefährdet für schwere Verläufe bestimmter Atemwegsinfektionen sind ältere Menschen sowie Personen mit chronischen Erkrankungen oder einem geschwächten Immunsystem.
Was können wir selbst für eine gesunde Lunge tun?
Die wichtigste Massnahme ist einfach formuliert: nicht rauchen. Wer raucht, profitiert auch nach vielen Jahren von einem Rauchstopp. Gleichzeitig lohnt es sich, Passivrauch möglichst zu vermeiden. Regelmässige Bewegung unterstützt ebenfalls die Lungengesundheit. Sie trainiert zwar nicht die Lunge selbst, verbessert aber die Leistungsfähigkeit der Atemmuskulatur sowie des Herz-Kreislauf-Systems. Dadurch kann der Körper Sauerstoff unter Belastung effizienter aufnehmen und nutzen.
Wer beruflich Staub oder anderen lungenschädigenden Stoffen ausgesetzt ist, sollte die vorgesehenen Schutzmassnahmen konsequent einhalten. Auch mögliche Belastungen im eigenen Zuhause – etwa durch Schimmel oder Radon – sollten ernst genommen werden. Einen weiteren wichtigen Beitrag zur Prävention können Impfungen leisten. Je nach Alter, Vorerkrankungen und individuellem Risiko können beispielsweise Impfungen gegen Influenza oder Pneumokokken das Risiko für schwere Atemwegsinfektionen reduzieren.
Wenn die Lunge Signale sendet
Nicht jede Erkältung und nicht jeder Husten erfordern eine pneumologische Untersuchung. Bestimmte Veränderungen sollten jedoch aufmerksam machen. Dazu gehören insbesondere länger anhaltender oder sich verändernder Husten, zunehmende Atemnot, eine unerklärliche Abnahme der körperlichen Leistungsfähigkeit oder wiederkehrende Atemwegsinfektionen. Auch anhaltende Heiserkeit oder Schmerzen im Brustbereich können eine ärztliche Abklärung erforderlich machen. Blutiger Auswurf (Hämoptysen) sollte immer zeitnah medizinisch untersucht werden.
Dabei gilt: Solche Beschwerden bedeuten keineswegs automatisch, dass eine schwere Lungenerkrankung vorliegt. Sie können viele unterschiedliche Ursachen haben. Eine frühzeitige Abklärung hilft jedoch, die Ursache zu finden und gegebenenfalls rechtzeitig mit einer Behandlung zu beginnen.
Früher hinschauen kann entscheidend sein
Welche Untersuchungen notwendig sind, hängt von den Beschwerden und der individuellen Situation ab. Am Anfang stehen das ärztliche Gespräch und die körperliche Untersuchung. Eine Lungenfunktionsprüfung (Spirometrie) zeigt, wie gut die Lunge arbeitet. Sie misst unter anderem, wie viel Luft ein- und ausgeatmet werden kann und ob die Atemwege verengt sind. Röntgenaufnahmen oder eine Computertomografie (CT) haben dagegen einen anderen Fokus: Sie machen Veränderungen des Lungengewebes oder der umliegenden Strukturen sichtbar. Bei bestimmten Fragestellungen kann zudem eine Bronchoskopie – eine Spiegelung der Atemwege – notwendig sein. Dabei können die Bronchien direkt betrachtet sowie Gewebe- oder Sekretproben entnommen werden. Diese helfen nicht nur bei der Diagnosestellung, sondern liefern heute häufig auch wichtige Informationen für die Wahl einer individuell abgestimmten Therapie.
Einige Lungenerkrankungen entwickeln sich schleichend und verursachen anfangs nur unspezifische Beschwerden. Das gilt auch für Lungenkrebs: In frühen Stadien treten häufig wenige oder gar keine eindeutigen Symptome auf. Anhaltende Veränderungen der Atmung oder der körperlichen Leistungsfähigkeit sollten deshalb insbesondere bei bestehenden Risikofaktoren nicht einfach als Alterserscheinung oder mangelnde Fitness abgetan werden. Für bestimmte Personen mit erhöhtem Lungenkrebsrisiko kann zudem eine gezielte Früherkennung mittels niedrig dosierter Computertomografie (Low-Dose-CT) infrage kommen. Wer Veränderungen der Atmung oder länger anhaltende Beschwerden ernst nimmt und frühzeitig ärztlich abklären lässt, schafft die besten Voraussetzungen, Lungenerkrankungen rechtzeitig zu erkennen und gezielt zu behandeln.
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