Medizin

Abnehmspritzen, Medikamente, Diäten oder chirurgische Eingriffe: Die Möglichkeiten zur Behandlung von starkem Übergewicht sind vielfältig. Welche Methode für Betroffene geeignet ist, hängt von der individuellen Ausgangslage, möglichen Begleiterkrankungen und den therapeutischen Zielen ab.

Starkes Übergewicht ist keine reine Frage der Disziplin.
Starkes Übergewicht ist keine reine Frage der Disziplin

Mehr als nur Übergewicht

Gemäss Schweizer Gesundheitsbefragung 2022 sind rund 43 % der Bevölkerung übergewichtig oder stark übergewichtig. Von Adipositas spricht man bei einem Body-Mass-Index ab 30. Medizinisch gilt sie als chronische Erkrankung mit unterschiedlichen Schweregraden. Sie entsteht durch ein komplexes Zusammenspiel genetischer, biologischer, hormoneller und umweltbedingter Faktoren. Starkes Übergewicht ist daher keine reine Frage der Disziplin.

Gesundheitliche Folgen

Adipositas kann zahlreiche gesundheitliche Folgen haben. Sie erhöht unter anderem deutlich das Risiko für Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes, Herzinfarkt, Schlaganfall, bestimmte Krebsformen, Gelenkbeschwerden und Schlafapnoe. Eine gezielte Behandlung ist daher häufig medizinisch notwendig. Grundlage jeder Therapie sind Ernährungsanpassung, regelmässige Bewegung und verhaltenstherapeutische Massnahmen, um langfristig tragfähige Veränderungen im Alltag zu verankern.

Medikamente können unterstützen – mit Grenzen 

Die öffentliche Aufmerksamkeit rund um die sogenannte Abnehmspritze und andere Medikamente zur Gewichtsreduktion ist derzeit gross. Neu sind diese Wirkprinzipien jedoch nicht. Wirkstoffe, die Hunger- und Sättigungsmechanismen beeinflussen, sind seit Jahren Teil der Adipositastherapie. Entscheidend ist: Medikamente können die Gewichtsreduktion unterstützen, entfalten ihre Wirkung aber in der Regel nur, solange sie eingenommen werden. Nach dem Absetzen kann es erneut zu einer Gewichtszunahme kommen. 

Die medikamentöse Therapie ersetzt weder Bewegung noch eine langfristige Anpassung der Ernährungsgewohnheiten. Ohne gezieltes Training kann neben Fett- auch Muskelmasse verloren gehen. Auch die Kostenfrage ist relevant: Die Übernahme durch die Krankenkassen ist an definierte Voraussetzungen geknüpft und oft zeitlich begrenzt. Sie gilt daher als unterstützende, nicht als alleinige Lösung.

Chirurgische Behandlung als nachhaltiger Ansatz

Für ausgewählte Patientinnen und Patienten mit schwerer Adipositas kann eine bariatrische Operation eine wirksame und langfristige Behandlungsoption sein. Dazu gehören etwa die Magenverkleinerung oder der Magenbypass. Die Eingriffe sind heute hoch standardisiert und werden minimalinvasiv durchgeführt. 

Neben der nachhaltigen Gewichtsabnahme können sich auch Stoffwechselerkrankungen, Bluthochdruck und andere gewichtsbedingte Beschwerden deutlich verbessern. Voraussetzung für einen Eingriff ist immer eine sorgfältige medizinische Abklärung.

Eine Operation erfolgt nicht isoliert, sondern ist Teil eines Gesamtkonzepts. Sie wird durch konservative Therapien vorbereitet und durch eine psychosoziale Betreuung begleitet. Ernährungsberatung, medizinische Kontrollen und eine langfristige Nachsorge bleiben zentrale Bestandteile der Behandlung.