Der Prostatakrebs ist die häufigste Tumorerkrankung des Mannes. Die Diagnostik und Therapie haben in den letzten Jahren einige Veränderungen erfahren und erfordern immer mehr ein enges und koordiniertes Zusammenarbeiten verschiedener medizinischer Fachgebiete. Um dies professionell und bestmöglich für das Patientenwohl zu realisieren, schliessen sich beteiligte Fachdisziplin immer häufiger in Zentren zusammen, wie im neuen Prostatakrebszentrum Bern am Salem-Spital.
Der Prostatakrebs ist mit jährlich rund 6'400 neu diagnostizierten Fällen der bei Weitem häufigste bösartige Tumor des Mannes und mit 1'300 Todesfällen nach dem Lungenkrebs die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache bei Männern in der Schweiz. Die Diagnose eines Prostatakrebses wird sehr selten vor dem 45. Lebensjahr gestellt und das Risiko, daran zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter an. Ist der eigene Vater an einem Prostatakrebs erkrankt, so ist das Risiko, auch daran zu erkranken, doppelt so hoch wie in der Normalbevölkerung. Ist der eigene Bruder betroffen, so ist das Risiko dreimal so hoch.
Symptome und Erstdiagnose
Typische frühe Symptome, die auf das Vorliegen eines Prostatakrebses hinweisen, gibt es leider nicht. Im Gegenteil: Häufig sind die ersten Symptome Knochenschmerzen als Zeichen von Absiedlungen im Knochen, welche ein spätes Tumorstadium darstellen, in dem eine vollständige Heilung vom Tumor nicht mehr möglich ist. Die Diagnose von Prostatakrebs erfolgt heute sehr häufig auf drei Arten: 1) weil im Rahmen einer Blutentnahme beim (Haus-)Arzt ein erhöhter PSA-Wert (Prostata-spezifisches Antigen) im Blutbild bestimmt wurde, 2) weil sich die Prostata beim Abtasten über den After verhärtet anfühlt oder 3) im Rahmen einer Abklärung von Problemen beim Wasserlösen. Diese Abklärungen erfolgen bzw. werden koordiniert durch eine/n Urologen/in als Spezialist für Erkrankungen der Prostata.
Vom Tumorverdacht zur genauen Tumordiagnose
Die Diagnose eines Prostatakrebses gilt erst als bestätigt, wenn ein Pathologe unter dem Mikroskop in einer Gewebeprobe die Krebszellen identifiziert, wobei die Gewebeprobe durch einen Urologen mit Hilfe einer Stanzbiopsiepistole aus der Prostata entnommen wird. Mittels der Analyse kann zusätzlich eine Beurteilung über das Aggressivitätspotenzial anhand des beobachteten Wachstumsmuster (wird als Gleason Score angegeben) gemacht werden. Während diese Biopsien früher dem «Nadel-im-Heuhaufen-Suchen» glichen, wird heutzutage möglichst gezielt tumorverdächtigtes Gewebe biopsiert. Deshalb wird bei einem Patienten mit Prostatakrebsverdacht zunächst eine Kernspintomographie (MRT)-Untersuchung der Prostata durch einen Radiologen durchgeführt. Die MRT ist derzeit die bestmögliche Bildgebung, um krebsverdächtigtige Herden in der Prostata zu lokalisieren und die Ausdehnung des Tumors in der Prostata und Umgebung zu beurteilen. In Zusammenarbeit von Radiologen und Urologen können die auffälligen Prostataareale definiert und gezielt biopsiert werden. Ist die Diagnose eines Prostatakrebses feingeweblich durch den Pathologen gesichert, erfolgen Abhängigkeit von der Höhe des PSA-Wertes, der Tumorausdehnung innerhalb der Prostata und dem Wachstumsmuster des Tumors weitere bildgebende Untersuchungen, um festzustellen, ob der Tumor auf die Prostata begrenzt ist (lokalisierter Prostatakrebs) oder sich bereits im Körper Absiedlungen (Metastasen) finden lassen. Diese erweiterte Diagnostik wird auch als Staging bezeichnet. Zur Anwendung kommen Computertomographien (CT), die von Radiologen/innen durchgeführt werden, Knochenszintigraphien oder ganz neu in bestimmten Indikationen PSMA-PET-CT-Untersuchungen, welche beide in das Spezialgebiet der Nuklearmedizin gehören.
Die Interdisziplinäre Therapiebestimmung
Sind diese Untersuchungen abgeschlossen, wird ein neu diagnostizierter Prostatakrebs-Patient mit allen Befunden in einem interdisziplinären Tumorboard vorgstellt. In diesem Gremium sind alle Spezialisten vertreten, die an der Diagnose und Therapie beteiligt sind, darunter Urologie, Radiologie, Pathologie, Strahelntherapie, Onkologie und Nuklearmedizin. Anhand der vorliegenden Befunde wird für jeden Patienten unter Berücksichtigung des Alters, des Allgemeinzustandes und seiner Begleiterkrankungen ein individuell zugeschnittenes Therapiekonzept, basierend auf nationalen und internationalen Behandlungsleitlinien, empfohlen.
Für lokalisierte, auf die Prostata begrenzte Krebse können bei wenig aggressivem Wachstumsmuster des Tumors lediglich regelmässige Kontrollen (sogenannte Active surveillance) oder bei aggressiverem Wachstumsmuster lokale Therapien mit dem Ziel der Heilung erfolgen, wie z.B. operative vollständige Entfernung der Prostata, Bestrahlung der Prostata von aussen oder Einbringen von Strahlenkörperchen in die Prostata (Brachytherapie).
Davinci-Technologie und neues Prostatakrebszentrum Bern
Bei der operativen Therapie haben sich in den letzten Jahren minimalinvasive roboter-unterstützte Verfahren mit Hilfe des daVinci-Systems durchgesetzt, da sie für den Patienten weniger postoperative Schmerzen, geringe Blutverluste und eine schnellere Genesung ermöglichen. So arbeiten die erfahrenen Fachspezialisten des Zentrums für Urologie und Nephrologie (ZUN) am Salem-Spital bereits seit 2013 mit der Robotertechnologie – seit 2019 mit dem Modell daVinci Xi.
Die Diagnose und Therapie eines Prostatakrebses erfordern eine enge Zusammenarbeit mehrerer Spezialisten. Um dieses Zusammenspiel optimal zu koordinieren und für den Patienten einfacher zugänglich zu machen, wurde per 1. Mai 2021 das neue Prostatakrebszentrum Bern am Salem-Spital gegründet. Gemeinsam sind wir stark, Ihnen bestmöglich zu helfen!