In den letzten 20 Jahren wurden bei der Therapie von Herz- Kreislauf-Erkrankungen grosse Erfolge erzielt: Die Frühsterblichkeit bei Herzinfarkten wurde halbiert, die Sterblichkeit bei Herzschwächen um 33% gesenkt. Eingriffe, die früher nicht möglich waren, werden heute von Kardiologen minimalinvasiv durchgeführt. Dennoch sind Herz-Kreislauf -Erkrankungen heute immer noch die häufigste Todesursache in unserer Gesellschaft.
Die gestiegene Lebenserwartung der Schweizer Bevölkerung über die letzten Jahrzente beruht nicht unwesentlich auf Entwicklungen und Erfolgen in der Kardiologie. Oft geht eine bessere Lebensqualität mit dem verlängerten Überleben einher. Die mittlere Lebenserwartung von Männern lag 2019 bei 81.9. für Frauen bei 85.6 Jahren. Ein Tod vor dem 70. Lebensjahr gilt als heutzutage als vorzeitig. Dennoch sind Herzkreislauferkrankungen für rund jeden dritten Tod die Ursache.
Behandelbare Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Zu den häufigsten Risikofaktoren für Herzkreislauferkrankungen gehören Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte, Diabetes, Bewegungsmangel und das Rauchen. Im Jahr 2017 waren 18% der Bevölkerung von Bluthochdruck betroffen oder nahmen Medikamente dagegen. 1992 betrug dieser Anteil noch 14%. Der Anteil der Personen mit Bluthochdruck steigt mit dem Alter an. Eine optimale Einstellung der behandelbaren Risikofaktoren ist eine gesamtgesellschaftliche Anstrengung.
Durchblutungsstörung des Herzens (koronare Herzerkrankung)
Die Durchblutungsstörung des Herzens stellt bei Männern über 45 Jahren die häufigste Todesursache dar. Bei Frauen ist diese ebenfalls den Herzkreislauferkrankungen zuzurechnen. Eine Halbierung der Frühsterblichkeit bei einem Herzinfarkt war durch die frühzeitige Wiedereröfnung der Herzkranzgefässe möglich, was in der Schweiz fast immer durch einen Notfall-Herz-kathetereingriff durchgeführt wird. 1977 fand die erste Ballonerweiterung einer Herzkranzarterie durch den Arzt Andreas Grüntzig in Zürich statt. Seitdem wurde die Methode rasant weiterentwickelt und hat sich weltweit, bis hin zur Therapie des akuten Herzinfarktes, als Goldstandard etabliert. Heute können Kardiologen akut und chronisch verschlossene Gefässe wiedereröffnen und auch schwerst verkalkte Gefässe zunehmend gut behandeln. Die moderne Stenttechnologie und die verbesserte Bildgebung machen die Methoden zunehmend sicher und individuell. Komplikationsraten bei Interventionen an den Herzkranzgefässen liegen heutzutage bei ca. 2%. Die 24-h-Tag-Verfügbarkeit eines nah gelegenen Herzkatheterlabors ermöglicht flächendeckend die Behandlung von akuten Herzinfarkten.
Herzschwäche (Herzinsuffizienz)
Aufgrund der steigenden Überlebensrate von Patienten mit einem Herzinfarkt sowie der heutigen, besseren Behandelbarkeit chronischer Herzerkrankungen nimmt die Zahl der Patienten mit Herzschwäche weiter zu. In den letzten 20 Jahren hat sich die Zahl verdoppelt mit weiterhin steigender Tendenz. So sind in der Schweiz 1% der 50- bis 60- jährigen und ganze 10% bei den 70- bis 80- Jährigen betroffen. Neben vielversprechenden Neuentwicklungen bei Medikamenten kann bei bestimmten Patienten ein spezieller Herzschrittmacher das Herz unterstützen und der implantierbare Defibrillator einen plötzlichen Herztod verhindern. Eine neue Therapieoption ist die Herzkatheterbasierte Behandlung von undichten Herzklappen.
Vorhofflimmern (die häufigste Herzrhythmusstörung)
Die gesellschaftliche Tragweite von Vorhofflimmern ist zunehmend und gravierend. Gemäss heutigen Prognosen wird jeder dritte 55-Jährige im Laufe seines Lebens an Vorhofflimmern erkranken. Ca. 5% dieser Patienten haben pro Jahr ein kardiovaskuläres Ereignis (z.B. einen Schlaganfall) und etwa ein Drittel der Betroffenen leidet an Herzschwäche.
Die Behandlung von Herzrhythmusstörungen, häufig auch mit Kathetertechnik, ist von zunehmender Wichtigkeit. Durch diese Therapie kann z.B. Vorhofflimmern verhindert werden. Diese Eingriffe werden von Kardiologen in einem speziellen Herzkatheterlabor durchgeführt.
Minimalinvasiver Ersatz der Herzklappen
Insbesondere für die Aortenklappe hat sich das Verfahren der TAVI etabliert (minimalinvasiver Ersatz der Herzklappe, meist über die Leiste) und stellt zunehmend für ältere Patienten die Methode der Wahl dar. Heute profitieren bereits Patienten mit leichtem bis mässigem Operationsrisiko von dem schonenden Verfahren. Minimalinvasive Reparaturverfahren für undichte Herzklappen, meist für die Mitralklappe (z.B. Mitraclip), sind ebenfalls seit über zehn Jahren etabliert und können bei sorgfältiger Patientenauswahl helfen, eine Hochrisiko-Operation zu vermeiden. Diese Eingriffe werden von Kardiologen oft zusammen mit Herzchirurgen in einem Hybrid-Katheterlabor durchgeführt.
Das Herzteam – Entscheidungsgremium für komplexe Behandlungen
Patientenleiden, welche heutzutage einer Herzoperation oder einem komplexen minimalinvasiven Verfahren unterzogen werden, werden in einem Team aus Kardiologen und Herzchirurgen sowie optional Anästhesisten besprochen, um die bestmögliche Therapie für den Patienten zu bestimmen. Noch immer suchen viele Patienten den Kardiologen zu spät auf, dabei sind heutzutage viele akute Kreislaufereignisse sowie plötzliche Herztode vermeidbar geworden. Die Kardiologische Gemeinschaftspraxis Bern (KGP), als grösste Kardiologie nach dem Inselspital im Kanton, bietet zusammen mit der Klinik Beau-Site modernste Kardiologie in einem hochspezialisierten Umfeld an. Dabei werden alle Teilbereiche der Kardiologie von Spezialisten der Praxis auf hohem Niveau abgedeckt. Eine durchgehende persönliche Betreuung bietet dabei den Standard, welcher für eine bekannt hohe Qualität steht.