Der Brustkorb, oder auch Thorax genannt, ist unser aller menschlicher Schutzschild. So stark er nach aussen wirken mag, so zerbrechlich ist er in seiner einzigartigen Anatomie. Lesen Sie mehr über angeborene Deformationen, Erkrankungs- und Verletzungsmöglichkeiten, aber auch über deren Behandlungsmethoden an der Klinik Beau-Site durch unsere Experten Prof. Dr. med. Gregor Kocher, Dr. med. Robert Stein und PD Dr. med. Beatrix Hocksch.
Wussten Sie, dass der Lungenkrebs von allen Krebsarten die meisten Todesopfer fordert und er die zweithäufigste Krebsart überhaupt ist? Allein 120 Fälle davon wurden im Jahr 2021 in der thoraxchirurgischen Abteilung der Hirslanden Klinik Beau-Site behandelt. Doch was genau umfasst die Thoraxchirurgie nebst der chirurgischen Behandlung von Lungenkrebs eigentlich noch alles? Die Antwort dazu ist im Grunde simpel, wenngleich die chirurgischen Eingriffe so vielfältig wie ein Kunstgemälde sind: Die Thoraxchirurgie befasst sich mit Erkrankungen und Verletzungen der Brustwand - zu der die Brustwirbel, die Rippen und das Brustbein gehören - sowie aller Organe im inneren des Brustraums mit Ausnahme des Herzens und der Hauptschlagader (med.: Aorta). So gehören beispielsweise Rippenbrüche ebenso dazu wie die chirurgische Entfernung eines Lungenanteils wegen Lungenkrebs. Kurz und knapp: Die Thoraxchirurgie behandelt vom Kehlkopf bis zum Zwerchfell alles Mögliche: Knochen, Organe, Luftwege, Muskeln, Nerven und Gefässe.
Zu den häufigsten Erkrankungen zählen insbesondere der Lungenkrebs (Altersdurchschnitt 70 Jahre), Flüssigkeitsansammlungen zwischen Lunge und Brustwand (med.: Pleuraerguss) sowie Luftansammlungen zwischen Lunge und Brustkorb (auch Lungenkollabs genannt oder med.: Pneumothorax). An dieser Stelle sei insbesondere auf das erhöhte Erkrnakungsrisiko für Raucherinnen und Raucher hingewiesen. weitere Erkrankungen sind angeborene Brrustwanddeformationen wie die Trichterbrust (Vorwölbung des Brustbeins nach innen mit Einengung von Herz und Lunge) und die Kielbrust (Vorwölbung des Brustbeins nach aussen), die bestenfalls zwischen dem 14. und 20. Lebensjahr behandelt werden. Auch Gefühls- und Durchbluttungsstörungen in Schultern und Armen, die durch die Kompression von Nerven, Arterien oder grossen Venen im Hals- und Brustbeinbereich auftreten (med. Thoracic-outlet-Syndrom), können durch die Entfernung der obersten Rippe behandelt werden. Weiter können übermässiges Schwitzen an Händen, Achselhöhlen und Gesicht (Hyperhidrose) bzw. das unkontrollierte Erröten im Gesicht (Erythrophobie) durch Nervenstörungen hervorgerufen und mittels eines minimalinvasiven Eingriffs, der sog. «Sympathektomie», behandelt werden. Nicht zuletzt sind Tumorerkrankungen in sämtlichen Organen zentraler Bestandteil der Thoraxchirurgie. Operative Eingriffe im Bereich des Brustkorbs gehören damit in die Hände erfahrener Spezialisten und somit - mit Ausnahme der Lungentransplantation - zum Leistungsangebot der Klinik Beau-Site. Sie werden, wenn immer möglich, mit minimalinvasiven Operationsverfahren, vermehrt auch mit dem Einsatz hochpräziser Technik des Da-Vinci-Roboters durchgeführt. Nebst der interdisziplinären Zusammenarbeit mit den Kolleginnen und Kollegen aus der Pneumologie, Onkologie, Radio-Onkologie, Anästhesie und Physiotherapie sind unsere Fachspezialisten aus der Thoraxchirurgie im wöchentlichen Tumorboard der Klinik Beau-Site vertreten, bei dem «die beste Behandlung für den Patienten und sein jeweiliges Krankheitsbild» besprochen wird, so Prof. Dr. med. Kocher.
IM TUMORBOARD LEGEN WIR DIE BESTMÖGLICHE BEHANDLUNG FÜR DEN PATIENTEN FEST, NICHT NUR FÜR DEN TUMOR
Prof. Dr. med. Gregor Jan Kocher
Bei Hirslanden Bern setzten wir uns stark für die Aus- und Weiterbildung des ärztlichen Nachwuchses ein. So bietet die Klinik Beau-Site als anerkannte Weiterbildungsstätte der Kategorie B für das Fach Thoraxhcirurgie jährlich 1-2 Assistenzarztstellen für ein Jahr an. Mit der Teamverstärkung durch Prof. Kocher im April 2022 und dem erklärten Ziel, auch zunehmend in der Forschung aktiv zu werden, konnte nun die Qualifizierung für die Kategorie A mit einer anrechenbaren Ausbildungszeit für 2,5 Jahre beantragt werden. Ganz nach dem Motto und zum Wohle unserer Patientinnen und Patienten: «Wissen teilen heisst Wissen multiplizieren.»