Zehn Minuten für die eigene Gesundheit: Für Charlotte Scheuber sind sie eine bewusste Entscheidung. Die 54-Jährige ist die erste Frau, die sich im Rahmen des neuen kantonalen Brustkrebsvorsorgeprogramms in der Hirslanden Klinik St. Anna untersuchen lässt. Eine Brustkrebserkrankung in ihrer Familie macht ihr einmal mehr bewusst, wie wichtig die Vorsorge ist.
Es ist ein gewöhnlicher Montagmorgen. Für Charlotte Scheuber ist er trotzdem ein besonderer. Für die 54-jährige Rainerin wird sinnbildlich der «pinke Teppich» ausgerollt. Sie ist die erste Frau, die im Rahmen des neuen kantonalen Brustkrebsvorsorgeprogramms für eine Mammographie in die Hirslanden Klinik St. Anna kommt. Nachdem sie T-Shirt und BH ausgezogen hat, stellt sie sich vor das Mammographie-Gerät. Die Untersuchung ist für sie nicht neu. Vor vier Jahren hat sie bereits eine Mammographie gemacht. Trotzdem erklärt ihr die Radiologiefachperson jeden Schritt. «Es ist gut zu wissen, was auf einen zukommt», so Frau Scheuber. Für die erste Aufnahme wird ihre rechte Brust sorgfältig auf die Auflage gelegt und positioniert. Die Plexiglasplatte wird vorsichtig abgesenkt. Ein kurzer Druck – dann ist die erste Bild gemacht. Danach folgt die linke Brust. Zum Schluss entstehen von beiden Brüsten noch je eine Aufnahme aus einem seitlichen Winkel. «Der Druck auf die Brust ist sicher nicht das angenehmste Gefühl», meint Scheuber. «Aber es ist aushaltbar.» Ihr Tipp für diesen kurzen Moment: an etwas Schönes denken. Nach wenigen Minuten ist die Untersuchung vorbei. Charlotte Scheuber zieht sich wieder an. «Ich habe mich während der ganzen Untersuchung wohl und gut aufgehoben gefühlt. Besonders geholfen hat mir, dass ich jederzeit wusste, was als Nächstes passiert.»
Mehr als man ertasten kann
Vorsorge gehört für Charlotte Scheuber dazu. Darum lässt sie sich dieses Jahr durchchecken, um mögliche Erkrankungen früh zu erkennen. Ihre Frauenärztin in Kriens machte sie auf das neue Brustkrebsvorsorgeprogramms des Kantons Luzern aufmerksam. Für sie war schnell klar, dass sie das Angebot nutzen möchte. Auch aus persönlichem Grund: Eine Cousine von ihr ist an Brustkrebs erkrankt. «Der Gedanke, dass das bei mir auch der Fall sein könnte, ist auf jeden Fall da», erzählt sie. Bei der Mammographie sehe man mehr, als wenn man die Brust abtastet. «Es ist gut, wenn man Gewissheit hat und weiss, alles ist gut.»
Fachärztin für Radiologie
Mit einer Mammographie lassen sich Veränderungen in der Brust frühzeitig erkennen. Oft lange bevor sie als Tumor tastbar sind. Denn ein Tumor ist häufig erst ab einer Grösse von etwa 2 cm fühlbar. Wird Brustkrebs früh erkannt, ist die Behandlung in der Regel mit weniger Nebenwirkungen verbunden und die Heilungschancen sind besser.
Darüber reden? Unbedingt.
Ihre Erfahrung möchte Charlotte Scheuber mit anderen Frauen teilen. Sie weiss, dass das Thema Brustkrebs und die Mammographie bei manchen Frauen Unsicherheit auslöst. Über Brustkrebsvorsorge wird noch zu wenig gesprochen. Das möchte Frau Scheuber ändern. Bei ihrem Arbeitgeber will sie über das Vorsorgeangebot informieren, Flyer auflegen und mit ihren Kolleginnen darüber sprechen. Auch einen Beitrag für das interne Mitarbeitenden-Magazin plant sie. Ihre Haltung zum Thema ist bewusst unkompliziert: «Für viele ist Brustkrebs noch ein Tabuthema. Ich sehe das anders und versuche, locker und positiv an das Thema heranzugehen.»
Nun wartet Frau Scheuber auf ihr Ergebnis der Mammographie-Untersuchung. Rund fünf Arbeitstage dauert es, bis sie im Rahmen des Vorsorgeprogramms vom Kanton Luzern Bescheid erhält. Sorgen macht sie sich deshalb nicht. Angst sei ein schlechter Begleiter. «Ich vertraue auf die Arbeit der Radiologinnen und Radiologen.»
Häufig gestellte Fragen
Was passiert bei einer Mammographie?
Für die Mammographie wird Ihre Brust zwischen zwei Platten gelegt und für wenige Sekunden zusammengedrückt. Durch den Druck wird das Gewebe auseinandergezogen. Nur so kann die Ärztin oder der Arzt wie durch eine dünne Schicht hindurchsehen und winzige Veränderungen entdecken, die sonst versteckt bleiben könnten. Ausserdem wird dadurch die Strahlenbelastung halbiert. Von jeder Brust werden zwei Bilder in jeweils zwei Positionen gemacht. Die Mammographie alleine dauert 5 bis 8 Minuten. Für den Termin vor Ort sollten Sie insgesamt 20 bis 30 Minuten einplanen.
Tut eine Mammographie weh?
Bei Frauen mit empfindlichen Brüsten kann ein leichter Druck entstehen. Das ist normal und schadet der Brust nicht.
Wie hoch ist die Strahlenbelastung?
Die Strahlenbelastung bei der Mammographie ist sehr gering. Die genutzten Geräte entsprechen dem neusten Stand der Technik und werden kontinuierlich überwacht.
Was ist wenn ich Brustimplantate habe? Kann ich trotzdem eine Mammographie machen lassen?
Auch Frauen mit Brustimplantaten können eine Mammographie durchführen lassen. Allerdings reichen die Bilder oft nicht zur vollständigen Beurteilung aus. Sprechen Sie deshalb mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Gemeinsam können Sie klären, ob eine Mammographie für Sie geeignet ist oder ob eine andere Untersuchungsmethode (MR-Mammographie) zur Früherkennung besser wäre.
Wie kann ich mich auf die Mammographie-Untersuchung vorbereiten?
Sie brauchen keine Vorbereitungen zu treffen. Am Tag der Untersuchung sollten Sie aber keine Bodylotion, Hautcreme oder Deo verwenden. Das kann Rückstände auf der Haut hinterlassen und die Qualität der Bilder beeinträchtigen.
Was kann ich selber tun, um Brustkrebs früh zu erkennen?
Einmal pro Monat sollte jede Frau ihre Brüste selber abtasten. Es ist die einfachste Methode, um Veränderungen der Brust zu erkennen. Das ersetzt aber keine regelmässige Mammographie. In ein Frühstadium verursacht der Krebs im Allgemeinen keine Beschwerden. Wenn Sie Veränderungen bemerken, zum Beispiel eine Verhärtung, eine Einziehung der Haut oder der Brustwarze, sollten Sie dies von Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt kontrollieren lassen.
Wie unterscheidet sich die Mammographie im Brustkrebsvorsorgeprogramm zu den bisherigen Mammographien (angemeldet durch Frauenärzt*innen oder Hausärzt*innen)?
Wenn Ihre Frauenärztin, Ihr Frauenarzt oder Ihre Hausärztin bzw. Ihr Hausarzt eine Mammographie verordnet, wird standardgemäss die modernste 3D-Mammographie (Tomosynthese) gemacht. Häufig wird zusätzlich ein Ultraschall durchgeführt, vor allem bei einer sogenannten dichten Brust. Im Anschluss an die Untersuchung bespricht die Ärztin oder der Arzt die Ergebnisse direkt mit Ihnen. Sie können die Aufnahmen anschauen und bekommen einen ausführlichen schriftlichen Befund. Die Krankenkasse bezahlt diese Untersuchung nicht immer vollständig. Wenn Sie keine Zusatzversicherung haben, wird der Betrag in der Regel Ihrer Franchise angerechnet.
Anders ist es beim Brustkrebsvorsorgeprogramm des Kantons Luzern: Frauen, die im Kanton Luzern wohnen, können eine Mammographie im 2D-Verfahren machen lassen. Diese Untersuchung erfolgt ohne das neuste 3D-Verfahren und ohne zusätzlichen Ultraschall. Es findet kein persönliches Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt statt. Sie erhalten einige Tage später einen verkürzten schriftlichen Befund. Die Kosten übernimmt die Krankenkasse und die Franchise wird nicht belastet. Sie bezahlen nur den Selbstbehalt von 15 Franken. Frauen zwischen 50 und 74 Jahren erhalten alle zwei Jahre automatisch eine Einladung zur Untersuchung. Auch Frauen über 74 Jahren können weiterhin eine Mammographie ohne Belastung der Franchise machen lassen.
Wo finde ich Antworten auf meine Fragen zum kantonalen Brustkrebsvorsorgeprogramm?
Haben Sie Fragen zum Brustkrebsvorsorgeprogramm des Kantons Luzern? Auf der Programm-Webseite des Kantons Luzern finden Sie Antworten auf häufig gestellte Fragen sowie Kontaktmöglichkeiten.
Kann ich am kantonalen Brustkrebsvorsorgeprogramm teilnehmen, wenn ich erst kürzlich eine Mammographie gemacht habe oder familiär vorbelastet bin?
Informieren Sie sich auf der Webseite des Brustkrebsvorsorgeprogramms des Kantons Luzern über die Voraussetzungen für die Teilnahme.
Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen. Jede achte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens daran. Nach den Wechseljahren steigt das Risiko. Wird Brustkrebs früh erkannt, sind die Heilungschancen besser und die Behandlung in der Regel weniger belastend. Deshalb ist die Hirslanden Klinik St. Anna Teil vom Brustkrebsvorsorgeprogramm des Kantons Luzern.