© Fotos von Philipp Hitz

Douglas Mandry (* 1989)
Ohne Titel (Waterfall) aus der Serie „Les Archives de la Planète“, 2025
Aquarell und Lithografie auf Seide
128 x 156 cm

Standort: Treppenhaus Ebene 2

Douglas Mandry beobachtet die Welt mit der Neugier eines Forschenden und der Sensibilität eines Künstlers. Der Westschweizer arbeitet an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft und geht dafür immer wieder Kooperationen mit renommierten Forschungsinstitutionen ein.

In der Serie „Les Archives de la Planète“ nimmt er Bezug auf eines der bedeutendsten Bildarchive des frühen 20. Jahrhunderts. Zwischen 1908 und 1930 liess der französische Bankier Albert Kahn in einem visionären Projekt die Welt in Farbe fotografieren. Über 72'000 Autochrome und mehr als 100 Stunden Film entstanden, um ein vertieftes Verständnis für andere Kulturen zu ermöglichen.

Mandry experimentiert in dieser Arbeit mit Fotografie, Druckgrafik und Malerei. Sein Interesse gilt dabei weniger dem fertigen Bild als dem Entstehungsprozess selbst, in dem der Zufall eine zentrale Rolle spielt.

Er wählt beschädigte Glasnegative aus dem historischen Archiv und unterzieht sie einem mehrstufigen Verfahren: Seidenstoffe werden in Wasser getränkt und mit Pigmenten eingefärbt, sodass abstrakte Strukturen entstehen. Anschliessend überträgt er die Fotografien mittels Lithografie auf die Textilien. Farben verlaufen, Konturen lösen sich auf, Motive verblassen – die Bilder verlieren ihre dokumentarische Eindeutigkeit.

Die Autochrome tragen bereits sichtbare Spuren der Zeit. Ihr materieller Alterungsprozess macht deutlich, dass dauerhafte Bewahrung Grenzen hat. So zeigt der Künstler sowohl die Fragilität historischer Archive als auch die Verletzlichkeit der Landschaften und Kulturen, deren Erinnerungen sie im Grunde bewahren sollen.