Eine onkologische Rehabilitation hat zum Ziel, Betroffene in ihrer Genesung umfassend zu unterstützen und die Rückkehr in den Alltag zu erleichtern. Seit November 2021 bietet die Hirslanden Klinik Aarau gemeinsam mit der Krebsliga Aargau ein ambulantes Reha-Programm für Männer, die an Prostatakrebs erkrankt sind. Die Leiter des Programms, Anita Gutierrez und Dr. med. Christian von Briel, erklären, wie die Onko-Reha aufgebaut ist und was sie bewirken kann.

Nach einer Prostatakrebs-Operation hat mir (62) der Urologe zu einer onkologischen Rehabilitation geraten. Ich bin aber unsicher, ob das wirklich etwas ist für mich, zumal ich meine Probleme lieber für mich behalte. Was würde mich bei dieser Reha erwarten?

Die Behandlung von Krebserkrankungen hat markante Fortschritte erzielt. Dennoch vermag die Diagnose Krebs nach wie vor die meisten Menschen in ihren Grundfesten zu erschüttern. Die Krankheit ist sowohl in körperlicher wie in psychischer und sozialer Hinsicht eine grosse Belastung, auch dann noch, wenn die eigentliche Behandlung mit Operation, Bestrahlung und/oder Chemotherapie vorbei ist. Hier setzt die onkologische Rehabilitation an: Sie hat zum Ziel, Betroffene in ihrer Genesung umfassend zu unterstützen und die Rückkehr in den Alltag zu erleichtern. Gefördert von der Krebsliga Schweiz, wurden in den letzten Jahren landesweit onkologische Rehabilitationsprogramme aufgebaut, sowohl in stationärer wie auch in ambulanter Form. Eines dieser anerkannten Zentren ist die Hirslanden Klinik Aarau. An der Ambulanten Onko-Reha Aargau (ORA) sind neben diversen Abteilungen unserer Klinik auch die Krebsliga Aargau sowie diverse externe, vor allem im komplementärmedizinischen Bereich tätige Anbieter beteiligt. Seit November 2021 gibt es an unserer Klinik ein ambulantes Programm für Männer, die an Prostatakrebs erkrankt sind.

Dass Sie ein bisschen zögern, ist nachvollziehbar. Zu den möglichen Folgen der Krebsbehandlung gehören unter anderem Harninkontinenz und eine erektile Dysfunktion. Das kann zu Schamgefühlen führen und neben all den mit Krebs verbundenen Ängsten zu einer weiteren Belastung werden. Doch die ORA ist genau dazu da, auch die genannten Probleme aktiv anzugehen. Unsere Fachleute verfügen über viel Erfahrung, gepaart mit Einfühlungsvermögen, Wertschätzung und selbstverständlich absoluter Vertraulichkeit.

Therapien je nach den Bedürfnissen des Patienten

"Programm" klingt vielleicht nach strengem Standard, doch das Gegenteil ist der Fall: Die verschiedenen Therapien werden – basierend auf einem umfassenden Erstgespräch mit Arzt und Reha-Fachperson – nach den individuellen Bedürfnissen des Patienten festgelegt. Und sie sind auch während der Reha-Zeit variabel. Es gibt keinen strikten Fahrplan, gilt es doch auch zu berücksichtigen, dass man nach einer Krebsbehandlung nicht immer gleich gut "zwäg" ist.

Die ambulante Onko-Reha dauert in der Regel 12 bis 16 Wochen, im Schnitt mit wöchentlich 2 Terminen. Zur Seite steht Ihnen ein Coach, in aller Regel eine spezialisierte Pflegefachfrau, die während der ganzen Zeit Ihre Hauptansprechperson ist und auch mit Ihrem Arzt in Kontakt steht. Der Coach kann jederzeit schnell reagieren, wenn Sie sich nicht gut fühlen. Ein weiterer Vorteil: Die administrativen Belange – zum Beispiel Abklärungen mit der Krankenkasse – werden hausintern von unserer Reha-Koordination übernommen. Sie müssen sich nicht darum kümmern. Viele Leistungen werden durch die Grund- oder eine Zusatzversicherung von der Krankenkasse getragen.

Vier bedeutende Pfeiler der Prostata-Reha

Wichtige Reha-Pfeiler für Prostatakrebs-Betroffene sind:

  1. Physiotherapie: Vorab zur Stärkung des Beckenbodens.
  2. Psychoonkologie: Umgang mit psychischen Belastungen in Zusammenhang mit der Krebserkrankung.
  3. Sexualtherapie, oft im Beisein der Partnerin: Eine spezialisierte Therapeutin zeigt auf, wie ein erfülltes Sexualleben weiterhin möglich ist.
  4. Ernährungstherapie: Sie ist nach einer Krebserkrankung von besonderer Bedeutung.

In einer Art "elektronischem Tagebuch" via Smartphone oder PC werden Sie regelmässig zu Ihrem Befinden befragt. Arzt und Coach bleiben so immer auf dem Laufenden, wie es Ihnen geht und wo allenfalls "der Schuh drückt". Sie selber haben dadurch auch eine Erfolgskontrolle der Reha.

Apropos: Die bisher gemachten Erfahrungen und die Rückmeldungen der Patienten sind sehr ermutigend. 90% der Teilnehmer berichten über markante Verbesserungen innert kürzester Zeit. Gerne begleiten wir auch Sie auf dem Weg zur optimalen Genesung.

Anita Gutierrez
Leiterin Pflege Radiotherapie & Leiterin Onko-Reha-Programm / Ambulante Onko-Reha Aargau
Dr. med. Christian von Briel
Leiter Radiotherapie Hirslanden und Belegarzt der Hirslanden Klinik Aarau