Bauchspeicheldrüsenoperation

Abhängig vom Anteil, der von der Bauchspeicheldrüse entfernt wird, spricht man entweder von Bauchspeicheldrüsenkopfoperation (Pankreaskopfresektion), Bauchspeicheldrüsenkörperoperation (Pankreaskörperresektion) oder Bauchspeicheldrüsenschwanzoperation (Pankreasschwanzresektion). In seltenen Fällen muss die gesamte Bauchspeicheldrüse entfernt werden (Totale Pankreatektomie). Die Pankreaskopfentfernung ist die häufigste und zugleich komplizierteste Operation. Dieser Eingriff wird auch Whipple’sche Operation genannt.

Die Bauchspeicheldrüse (Pankreas) produziert Verdauungssäfte und das für den Zuckerstoffwechsel wichtige Hormon Insulin. Die Verdauungssäfte werden über den Bauchspeicheldrüsengang in den Zwölffingerdarm abgegeben. Häufigste Gründe für eine Bauchspeicheldrüsenoperation sind chronische Entzündungen der Bauchspeicheldrüse und Tumore. Bei den Tumoren handelt es sich leider oft um den bösartigen Bauchspeicheldrüsenkrebs, der vom Bauchspeicheldrüsengang ausgeht.

Bösartige Tumoren der Bauchspeicheldrüse müssen immer operiert werden. Je nach Lage des Tumors wird dabei der Kopf, der Körper oder der Schwanz der Bauchspeicheldrüse entfernt. Die totale Entfernung der Bauchspeicheldrüse ist zum Glück nur in Ausnahmefällen notwendig. Gelegentlich ist auch eine Operation bei Pankreaszysten notwendig. Zysten sind mit Flüssigkeit gefüllte Hohlräume. In der Bauchspeicheldrüse werden die Zysten operiert, wenn diese bösartige Anteile enthalten oder wenn sie Beschwerden verursachen. Bei chronischen Entzündungen muss operiert werden, wenn infolge der Entzündung der Abfluss der Verdauungssäfte in den Zwölffingerdarm behindert ist. Manchmal genügt es, in den verstopften Bauchspeicheldrüsengang ein Kunststoffröhrchen (Pankreas-Stent) einzulegen. Dieser Eingriff kann endoskopisch mit einer Zwölffingerdarmspiegelung durchgeführt werden.

Welche Vorbereitungen werden getroffen?

Zur Abklärung der Bauchspeicheldrüsenerkrankung werden verschiedene Untersuchungen durchgeführt. Je nach Situation kommen Ultraschall, Computertomographie, MRI, Zwölffingerdarmspiegelung oder Pankreasbiopsie zum Einsatz.

Der Eintritt in das Spital erfolgt in der Regel am Vortag der Operation. Vor der Operation finden die allgemein üblichen Abklärungen wie Blutuntersuchung, Blutdruckmessung und EKG statt. Die Bauchspeicheldrüsenoperation wird in Vollnarkose durchgeführt und man muss vor dem Eingriff entsprechend nüchtern sein.

Wie wird die Operation durchgeführt?

Bauchspeicheldrüsenoperationen sind komplexe Eingriffe, die nur in dafür spezialisierten Zentren durchgeführt werden sollten. Die Pankreasschwanzoperation, die Pankreaskörperoperation und die komplette Pankreasentfernung werden immer häufiger mit der minimalinvasiven [Laparoskopie-Technik] durchgeführt.

Die Pankreaskopfentfernung (Whipple’sche Operation), die zugleich die häufigste Bauchspeicheldrüsenoperation darstellt, wird hingegen immer noch bevorzugt als offene Operation vorgenommen. Bei dieser komplizierten Operation werden neben dem Pankreaskopf auch der Zwölffingerdarm, Teile der Gallenwege und die Gallenblase entfernt. In seltenen Fällen muss zudem auch noch ein Teil des Magens mitentfernt werden. Ursache für diesen grossen chirurgischen Eingriff ist meist ein Bauchspeicheldrüsenkrebs.

Die Öffnung der Bauchdecke erfolgt üblicherweise mit einem Querschnitt, seltener mit einem Längsschnitt. Zuerst wird der Bauchspeicheldrüsenkopf freigelegt und überprüft, ob der Tumor in das umliegende Gewebe eingewachsen ist. Wenn eine Operation möglich ist, werden nacheinander Gallengang, Gallenblase, Pankreaskopf und Zwölffingerdarm entfernt. Anschliessend wird das Trennstück des Dünndarms hochgezogen und mit dem Rest der Bauchspeicheldrüse verbunden. Der Magen wird ebenfalls mit dem Dünndarm verbunden und auch der verbliebene Gallengang wir neu mit dem Dünndarm verbunden. Diese neuen Verbindungen werden Anastomosen genannt.

Wie sieht die Erfolgsquote der Behandlung aus?

Die Prognose nach Bauchspeicheldrüsenoperationen hängt von der Grunderkrankung ab. Bei gutartigen Tumoren oder chronischen Entzündungen sind die Heilungschancen sehr gut.

Bei Bauchspeicheldrüsenkrebs ist das Stadium der Krebserkrankung ausschlaggebend für den Heilungserfolg. Bei lokal begrenzten Tumoren, die noch keine Ableger gebildet haben, kann die Operation die Krebserkrankung heilen. Leider wird aber der Bauchspeicheldrüsenkrebs häufig erst in einem Stadium entdeckt, wo die Operation zwar eine Lebensverlängerung bringt, aber keine definitive Heilung mehr möglich ist.

Was sind die Komplikationen oder Risiken der Behandlung?

Bauchspeicheldrüsenoperationen sind komplexe Eingriffe. Das Risiko für gewisse Komplikationen wie Infektionen, Verwachsungen oder undichte Nahtstellen ist etwas höher als bei anderen Bauchoperationen. In seltenen Fällen kann es nach der Operation zu einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung kommen. Um das Risiko für diese gefährliche Komplikation möglichst gering zu halten, sollten Bauchspeicheldrüsenoperationen nur in Zentren durchgeführt werden, die dafür spezialisiert sind.  

Wie geht es nach dem Eingriff weiter?

Patienten mit Bauchspeicheldrüsenoperation werden nach der Operation normalerweise für einige Zeit auf der Intensivstation betreut. Die Nahrungsaufnahme erfolgt schrittweise. Zu Beginn im Allgemeinen über eine Sonde, die während der Operation in den Dünndarm gelegt wurde. Die Sonde kann nach 1 bis 2 Tagen entfernt werden. Mit der Zeit kann man wieder wie gewohnt essen und trinken. Allerdings sollten übermässig fette und süsse Speisen vermieden werden. Je nach Ausmass der Operation müssen zur Unterstützung der Verdauung vorübergehend oder dauerhaft Verdauungsenzyme eingenommen werden. Auf Alkohol sollte gänzlich verzichtet werden. Sportliche oder schwere körperliche Tätigkeiten sind etwa sechs Wochen nach der Operation wieder möglich.

Bei einer kompletten Entfernung der Bauchspeicheldrüse entsteht ein Diabetes, der mit Insulin behandelt werden muss. Bei teilweiser Entfernung wird darauf geachtet, dass noch genügend Bauchspeicheldrüsengewebe für die Insulinproduktion übrigbleibt. Trotzdem ist auch hier gelegentlich eine Insulinbehandlung notwendig.

Nach einer Bauchspeicheldrüsenoperation sind regelmässige Kontrolluntersuchungen notwendig. Bei Krebserkrankungen wird nach der Operation meist eine Chemotherapie durchgeführt.

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